Konzert

„Ick bin ein Essener“: Kiss rockt Essen, 20.000 Fans feiern

Bei ihrer „End of the Road World Tour 2019“ machte Kiss im Essener Stadion Station.

Bei ihrer „End of the Road World Tour 2019“ machte Kiss im Essener Stadion Station.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Im Rahmen ihrer „End of the Road World Tour 2019“ gab die US-Rockband Kiss ein von 20.000 Fans bejubeltes Abschiedskonzert im Stadion Essen.

Nicht nur die Fans durften sich geknutscht fühlen, nein: ganz Essen. Die amerikanische Hardrock-Institution Kiss beehrte für das Abschiedskonzert im Rahmen ihrer „End of the Road World Tour 2019“ das Stadion in Essen. Seine Mutter sei in Berlin geboren und ganz nach dem Vorbild John F. Kennedys erklärte Paul Stanley, Frontmann der 1972 in New York gegründeten Band, „Ick bin ein Essener!“.

Überhaupt hatte dieser Kuss zum Abschied nichts Wehmütiges, sondern es war ein fetter Schmatz bei einem Goodbye, für das man den perfekten, nämlich den schönsten Zeitpunkt gewählt hat. Die Kiss-Army sowie die Kiss-Family, insgesamt rund 20.000 Fans, sind noch einmal zusammengekommen, um ein letztes Mal einem Best-of-Repertoire zuzujubeln.

Fans griffen in die Klamottenkiste und den Schminkkasten

Zum offiziellen Abschied – schließlich weiß man bei diesen Rock-Dinosauriern nie wirklich, wann sie endgültig gestorben sind – haben sich viele Anhänger an den Dresscode gehalten und sich nochmals in ein mitunter jahrzehntealtes, verblichenes Fanshirt gezwängt. Einige hatten auch tief in den Schmink-Kasten gegriffen, um ihren Vorbildern, meist sind es die verbliebenen Gründungsmitglieder Paul „The Starchild“ Stanley (67, Gesang, Gitarre) und Gene „The Demon“ Simmons (69, Gesang, Bass), ihre Verbundenheit zu beweisen.

Der Led Zeppelin-Klassiker „Rock`n`Roll“ signalisiert den Showstart, und nachdem der Vorhang gefallen ist, nehmen Kiss den Rock`n`Roll-Faden mit ihrem Kracher „Detroit Rock City“ auf. Leider kann die Klangqualität zu Beginn nicht überzeugen, zu sehr drückt der Instrumental-Sound die angestrengt klingende Stimme Stanleys in den Hintergrund.

Paul Stanley zeigt sich als alter Profi

Doch an der Feinabstimmung wird gearbeitet, und so klingt das folgende „Shout It Out Loud“ bereits so wie der Titel vorgibt. Stanley, ein mit allen Showtalenten gewaschener Profi, benötigt nur wenige bekannte Gesten wie etwa das Schwerhörigkeit vorgebende Eine-Hand-ans-Ohr-Halten, und schon bricht in der Menge der Jubel aus.

Die Begeisterung schnellt bereits zu Konzertbeginn auf den Höhepunkt, zusätzlich befeuert durch ein schier unerschöpfliches Arsenal an Pyrotechnik. Es kracht mit Donnerhall, immer wieder schießen Flammenzungen bis unter das Bühnendach und rotierende Räder versprühen Funken.

Ein Kiss-Klassiker nach dem anderen

Das Repertoire erstreckt sich über die gesamten 45 Jahre Kiss-Karriere, darunter sind „I Love It Loud“, „War Machine“ oder auch „Cold Gin“. Als Stanley einen Old-School-Kiss-Song ankündigt, zeigt dies einen gewissen Humor, denn letztlich sind alle Songs von Kiss irgendwie alte Hardrock-Schule. Harte Gitarrenriffs, treibende Schlagzeug-Rhythmik und ein häufig mehrstimmig intonierter, immer sehr eingängiger Refrain bilden das Grundmuster, das kein Abweichen vom Hardrock-Muster zulässt.

So erzeugt ein Klassiker nach dem nächsten eine Begeisterungswelle nach der anderen. Echt alte Schule sind auch mittlerweile als historisch einzustufende Showelemente wie das Schlagzeug-Solo von Eric Singer, das mit intensivem Double-Bass-Einsatz beeindruckt, sowie das Basssolo von Gene „Die Zunge“ Simmons sowie Gitarren-Soli. Als Show-Highlight geht es für Stanley per Seilbahn von der Bühne zu einem Podest inmitten des Stadions, wo er seinen Fans besonders nahe sein will, und auch den einzigen Pop-Hit der Band „I Was Made For Loving You“ präsentiert.

Nach der letzten Zugabe „Rock`n`Roll All Nite“ wird Kiss wortbrüchig, denn nach rund zweieinhalb Stunden Konzertdauer ist schließlich Schluss mit Abschiednehmen. Aber niemand unter den euphorisierten Fans dürfte traurig den Heimweg angetreten haben. Der Kiss-Kater kommt vermutlich erst später.

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