Ruhrtriennale

Junge Triennale fragt Katernberger nach ihren Ängsten

Bunt wie der multikulturelle Kiez sind auch die Kostüme der jungen Akteure.

Bunt wie der multikulturelle Kiez sind auch die Kostüme der jungen Akteure.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

#NoFear“ bei der Ruhrtriennale: Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten haben mit Menschen im Stadtteil über Macht und Ohnmacht gesprochen.

Ist es auch ohne Geld möglich, ein Essen zusammenzustellen? Jugendliche des Theaterkollektivs „Mit ohne alles“ wagen es einfach. Sie laufen durch den Kiez und fragen drauf los. Und es klappt. Der Döner-Imbiss am Katernberger Markt spendet etwa einen Salat, der Bäcker bescherte mit dem Baklava einen Nachtisch. Und auch Verkäufer einer Supermarkt-Kette sind begeistert von dieser Idee. Zwölf Jugendliche verdichten diese Szenen auf der großen Bühne im Pact Zollverein zur Performance. Am Freitag hat „#NoFear: Macht den Weg frei“ im Rahmen der Ruhrtriennale seine Uraufführung.

Es geht um Macht und Angst im öffentlichen Raum

Unter der künstlerischen Leitung des dreiköpfigen Berliner Theaterkollektivs „Berlocken“ haben die Jugendlichen seit Januar die Stimmung im Stadtteil erforscht und Passanten auf der Straße angesprochen. Die Dialoge und Erkenntnisse griffen „Mit ohne alles“ nicht nur in einem regelmäßigen Podcast auf. Auch in die Inszenierung sind die Interviews mit eingeflossen. Ausgangsthema des Projekts waren die Motive Macht und Angst im öffentlichen Raum. Zusammen mit den Bewohnern in Katernberg wollten die Jugendlichen erfragen, wie man zu Macht kommt. Hängt alles vom Geld ab? Oder können auch die einfachen Leute Einfluss ausüben?

„Wir wollten die verschiedenen Seiten der Macht kennenlernen“, sagt Emma Rose von „Mit ohne alles“. Die 17-Jährige erwähnt etwa den Kontakt, der bei dem Projekt mit der rüstigen Katernbergerin Ilse Bitting zustande kam. Die Ratschläge der Rentnerin erklingen auch in der Aufführung. Da geht es um Offenheit und Gesprächsbereitschaft. „Wir haben gelernt, dass man auf die Leute in Katernberg zugehen muss“, erzählt Emma Rose. „Es ging darum, ohne Hemmungen zu fragen.“

Mit dieser Haltung wollten sie auch die Angst überwinden, die viele auf der Straße verspüren. „Für uns ist es eine unberechtigte Angst“, sagt Darius Scheffler vom Theaterkollektiv über dieses Projekt. „Aber viele fühlen sich einfach ohnmächtig.“ Halt finden die Menschen dann oft in den Familien.

Einen großen Machtdrang verspüren sie dagegen nicht, es geht um ein solidarisches Miteinander, so die Erkenntnis der Jugendlichen. Und dieses Lebensgefühl im Schmelztiegel Katernberg bringen „Mit ohne alles“ auch auf die Bühne. Sie treten in blauen, gelben oder rosaroten Klamotten auf. Bunt und multikulturell ist dieser Kiez. Denn auch die Grundsätze wie Vielfalt oder Respekt verkünden die Nachwuchs-Performer in verschiedenen Sprachen, darunter Englisch, Russisch, Arabisch.

Jugendliche thronen auf einem Turm aus bunten Würfeln

Für die Entwicklung der Proben sprachen die Jugendlichen auch mit dem Bürgermeister des Zollverein-Bezirks. „Er ist wirklich cool mit uns umgegangen“, erinnert sich Emma Rose. „Er möchte seine Macht auch teilen.“ Seine Skepsis über die Chancengleichheit integrieren sie in die Inszenierung wie einen Textloop, der immer wieder die Frage eröffnet: Herrschen überall in der Bundesrepublik die gleichen Verhältnisse? Hier knüpfen die Zweifel der Jugendlichen an: „Wir wollen natürlich auch von uns erzählen“, erklärt Darius Scheffler.

Wie seine kreativen Mitstreiter thront der 19-Jährige daher im Laufe der Proben auf dem vier bis fünf Meter hohen Turm aus bunten Würfeln, das Prunkstück des Bühnenbildes. In dieser Szene mimen sie die Herrscher der Welt: Von US-Präsident Trump bis Amazon-Chef Jeff Bezos. Und fragen sich unter anderem, warum nur eine Frau zu diesen Mächtigen gehört, nämlich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und liegt die Macht ausschließlich bei den Konzernen und in den Ämtern? „Mit ohne alles“ liefert, ohne zu viel zu verraten, überraschende Antworten.

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