Wassersport

Käpt’n auf Heimaturlaub: Mit dem Dampfboot auf der Ruhr

Peter Rosenberg ist mit seinem Dampfschiff  „Blitz" auf der Ruhr bei Kettwig unterwegs. Für den 67-Jährigen, der bei Aschaffenburg lebt, ist es eine Reise auf den Spuren seiner Kindheit und Jugend.

Peter Rosenberg ist mit seinem Dampfschiff „Blitz" auf der Ruhr bei Kettwig unterwegs. Für den 67-Jährigen, der bei Aschaffenburg lebt, ist es eine Reise auf den Spuren seiner Kindheit und Jugend.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Peter Rosenberg hat mit seinem Dampfboot „Blitz“ an der Ruhr bei Kettwig festgemacht. Neugierige Blicke sind ihm auf seiner Reise sicher.

Der Pfiff klingt so hell und ohrenbetäubend als wäre es die Hespertalbahn. Doch was dort dampft, ist kein eisernes Ross, sondern ein Dampfboot: Peter Rosenberg hat am Ruhrufer bei Kettwig festgemacht.

Der Kessel ist angeheizt, Peter Rosenberg legt noch einen Scheit Holz und widmet sich den letzten von insgesamt 28 Schmierstellen, die es zu versorgen gilt. Dann heißt es: Leinen los!

Der 67-jährige Elektromeister ist mit seinem Boot auf Heimaturlaub. Peter Rosenberg ist in Kettwig vor der Brücke geboren und aufgewachsen. Vor 40 Jahren verschlug es ihn der Liebe wegen in die Nähe von Aschaffenburg. Nun ist er zurückgekehrt mit seinem Dampfboot „Blitz“, um einmal an den Stätten seiner Kindheit und Jugend vorbei zu dampfen.

Neugierige Blicke dürften ihm sicher sein, denn sein Gefährt ist ein echter Hingucker. 1960 ist „Blitz“ in einer dänischen Werft vom Stapel gelaufen. Die ersten Besitzer, ein wohlhabendes Ehepaar, er und sie eigentlich passionierte Segler, hatten ihr Boot nach historischem Vorbild bauen lassen. Zwischen 1880 und 1920 waren „Salondampfboote“ in höheren Kreisen der englischen Gesellschaft sehr beliebt, weiß Peter Rosenberg zu berichten. die Lords und Ladies vertrieben sich die Zeit bei einer gemütlichen Rundfahrt auf der Themse.

„Alles fing damit an, dass ich als Kind zu Weihnachten eine Dampfmaschine geschenkt bekommen habe“

Vor elf Jahren hat Peter Rosenberg das Dampfboot erworben. Die Dampfmaschine hatte es ihm angetan. Rosenberg ist Sammler und nennt allerlei Maschinen sein eigen, die zischen und dampfen. Eine Dampfwalze aus dem Jahr 1886 ist das älteste Stück. 14,5 Tonnen wiegt das Ungetüm. „Alles fing damit an, dass ich als Kind zu Weihnachten eine Dampfmaschine geschenkt bekommen habe“, erzählt Rosenberg. „Da blieb was hängen.“

Ein Dampfboot fehlte noch in seiner Sammlung. „Blitz“ entdeckte er auf der Internetseite des deutschen Dampfbootvereins zum Kauf angeboten. „Da musste ich einfach zugreifen.“

7,20 Meter lang und 2,20 Meter breit ist das Boot. Der Rumpf ist aus Stahl, der Aufbau aus Teakholz. Elegant und klassisch sieht es aus mit Sonnendach und auffälliger Achterkajüte. Neun Personen bietet es Platz. Peter Rosenberg dampft damit sonst auf dem Main. Auch auf dem Bodensee ist „Blitz“ schon gefahren. Der Holzvorrat reicht für fünf bis sechs Stunden, gerade genug für einen Tagesausflug mit seiner Frau. Die habe für sein Hobby sonst wenig übrig. „Aber das Dampfboot gefällt auch ihr.“

„Ich habe den ganzen Tag Spaß, wenn ich daran schraube, und komme abends dreckig nach Hause.“

Peter Rosenberg hat es die Technik angetan. Eine Dampfmaschine sei nicht kompliziert und doch erfordere es Geschick und technisches Wissen, will man sie bedienen. Seit drei Jahren ist er Rentner und hat Zeit genug, sich seinem Boot zu widmen. „Ich steige morgens in den Blaumann, habe den ganzen Tag Spaß, wenn ich daran schraube, und komme abends dreckig nach Hause.“

Eine Stunde dauert es, bis der Kessel angeheizt ist. Peter Rosenberg öffnet und schließt diverse Ventile. Hände und Gesicht sind ölverschmiert. Es braucht ein paar Versuche, dann dampft und zischt es wie bei einer Espresso-Maschine. Die Kolben setzen sich in Bewegung, das Boot nimmt Fahrt auf. Mit maximal acht bis zehn Stundenkilometern geht es über den Fluss, auf dem Peter Rosenberg schon als Kind gepaddelt ist von Kettwig bis nach Hattingen.

Und wie fühlt sich das an? „Da hängen so viele Erinnerungen dran“, sagt Peter Rosenberg. Die Dampfmaschine hat ihren gleichmäßigen Rhythmus gefunden. Der Bug schneidet durchs Wasser. Der Rest ist einfach genießen.

>>> DAS DAMPFBOOT MIT NAMEN „BLITZ“

  • Schon die ersten Eigner haben das „Dampfboot“ auf den Namen „Blitz“ getauft. Entnommen haben sie den Namen dem 1903 erschienen Roman „Das Rätsel der Sandbank“ von Erskine Childers, in dem ein Dampfschiff eine Rolle spielt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben