Obdachlose

Hilfe für Obdachlose im Winter: DRK hat zwei neue Wärmezelte

Sie helfen Obdachlosen bei klirrender Kälte: Das Team der DRK Bereitschaft Borbeck in einem der neuen Zelte.

Sie helfen Obdachlosen bei klirrender Kälte: Das Team der DRK Bereitschaft Borbeck in einem der neuen Zelte.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  In den letzten Monaten sind 15.000 Euro für die DRK Kältehilfe gespendet worden. Ein Besuch beim „Tag des offenen Zeltes“ in Essen.

Wenn sich Obdachlose nachts im Winter in größter Not befinden, dann helfen die Ehrenamtlichen der DRK Kältehilfe Borbeck. Für Menschen, die auf der Straße leben, gibt es seit circa drei Jahren das Wärmezelt am Wolfsbankring. Im November des vergangenen Jahres hat das DRK auf der Online-Spendenplattform „Gut für Essen“ erstmals einen Aufruf gestartet. Seither sind rund 15.000 Euro gespendet worden. Am Sonntag luden die Ehrenamtlichen zum ersten „Tag des offenen Zeltes“ ein – dort stellten sie ihre Arbeit vor und bedankten sich bei den Spendern.

Von den Spenden wurden zwei neue Zelte angeschafft

Von der großen Spendenbereitschaft waren die Helfer überrascht. Als die Aktion auf der Facebook-Seite gepostet wurde, wurde der Beitrag über 4000 Mal geteilt. Von dem Geld sind unter anderem zwei neue Zelte angeschafft worden. Die beiden 30 Quadratmeter großen Unterkünfte werden im kommenden Winter zum ersten Mal eingesetzt. So besteht auch die Möglichkeit, betroffenen Frauen Privatsphäre zu bieten. Zuvor gab es ein in die Jahre gekommenes 50 Quadratmeter großes Zelt für alle.

Außerdem wurden 15 neue Feldbetten angeschafft und einiges mehr. Und noch eine Neuerung gibt es: Bisher wurde das Zelt ab einer Außentemperatur von minus fünf Grad geöffnet. Ab kommenden Winter, werde man schon früher öffnen, sagt Elke Zbiera, stellvertretende Leiterin der Bereitschaft Borbeck. Nun könne man auch mit einer kleineren Gruppe von Ehrenamtlichen eines der beiden neuen Zelte früher aufbauen.

Auch gestrandete Lastwagen-Fahrer erhalten Hilfe

Normalerweise kümmern sich die 35 Ehrenamtlichen der Bereitschaft Borbeck um Katastrophenfälle, betreuen beispielsweise Menschen, die bei Bombenentschärfungen ihre Wohnung verlassen müssen. Aber auch das Schicksal der Obdachlosen bei Minusgraden ließ sie nicht kalt und so wurde das Projekt Kältehilfe ins Leben gerufen. Die Initiative „Essen packt an“ habe die Kältehilfe unterstützt und beispielsweise bei ihren Aktionen für Obdachlose die Information verbreitet, dass es das Wärmezelt gebe, so Zbiera. Mit der Zeit seien immer mehr Hilfsbedürftige gekommen: Angefangen habe man mit zehn Gästen, in Spitzenzeiten waren schließlich 21 Übernachter da.

Als die Polizei von dem Projekt erfuhr, brachten sie beispielsweise einen gestrandeten Lastwagen-Fahrer, dessen Fahrzeug stillgelegt worden war und der nicht wusste, wo er die Nacht verbringen sollte. Auch in solchen Fällen helfen die DRKler einfach und unkompliziert. Menschlichkeit ist der erste DRK-Grundsatz, menschliches Leiden zu lindern war einst der Gründungsgedanke.

Obdachlose dürfen ihre Tiere mit ins Wärmezelt nehmen

Eine Besonderheit der Wärmezelte: „Die Obdachlosen dürfen ihre Tiere mitbringen“, erklärt Zbiera. Es sei ganz wichtig für die Menschen, die Vierbeiner an ihrer Seite zu haben. „Die Tiere sind ihre Kinder.“ Das Angebot sei bewusst niederschwellig gehalten. Raus fliegt nur, wer Ärger macht.

Die Ehrenamtlichen sind an eiskalten Winterabenden ab 19 Uhr im Einsatz, ab 21 Uhr dürfen die Obdachlosen ins Zelt. „Wir sind die ganze Nacht wach und da“, erklärt Zbiera. Und auch wer mitten in der Nacht einen warmen Platz sucht, werde fündig. Das Projekt sei keine Konkurrenz zu bestehen Einrichtungen, sagt Madleen Knauth, die sich beim DRK-Kreisverband Essen um das Thema Fundraising kümmert. Die Ehrenamtlichen helfen in Notsituationen und vermitteln anschließend oft an andere Einrichtungen. Es gehe nicht darum Sozialarbeiter zu ersetzen.

Junge Ehrenamtliche: „Jetzt merke ich erst, wie gut es mir geht“

Schnell entstanden immer neue Ideen rund um das Wärmezelt – und so gibt es heute eine von Restaurants gespendete warme Mahlzeit am Abend, ein Frühstück, eine kleine Kleiderkammer und eine Duschmöglichkeit. Von der Spendenbereitschaft der Essener ist Zbiera angetan: „Die Leute kommen zum Beispiel vorbei und fragen, was wir brauchen, und kurze Zeit später stehen sie mit einem Einkaufswagen voll Lebensmittel vor der Tür.“ „Essen packt an“ habe Kleidung organisiert. Ein Spender brachte 120 Schlafsäcke.

Auch der Nachwuchs des Jugendrotkreuz macht mit: Sie spielen beispielsweise Gesellschaftsspiele mit den Obdachlosen. „Einige haben danach gesagt: ‘Jetzt merke ich erst, wie gut es mir geht’“, sagt Zbiera.

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