Zollverein

In Zollvereins Mitmachzeche bauen kleine Besucher Kohle ab

So macht ein Museumsbesuch Spaß: Schüler der Viktoria-Grundschule in Katernberg dürfen in der Mitmachzeche von Zollverein mit einem pfiffigen Plastik-Presslufthammer an einer schwarzen Wand Kohle abbauen.

So macht ein Museumsbesuch Spaß: Schüler der Viktoria-Grundschule in Katernberg dürfen in der Mitmachzeche von Zollverein mit einem pfiffigen Plastik-Presslufthammer an einer schwarzen Wand Kohle abbauen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Am Gründerschacht 1/2/8 von Zollverein hat die neue Mitmachzeche ihre Pforten geöffnet. Junge Besucher erleben die Welt des Bergmanns hautnah.

Schacht XII mit seinem markanten Doppelbock dient als fotogenes Symbol der Zeche Zollverein, aber Schacht I ist als Gründerschacht der Ursprung des gesamten Welterbe Komplexes. Genau dort, wo Franz Haniel, der legendäre Ruhrbaron, 1851 den ersten Zollverein-Schacht abteufte und die Mergeldecke durchstieß, stillen lachende Kinder heute ihren Wissensdurst: Der gerade erst denkmalgerecht hergerichtete Wagenumlauf des 168 Jahre alten Gründerschachtes dient nun als Mitmachzeche für Kinder, Jugendliche und Familien.

Die 90 Schüler der Grundschule an der Viktoriastraße in Katernberg gehören an diesem Dienstagmorgen zu den ersten, die die Welt des Bergmanns auf spielerische Weise kennenlernen. Das Schöne daran: Eingekleidet mit Grubenjacke, Helm und Halstuch schlüpfen sie in die Rolle des Bergmanns und bekommen an den 13 Stationen schnell ein Gespür dafür, wie hart und schwer die Arbeit der Kumpel gewesen sein muss.

Der Gästeführer hat auf Zollverein gelernt, 40 Jahre arbeitete er unter Tage

Gästeführer Horst Michael Rudnik (56), der 1977 auf Zollverein anlegte und danach 40 Jahre unter Tage gearbeitet hat, zuletzt als Reviersteiger auf Auguste Victoria, nimmt die kleinen Besucher an die Hand. „Und wo kommt jetzt der Materialwagen hin?“, fragt Rudnik an der ersten Station zum Thema „Transport“. Zunächst müssen die Schüler der Klasse E4 von Lehrerin Monika Walka Dutzende Puzzleteile zusammenfügen, bis der Grundriss einer Schachtanlage komplett ist. Dann verschieben sie Kohlewagen, Materialwagen und gestapeltes Grubenholz. „Hierhin“, sagt einer. Und Rudnik nickt zufrieden.

Für Heinrich Theodor Grütter, den Direktor des Ruhrmuseums, geht mit der Eröffnung der Mitmachzeche eine langgehegter Wunsch in Erfüllung. Trotz des enormen Touristen- und Besucherstroms will der Museumsdirektor neue Besuchergruppen erschließen, darunter insbesondere die Jüngsten und ihre Eltern. „Uns war es sehr wichtig, unsere Angebote für Kinder und Jugendliche auf Zollverein zu verstärken, um den Bergbau anschaulich und erlebbar zu machen.“

Die Mitmachzeche schafft ein besonderes Programm der Wissens- und Erfahrungsvermittlung: Kinder, Jugendliche und ganze Familien können anders als bei der klassischen Museumsführung selber aktiv werden. Erfahrene Gästeführer wie Rudnik stehen ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite. Fertig ist die Mitmachzeche längst noch nicht. Grütter kündigt am Rande der Premierenveranstaltung an, dass am Fuße von Schacht 1/2/8 in naher Zukunft noch eigens ein Kinderspielplatz entstehen wird.

Im Untertagebetrieb bauen die Viktoria-Grundschüler mit knatternden Plastik-Presslufthämmern Kohle ab

Immer wieder geht es vorbei an stählernen Relikten der Kohleförderung. In der Lampenstube führt Thorsten Seifert, Leiter des Denkmalpfades Zollverein, verschiedene historische Grubenlampen vor. Zu den Höhepunkten der kleinen Mitmachzeche zählt der Untertage-Betrieb. Dort stehen die aufgeregten Viktoria-Grundschüler – bewaffnet mit einem gelben Plastik-Presslufthammer – vor einer schwarzen Wand. Die kleinen Kumpel lassen ihre Hämmer rattern, holen das schwarze Gold aus dem Kohlenflöz und staunen. Es geht durch die Strecke Marke „Deutscher Türstockausbau“ zurück zum Schacht. Dort erleben die Schüler eine geräusch-echte Seilfahrt im Förderkorb und der Gästeführer ruft ihnen das traditionsreichste Wort entgegen, das der deutsche Bergbau hervorgebracht hat: „Glückauf!“.

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