Nahverkehr

Horster Bürger fordern eine neue Bus-Anbindung

Den Bürgerbus, der zunächst aus Spenden finanziert wurde, organisiert Frisörin Conny Vatter nun aus eigenen Mitteln und hofft auf weitere Unterstützung.

Den Bürgerbus, der zunächst aus Spenden finanziert wurde, organisiert Frisörin Conny Vatter nun aus eigenen Mitteln und hofft auf weitere Unterstützung.

Foto: Sara Schurmann

Essen-Horst.  In der Bus-Debatte stehen Politik, Verkehrsplaner und Verwaltung enttäuschten Bürgern Rede und Antwort. Abgespeckte Verbindung ist in Aussicht.

Dass hier wieder ein Bus fährt, glaube ich erst, wenn er vor mir steht!“, sagt Edda Heiermann (64) zur zweiten Bürgerversammlung in der „Gaststätte Großjung“. Seit 45 Jahren wohnt sie am unteren Ende von Horst. Was den Nahverkehr betrifft, fühlt sie sich seit Sommer 2018 abgeschnitten: Die Buslinie 167 zwischen den DB-Bahnhöfen Steele-S und Horst-S wurde zum 10. Juni ersatzlos gestrichen. Ruhrbahn-Begründung: „geringe Nachfrage“. Nun ist mit einer abgespeckten Variante eine Lösung in Sicht.

Denn der Wochenmarkt in Steele, aber auch die Discounter an der Ruhrau sind nun schlecht oder gar nicht zu erreichen. Vor allem für Ältere, die weite Fußwege mit schweren Taschen nicht schaffen. Heiermann: „Ich habe ein Ticket, das ich für den Einkauf aber nicht nutzen kann.“

Ein Sammel-Taxi steht auf der Wunschliste

Gehbehinderte Senioren kommen aus dem Idyll an der Ruhr nur noch mit Pkw oder Taxi weg. Mit Fahrgemeinschaften und dem von Frisörmeisterin Conny Vatter ins Leben gerufenen „Bus anne Ruhr 67“ behelfen sich Familien und Nachbarn seit bald einem Jahr. Doch als Dauerzustand wollen die Horster das nicht akzeptieren. Ein Ruhrbahn-Bus soll her, die alte Linie oder eine neue. Auch ein Sammel-Taxi steht auf der Wunschliste.

Aus der Bezirksvertretung VII hatte Nicole Markner, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion, früh Unterstützung zugesagt. Im März stellte die CDU einen entsprechenden Antrag. Nach der ersten Versammlung im Februar diskutierten die Anwohner jetzt im voll besetzten Gastraum mit Fachleuten aus Verwaltung und Verkehrsplanung. Zur Bus-Debatte nahm Christoph Lademann Stellung. Er leitet bei der Ruhrbahn den Bereich Verkehrsmanagement.

Wo wenig Fahrgäste sind, wird gekappt

„Liebend gern würde man mehr für den Stadtteil machen“, sagte er. Doch zuvor müsse die Stadt beim Verkehrsunternehmen einen Antrag stellen. Etwa alle sieben Jahre würde der Essener Fahrplan neu gestrickt, so Thomas Weiring vom Amt für Stadtplanung und Bauordnung, in der teils hitzigen Debatte stets um Sachlichkeit bemüht. Ein Arbeitskreis aus Fachgutachtern und Ruhrbahn prüfe alle paar Jahre die Auslastung von Bussen und Bahnen. „Unter Sparvorgaben wurde das Geld da eingesetzt, wo hohe Frequenzen sind.“ Umgekehrt: Wo wenig Fahrgäste sind, wird gekappt.

Vom S-Bahnhof in Horst bis Steele-S fuhr die 167 gerade 16 Minuten, dazwischen lagen 13 Haltestellen. Im unteren Quartier wurden Beulestraße, Abzweig Breloher Steig und Horster Straße angefahren. Weiter Richtung Steele passierte die Linie die Ruhrau. Früh morgens, wusste Lademann, sei der Wagen fast leer gewesen. Die Anwohner wünschen sich nun eine neue Verbindung ab dem frühen Vormittag an den Steeler Markttagen – also dienstags, donnerstags und samstags bis etwa 13 oder 14 Uhr.

Bürger erinnern an das ÖPNV-Gesetz

„Hier unten gibt es keine Lebensmittelgeschäfte“, betonte Markner. Die Menschen im Stadtteil müssten aber per ÖPNV den täglichen Bedarf decken können. Nach solchen Versorgungsengpässen fragte Lademann dann auch. Später signalisierte er, dass auch er sich einen Bus vorstellen könnte, der das untere Horst an drei Tagen mehrmals bedient. Freie Busse aus Steele könnten seiner Ansicht nach dafür in Frage kommen.

An das ÖPNV-Gesetz erinnerte Wolfgang Paulert, der seit 20 Jahren in Horst lebt. Darin heißt es: „In allen Teilen des Landes ist eine angemessene Bedienung der Bevölkerung durch den ÖPNV zu gewährleisten …“ Und dass „bei geringer Nachfrage die Möglichkeiten alternativer Bedienungsformen wie Rufbusse, Sammel- und Linientaxen oder Bürgerbusse genutzt werden.“ Genau diese Alternativen wollen Stadt und Ruhrbahn nun ebenfalls prüfen.

Bänke und Wartehäuschen bereits abgebaut

Die CDU hofft, dass bis Anfang 2020 eine Lösung realisiert wird. Eine erste Antwort wird nach der Sommerpause erwartet. Auch Friedhelm Krause, CDU-Ratsherr und stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirates, zeigte sich nach rund 90 Minuten Diskussion optimistisch. Für den privaten „Bus anne Ruhr 67“ zückte er 50 Euro, die Vatter gleich in die Spardose steckte. Seit zwei Monaten schreibt ihr Bus rote Zahlen. In einem Antrag an die Bezirksvertreter will sie nun um Finanzhilfe bitten.

Die Bürger waren vorbereitet und brachten frische Ideen in die Debatte. Etwa diese: Die Ruhrbahn-Linie 144 (Kray - Steele - Annental – Stadtwald) solle einen Schlenker über die Horster Straße machen und abgeschnittene Straßen anfahren. Haltestellen müsste man erst wiedereinrichten: Bänke und Wartehäuschen wurden gleich nach dem Wegfall der Linie abmontiert.

>>DER BUS ANNE RUHR FÄHRT WEITER

  • Der „Bus anne Ruhr 67“ fasst bis zu neun Personen inklusive Rollstuhl. Er fährt donnerstags und samstags um 10 Uhr vom „Frisör anne Ruhr“ an der Horster Straße nach Steele bis zur Friedenskirche. Rückfahrt ist um 12.30 Uhr.
  • Tickets für Erwachsene kosten pro Strecke zwei Euro, für Kinder die Hälfte.

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