Schwimmbrücke

Keine Schäden durch 38-Tonner – Schwimmbrücke wieder frei

Die Beschilderung an der Schwimmbrücke zwischen Essen und Bochum ist eigentlich unmissverständlich: Die Brücke ist nur für Fahrzeuge bis zu 2,8 Tonnen ausgelegt. Im Bild: die Zufahrt in Essen-Burgaltendorf.

Die Beschilderung an der Schwimmbrücke zwischen Essen und Bochum ist eigentlich unmissverständlich: Die Brücke ist nur für Fahrzeuge bis zu 2,8 Tonnen ausgelegt. Im Bild: die Zufahrt in Essen-Burgaltendorf.

Foto: Martin von der Gathen

Essen/Hattingen/Bochum.  Erneut Chaos an der Schwimmbrücke zwischen Bochum-Dahlhausen und Essen-Burgaltendorf: Die Brücke war am Montag zehn Stunden lang gesperrt, weil ein Lkw-Fahrer seinen 38-Tonner in die Engstelle manövriert hatte und auf der S-Bahnstrecke steckengeblieben war. Am Montagnachmittag gab das Tiefbauamt Bochum die Brücke, auf die nur bis zu 2,8 Tonnen schwere Fahrzeuge dürfen, wieder für den Verkehr frei: Gutachter fanden keine Schäden.

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Die Schwimmbrücke Dahlhausen, die Bochum, Hattingen und den Essener Stadtteil Burgaltendorf verbindet, war am Montag fast zehn Stunden lang lang blockiert beziehungsweise gesperrt. Um 5.55 Uhr hatte ein Lkw-Fahrer einen 38-Tonnen-Muldenkipper an der Pontonbrücke festgefahren. Die sanierungsbedürftige Ruhrbrücke ist nur für 2,8 Tonnen ausgelegt. Der 29 Jahre alte Fahrer des in Serbien gemeldeten Lastwagens war laut Angaben der Bochumer Polizei nicht ortskundig. Am Montagnachmittag untersuchten Gutachter die Pontonbrücke. Sie urteilten, die Brücke sei nicht beschädigt worden. Die Stadt Bochum gab das Bauwerk am Donnerstag um kurz nach 16 Uhr wieder für den Durchgangsverkehr frei.

Der laut Polizei Bochum voll beladene 38-Tonner war am Morgen gegen 8.40 Uhr abgeschleppt worden. Der Fahrer hatte den Kipplastwagen von Essen über die Straße "Auf dem Stade" (K24) kommend zwischen den Betonpollern hindurch manövriert, die auf beiden Seiten der Schwimmbrücke verhindern sollen, dass Fahrzeuge auf die Brücke gelangen, die breiter als 2,10 Meter sind. Allerdings stehen die Ende 2011 aufgestellten Hindernisse auf Essener Seite etwa 2,50 Meter weit auseinander, so dass selbst der 38-Tonner sie passieren konnte. Auch die Verbotsschilder links und rechts der schmalen Brücken-Auffahrt, wonach Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht ab 2,8 Tonnen die Brücke nicht befahrbaren dürfen, konnten den südosteuropäischen Fahrer nicht davon abhalten, den Muldenkipper in die Engstelle zu steuern.

Fahrer war fix und fertig mit den Nerven

Martin von der Gathen aus Burgaltendorf, der Webmaster von www.burgaltendorf.de, kam am Morgen wegen der blockierten Brücke selbst zunächst nicht von Essen nach Bochum, musste einen Umweg von 15 Kilometern fahren. Er hat das ganze Manöver mitangesehen:

Nach seiner Aussage soll der Fahrer die Poller auf Essener Seite sogar mit dem Lkw vorsichtig auseinander geschoben haben, um auf die Brücke fahren zu können. Danach sei der 29-Jährige über die gesamte Ruhrbrücke bis auf die Bochumer Seite und auf die hinter der Brücke liegenden Schienen gefahren. Dort registrierte der Mann dann allerdings, dass die Betonkübel auf Bochumer Seite so postiert sind, dass Autofahrer sie umkurven müssen. Mit seinem Sattelzug konnte er diese Poller also nicht hinter sich lassen. Darum habe der Fahrer versucht, mit dem Lkw zu wenden, so von der Gathen: "Dazu ist er ins Gleisbett gefahren." Dort steckte der Lkw dann fest und blockierte die S-Bahnstrecke. Der Lastwagen musste mit einer Seilwinde zurück auf die Fahrbahn gezogen werden. Danach, so von der Gathen, sei der Mann "rückwärts über die gesamte Brücke zurück" gefahren. Das ganze Manöver soll zwei Stunden gedauert haben.

