Gastronomie auf Zeit

Junge Gastronomen betreiben Pop-up-Restaurant in Essen

Verena Frielingsdorf bewirtet derzeit ihre Gäste in einer Reithalle in Heidhausen. Das Restaurant ist aber nur noch bis Anfang März geöffnet.

Foto: STEFAN AREND

Verena Frielingsdorf bewirtet derzeit ihre Gäste in einer Reithalle in Heidhausen. Das Restaurant ist aber nur noch bis Anfang März geöffnet. Foto: STEFAN AREND

Essen.   Genuss für kurze Zeit: In einer Reithalle haben zwei Essener ein Pop-up-Lokal eröffnet. Sie erzählen, was den Reiz des Vergänglichen ausmacht.

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Im Einzelhandel ist das Phänomen schon länger bekannt: So genannte Pop-up-Läden öffnen für eine kurze Zeit und sind dann wieder weg. Nun greift dieser Trend auch auf Restaurants über, vor allem in Städten wie München oder Hamburg bereichern die Gaststätten auf Zeit gerade die dortige Gastronomie.

In Essen hingegen sind Verena Frielingsdorf und Gerrit Kolata mit ihrem Pop-up-Restaurant noch die Ausnahme. Das Paar tourt seit zwei Jahren mit ihrem Foodtruck „Du & Ich“ durch die Region und hat sich Anfang Januar im Stadtteil Heidhausen mit ihrer Gastronomie für kurze Zeit sesshaft gemacht.

Neues Leben in der ehemaligen "Hubertusstube"

Kurzerhand verwandelten beide das Casino über einer Reithalle am ‪Klusemannsweg in eine gemütliche Stube, in der sie ihre Gäste für insgesamt knapp zwei Monate bewirten. Die „Hubertusstube“ dort stand seit 15 Jahren leer. „Umso mehr freuen sich die Leute hier, dass wieder etwas Leben einzieht. Schließlich gibt es in Heidhausen kaum noch ein gastronomisches Angebot“, sagt Verena Frielingsdorf, die die Eigentümer der Reithalle privat kennt.

Die Räumlichkeiten dienten nur noch als Aufenthaltsort für die Vereinsmitglieder. Das Restaurant ist entsprechend etwas spärlich eingerichtet. Immerhin: Theke, Stühle und Tische gibt es in der alten „Hubertusstube“ noch. Das Ambiente Marke „Eiche rustikal“ haben die beiden Jung-Gastronomen mit Kerzen und frischen Blümchen aufgehübscht, die Tische sind mit Besteck und Servietten eingedeckt, auf den Bänken liegen kuschelige Felle. Der Ofen, der während des Betriebes mit Holz befeuert wird, verströmt vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit Gemütlichkeit.

Das Essen im Pop-up-Restaurant ist dem urigen Ambiente angepasst

Nach über einem Monat Erfahrung kann Verena Frielingsdorf schon eine zufriedene Zwischenbilanz ziehen: Die Gäste hätten das Restaurant gut angenommen. Die Atmosphäre an den Abenden sei entspannt und locker – ein wenig wie in einer Besenwirtschaft.

Die Speisen sind dem zünftigen aber urigen Ambiente angepasst; etwa ein Fleisch-Fondue oder die Bergische Kaffeetafel am Sonntagvormittag (beides auf Vorbestellung). Daneben gibt es eine kleine aber durchaus feine Speisenkarte, die alle zwei Wochen wechselt. „Das ist ein großer Vorteil des Restaurants, denn ‪die Bandbreite‬ an Speisen ist einfach größer“, erklärt Verena Frielingsdorf.

Gekocht wird im Foodtruck vor der Reithalle

Wenn sie mit ihrem Foodtruck bei Veranstaltungen unterwegs sind – wie etwa auf Weihnachtsmärkten – dann werden meist schnell nur Burger oder Fritten aus dem Truck gereicht. Im Pop-up-Restaurant aber, wo die Gäste mehr Zeit mitbringen, kann der gelernte Koch Gerrit Kolata unter Beweis stellen, dass er wesentlich mehr drauf hat als Burger und Pommes. Auf der Speisenkarte stehen daher auch raffinierte Pasta- und Fischgerichte, die Kolata in der kleinen, aber dennoch voll ausgestatteten Küche des Trucks vor der Reithalle zubereitet.

Für Kolata und Frielingsdorf ist es nun das dritte Pop-up-Restaurant, das sie ausprobieren. Monate zuvor hatten sie die Zelte auch schon in einer Lagerhalle in Werden aufgeschlagen. Die Kombination aus Foodtruck und einem Restaurant auf Zeit bietet beiden viel Flexibilität. Im Frühjahr und Sommer sind sie viel im Truck unterwegs, in den eher mauen Wintermonaten dann im Restaurant.

Dehoga sieht Pop-up-Läden als Bereichung der Gastronomie-Branche

Der Branchenverband Dehoga sieht solche neuen Formen in der Gastronomie nicht als Konkurrenz sondern als gute Ergänzung des Angebotes. „Solche Pop-up-Restaurants greifen eher den Eventcharakter in der Gastronomie auf, der schon länger zu beobachten ist“, meint der auch für Essen zuständige Dehoga-Geschäftsführer Thomas Kolaric. Dennoch glaubt er, dass Pop-up-Gaststätten eher die Ausnahme, eine Nische, bleiben werden.

Dass die Stadt Essen auf der Landkarte der trendigen Pop-up-Restaurants eine untergeordnete Rolle spielt, sagen auch die Betreiber der Online-Plattform Brickspaces. Sie vermitteln im Internet Lokale für Pop-up-Läden und für solche Restaurants auf Zeit. In Essen sei ihm noch keine Vermittlung eines Pop-up-Restaurants über die Plattform bekannt, meint Projektmanager Johannes Hauswald. Das Thema spiele derzeit vor allem in Hamburg und Berlin eine Rolle. Dort seien die Vermieter sehr kreativ.

Deutlich höhere Auflagen für Pop-up-Restaurants

Ohnehin aber seien Pop-up-Restaurants anspruchsvoller, weil es deutlich mehr Auflagen gebe als bei einem Einzelhandelsgeschäft. „Das macht es für eine temporäre Geschichte komplizierter“, sagt er.

Immerhin ist es aber eine gute Gelegenheit für Gastronomen, ihre Küche auszuprobieren. Die Wahrscheinlichkeit jedenfalls, dass sich Verena Frielingsdorf und Gerrit Kolata mal mit einem „richtigen“ Restaurant sesshaft machen, schließen beide nicht aus. Die Testläufe haben sie schließlich schon gemeistert.

Öffnungszeiten von Donnerstag bis Sonntag

Geöffnet ist das aktuelle Pop-up-Restaurant in der Reitanlage Volmer am Klusemannsweg 1‬ von donnerstags bis samstags, jeweils von 18 bis 23 Uhr‬ (Küche ‪bis 21 Uhr‬) und sonntags ‪von 11 bis 17 Uhr‬(Küche ‪bis 15 Uhr‬). ‪Am 4. März‬ ist Schluss.

Die aktuelle Speisenkarte finden Gäste u.a. auf der Facebook-Seite „Du & Ich Foodtruck“. Weitere Infos im Internet hier.

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