Plätze in den Stadtteilen

Freiligrathplatz in Essen-Kettwig wird zum Ort der Begegnung

Noch wird fleißig gewerkelt: Ende 2020 soll der Freiligrathplatz in Essen-Kettwig wieder in neuem Antlitz strahlen und mehr Aufenthaltsqualität für die Anwohner im Wohnquartier bieten.

Noch wird fleißig gewerkelt: Ende 2020 soll der Freiligrathplatz in Essen-Kettwig wieder in neuem Antlitz strahlen und mehr Aufenthaltsqualität für die Anwohner im Wohnquartier bieten.

Foto: Christof Köpsel

Essen-Kettwig.  Bald ist der Platz am Rande der Kettwiger Altstadt verkehrsberuhigt. Konzipiert ist er als Ort der Begegnung. Was das bedeutet – hier die Infos.

Noch lässt sich die Gestalt nur erahnen: Wo in unmittelbarer Nähe zur Kettwiger Altstadt Schulstraße und Freiligrathstraße seit nunmehr 70 Jahren auf dem Freiligrathplatz aufeinandertreffen, entsteht etwas Neues. Derzeit bewegen hier Bauarbeiter nämlich noch jede Menge Erdmassen. Die Absperrungen lassen den Verkehrsteilnehmern nur schmale Gassen. An der einen Seite wird schon gepflastert, an der anderen noch gebaggert.

Die große Platane in der Mitte scheint es gelassen zu nehmen, sie ist zum Schutz eingerüstet und harrt der Dinge, die da kommen. Nach mehrmaligen Verschiebungen der Sanierungsarbeiten rückt aber das Ziel näher. Zum Ende dieses Jahres soll das neue Gesicht des Freiligrathplatzes fertig sein – ein Treffpunkt für die Bürger mit viel Grün, Sitzgelegenheiten, Wasserspiel und Bücherschrank.

In der Vergangenheit mehr Schandfleck als Augenweide

Der bisherige Zustand des Freiligrathplatzes war mehr Schandfleck als Augenweide. „In der Mitte der Parkplatz, auf dem die Autos ungeordnet standen, und die Glascontainer halt. Die Mauer ringsherum war auch immer zugeparkt“, beschreibt Daniel Behmenburg die traurige Sachlage. Der Fraktionsvorsitzende der SPD in der Bezirksvertretung IX ist froh, dass nun Licht am Ende des Tunnels auftaucht. „Lange genug gedauert hat es ja.“

Der Platz, um den die beiden Straßen, Schulstraße und Freiligrathstraße kreisen, wurde um 1950 herum angelegt. Damals war er nicht als Abstellfläche für Autos konzipiert, eine Bebauung erfolgte erst später. Vielmehr gab es mehrere Bäume und Beete, die um eine kleine Rasenfläche herum gruppiert waren. Eine Hecke umgab ebenfalls den kleinen Platz, auf dem mehrere Bänke zum Verweilen einluden.

Von einer langen Verweildauer konnte Jahrzehnte später nicht mehr gesprochen werden; allenfalls beim Beladen der Altglascontainer verbrachten Menschen hier noch etwas Zeit. Weshalb sich schon 2011 Unmut in der Bezirksvertretung für den Essener Süden regte: Die einmal 1996 begonnene und erst in 2006 weitergeführte Sanierung der Kettwiger Altstadt sollte in Gang kommen – und vor allem den Freiligrathplatz miteinbeziehen.

Interfraktioneller Arbeitskreis wurde vom Planungsbüro begleitet

Deshalb wurde ein interfraktioneller Arbeitskreis gebildet. Auch saßen der Heimat- und Verkehrsverein Kettwig sowie Kett-In als Vertretung des Einzelhandels mit im Boot. „Eine richtig gute Sache, die von einem Planungsbüro intensiv begleitet wurde. Ich denke, es ist etwas Tolles dabei entstanden – für Jung und Alt“, findet Daniel Behmenburg und lobt die gute Zusammenarbeit mit den anderen Beteiligten.

Auch wenn es dann nicht so flott ging, wie geplant. Im Frühjahr 2017 wurden die Pläne beschlossen, jetzt, drei Jahre später, läuft die Umsetzung. An anderer Stelle hätten Fördergelder verbaut werden müssen, „sonst wären die weg gewesen“, sagt Behmenburg. Und ergänzt, weil die Frage häufig aufkomme: „Nein, der Rathausplatz ist was Eigenes, der gehört nicht zur mit Sanierung.“

Wie sieht nun der Freiligrathplatz aus? Verkehrsberuhigt und einheitlich gepflastert. Mittig wird ein Feld als zentrale Platzfläche abgesetzt. Dieses ist geteilt in einen Parkplatz mit 16 Stellplätzen und eine freie Fläche als Ort der Begegnung. Eingerahmt wird sie durch Grünstrukturen und Sockelmauern mit Sitzgelegenheiten. Ein Brunnen in Form eines Wassertisches soll optisches Element und gleichzeitig eine Spielmöglichkeit für Kinder sein. „Und dann platzieren wir da noch den Bücherschrank“, sagt Behmenburg. „Das macht alles komplett!“

Platzgestaltung ist Teil eines großen Sanierungskonzepts

Die Sanierungsarbeiten am Freiligrathplatz verlaufen nach Angaben der Stadt planmäßig. Die Fertigstellung soll Endes 2020 sein.

Es wurden bisher die alten Oberflächen der Straße entfernt. Die Stadtwerke Essen haben ihre Kanalerneuerungen abgeschlossen. Zudem wurde ein Teil des Gehweges neu gepflastert sowie die Mauer, die vormals um die alte Platane verlief, entfernt. Eine neue Stützmauer wird zurzeit gebaut. Da der Platz komplett umgebaut wird, fehlen noch die Arbeiten am nördlichen Teil, wie das Brunnenbauwerk, Parkplätze und Pflasterungen .

Maßnahme ist in fünf Bauabschnitte unterteilt

Mit der gesamten, umfangreichen Maßnahme soll die im Jahr 1996 begonnene und 2006 weitergeführte Sanierung der Kettwiger Altstadt abgeschlossen werden. Sie umfasst nicht nur die Erneuerung des Freiligrathplatzes, sondern auch der Schulstraße von Corneliusstraße bis Freiligrathplatz, der Corneliusstraße im Bereich von der Kirchfeldstraße bis zur Schulstraße und der Hauptstraße im Bereich von der Ruhrstraße bis zur Wilhelmstraße.

Die fünf einzelnen Bauabschnitte dauerten und dauern noch mehrere Monate und erforderten ab Herbst 2019 teilweise Sperrungen und Umleitungen. Die erforderlichen Mittel kommen aus verschiedenen Fördertöpfen von Land und Bund und sind im Haushaltsplan der Stadt Essen veranschlagt. Die Eigentümer werden im Rahmen des Kommunalabgabengesetzes allerdings ebenfalls an den Kosten beteiligt. Ein Punkt, den Daniel Behmenburg (SPD) für kritikwürdig hält. „Denn gerade der Freiligrathplatz kommt verstärkt wieder der Allgemeinheit zugute. Da geht es ja um mehr als nur eine Gehwegerneuerung.“

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