"Beim Rückwärtsfahren hat die Brücke geknirscht und angsteinflößende Geräusche gemacht. Der Asphalt hat sich teilweise gelöst. Da bin ich selbst lieber schnell wieder von der Brücke runter", so von der Gathen. Der Fahrer sei ausgestiegen und habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. "Man sah ihm an, wie fertig er war."

Die Missachtung des Zufahrtsverbotes und das Wendemanöver auf den Gleisen hatten Folgen für Straßen- und Schienenverkehr:

Lkw blockierte während missglückter Wende Strecke der S 3 

Die Missachtung des Zufahrtsverbotes und das Wendemanöver auf den Gleisen in Bochum hatten Folgen für Straßen- und Schienenverkehr:

Auch die Züge der S-Bahn-Linie 3 wurden ausgebremst, weil der Lastwagen die Bahngleise blockierte. So endete die S3 in Richtung Hattingen am Montagmorgen zeitweise an der Haltestelle Bochum-Dahlhausen. Die Bahnen machten dann wieder Kehrt. Laut Angaben der Deutschen Bahn mussten die Fahrgäste auf Straßenbahn ausweichen. Ab 8.41 Uhr konnte der Bahnverkehr wieder ungestört laufen. Weil keine Notbremsung von Zügen nötig war und auch keine Schäden an Oberleitungen oder Schienen entstanden, will die Bahn nur Anzeige wegen Ordnungswidrigkeit erstatten.

Gutachter entdeckte keine Schäden durch Schwergewicht

Die Brückensperrung beendete das Bochumer Tiefbauamt am Montagnachmittag um 16 Uhr. Gutachter hatten das Bauwerk ab 13.30 Uhr mit einem "Brückenuntersichtgerät" nach Schäden durch das Schwergewicht abgesucht - und nichts gefunden.

Um Punkt 12 Uhr hatten sich zuvor - ausgerechnet heute - Vertreter der CDU-Ortsvereine Burgaltendorf, Hattingen und Dahlhausen an der Brücke getroffen. Ihr Ortstermin war tatsächlich lange vor dem Zwischenfall am Morgen vereinbart, verdeutlicht jedoch die Dringlichkeit: Die Kommunalpolitiker aus den drei betroffenen Kommunen tauschten sich über den Zustand der Brücke und die chronisch gestörte Verkehrsführung an der Ruhr aus.

Fast täglich Unfälle auf der Schwimmbrücke

Handlungsbedarf sieht auch Martin von der Gathen. "Täglich kommt es auf der Brücke zu Verkehrsbehinderungen und gefährlichen Situationen, weil sich Autofahrer auf der Brücke begegnen und nicht aneinander vorbeikommen." Nach Angaben von Polizisten vor Ort, so berichtet er, "müssen hier fast jeden Tag Unfälle aufgenommen werden."

Zuletzt machte die Brücke im Februar Schlagzeilen, weil nach einem Stau zwei Autos zwischen Bahnschranken festsaßen und sich eine S-Bahn näherte. Es herrschte „Panik“ und „totales Chaos“.

Wie sehr der Verkehr durch das Nadelöhr ausgebremst wird, verdeutlicht auch das Beispiel der Buslinie 359 der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra). Die Linienbusse sind zu schwer für die Brücke. Darum müssen alle Fahrgäste an der einen Seite der Brücke aussteigen und auf die andere Seite hetzen, wo ein anderer Bus der Linie darauf wartet, weiterfahren zu können.

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