Diesel-Verbote

In Essen drohen Fahrverbote für Zehntausende Dieselautos

Droht auf der Alfredstraße ein Fahrverbot für Diesel-Fahrer? Dort wurde auch letztes Jahr der Grenzwert für Stickoxide noch deutlich überschritten.Foto:Funke Foto Services

Droht auf der Alfredstraße ein Fahrverbot für Diesel-Fahrer? Dort wurde auch letztes Jahr der Grenzwert für Stickoxide noch deutlich überschritten.Foto:Funke Foto Services

Essen.   Das Verwaltungsgericht entscheidet am Donnerstag, ob in Essen Fahrverbote für Diesel verhängt werden sollen. Zehntausende Fahrer wären betroffen.

Zehntausende Essener Dieselauto-Besitzer werden mit Bangen auf das Ergebnis der Verhandlung des Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen warten. Im Sitzungssaal III entscheidet sich am Donnerstag, ob sie nächstes Jahr noch überall im Essener Stadtgebiet freie Fahrt haben werden, oder ein Diesel-Fahrverbot sie auf einzelnen Straßen oder gar flächendeckend ausbremst.

Inzwischen gehen die Zahlen der dieselbetriebenen Pkw und Lkw kontinuierlich zurück. Waren im März in Essen noch 102.724 Diesel gemeldet, so sank die Zahl zum 1. November auf 98.197.

Die Deutsche Umwelthilfe hat das Land NRW verklagt und will gerichtlich Diesel-Fahrverbote in den Städten erzwingen, in denen seit acht Jahren der Stickoxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm teilweise deutlich überschritten wird. Für Aufsehen sorgte vergangene Woche ein Gerichtsurteil, wonach in Köln nicht nur auf einzelnen Straßen, sondern in der gesamten Umweltzone ein Fahrverbot für ältere Diesel gelten soll, ab September auch für Euro-V-Diesel.

Umweltschützer sagen Fahrverbote in Essen voraus

Nun sind in Köln deutlich größere Belastungen von bis zu 62 Mikrogramm gemessen worden, in Essen lag der höchste Wert im Vorjahr mit 49 Mikrogramm in Frohnhausen. Aber auch in Bonn ( wie Essen als Modellstadt vom Bund als Modellstadt für „Saubere Luft“ ausgewählt) sollen trotz geringerer Überschreitungen Fahrverbote auf immerhin zwei Hauptstraßen eingeführt werden.

Dirk Jansen, NRW-Sprecher der Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) glaubt, dass die Richter zumindest streckenbezogene Fahrverbote für Essen verlangen werden. „Das kann ich mir anders nicht vorstellen. Eine signifikante Verbesserung der Luftqualität ist doch nicht in Sicht.“

Sollte es zu Fahrverboten kommen, könnte es in einer ersten Stufe allein bei den Pkw für rund 25.000 ältere Diesel (bis Euro IV) zu Beschränkungen kommen, in einer zweiten Stufe wäre das auch für etwa 27.000 Euro-V-Diesel-Pkw möglich. Bis auf weiteres nichts zu befürchten haben die mehr als 24.000 Besitzer neuer Diesel-Fahrzeuge (Euro VI).

Kluge Ampeln sollen in Essen für bessere Luft sorgen

Umweltdezernentin Simone Raskob, die Fahrverbote wegen der Verdrängung des Verkehrs in andere Straßen für kontraproduktiv hält, hoffte auf die Trendwende und nannte als Beispiel die einst besonders belastete Gladbecker Straße, deren Stickoxidwerte im Vorjahr (41 Mikrogramm) nur noch knapp oberhalb der erlaubten Schwelle lagen. Doch der positive Trend scheint sich dieses Jahr nicht fortzusetzen. Nach den Monatsberichten des Landesamtes für Umwelt und Naturschutz (Lanuv) wurde der Grenzwert auf der Gladbecker Straße in den ersten neun Monaten nur an drei Monaten eingehalten und stieg zeitweise auf bis zu 48 Mikrogramm an.

Fahrverbote auf einzelnen Straßen will die Stadt auf der Grundlage des neuen „Masterplanes Verkehr“ auch mit ausgeklügelten Ampelsteuerungen verhindern. Auf der Alfredstraße soll das Projekt aber frühestens im nächsten Jahr starten. Der zusätzliche Busverkehr, der Pendler zum Umsteigen bewegen soll, ist erst für Sommer 2019 geplant. Verbilligte Tickets soll es ab Januar geben, der Förderbescheid dafür fehlt aber noch.

>>GRENZWERT-ÜBERSCHREITUNGEN IN ESSEN

In Essen wurde der Stickoxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm an fünf von zehn Mess-Stellen überschritten: Frohnhausen (49 Mikrogramm), Alfredstraße 47, Krayer Straße (45), Gladbecker- und Brückstraße (je 41).

Auf der Gladbecker Straße wurde nach den Lanuv-Monatsberichten der Grenzwert in diesem Jahr an sechs Monaten überschritten: Mai (48 Mikrogramm), Juli (47), Februar (46), April und September (44), März (42). Besser war die Luft im Januar (34), Juni (39) und August (40). Die Daten sind noch vorläufig.

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