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Konzert von Casper und Marteria: So erlebten Fans den Abend

Das Konzert von Marteria und Casper am Samstagabend in Essen ist abgebrochen worden, nachdem sich eine LED-Leinwand gelöst und auf Fans gefallen ist.

Das Konzert von Marteria und Casper am Samstagabend in Essen ist abgebrochen worden, nachdem sich eine LED-Leinwand gelöst und auf Fans gefallen ist.

Foto: pirkko Gohlke

Essen.  28 Besucher sind beim Konzert der Rapper Casper und Marteria am Baldeneysee in Essen verletzt worden. Eine LED-Wand stürzte herab.

Das Strandbad „Sea Side Beach“ am Ufer des Baldeneysees in Essen zählt im Sommer zu den angesagten Party- und Konzertadressen im Revier. Freitagabend brennen zuerst die „Fantastischen Vier“ ein Feuerwerk der guten Laune ab, am Samstag folgt das Erfolgsduo Marteria & Casper, das besonders beim jungen Publikum sehr gut ankommt. Doch dieser ausgelassene Abend mündet in eine Katastrophe. Die beiden Deutsch-Rapper haben gerade erst eine halbe Stunde gespielt, da greift eine mächtige Sturmböe unter eine der beiden riesigen LED-Leinwände.

Die Kräfte sind so stark, dass das fast zehn Meter lange Teil zuerst angehoben und dann glatt durchgerissen wird. Ein schweres Trümmerteil kracht zu Boden und trifft Konzertbesucher in den ersten Reihen, die keine Chance haben zu entkommen. Am Tag danach zieht eine Essener Polizeisprecherin Bilanz: „28 Besucher sind verletzt worden, zehn von ihnen schwer.“ Die gute Nachricht: Die beiden Schwerverletzten, die zunächst mit dem Tode rangen, schweben nicht mehr in Lebensgefahr. Insgesamt wurden 150 Festival-Besucher an dem Abend ärztlich begutachtet, hieß es bei der Feuerwehr.

Nach Zwischenfall bei Konzert von Casper und Marteria: Polizei ermittelt

Sonntagmorgen versperrt ein Streifenwagen der Polizei die Zufahrt zum Konzertgelände, rot-weißes Flatterband markiert die beschlagnahmte Unglücksstelle. „Das zuständige Kriminalkommissariat übernimmt die Ermittlungen zur Klärung der Unglücksursache“, fügt die Sprecherin hinzu. Auf dem weichen, zum Teil morastigen Boden liegen die Hinterlassenschaften des Unglückskonzertes: zertretene Sonnenbrillen, Feuerzeuge, Trinkbecher und Plastikkelche für Aperol Spritz. Nur das monotone Brummen der Lichtmasten-Aggregate stört die Ruhe.

Schon wenige Minuten nach dem schrecklichen Unfall hatten die Veranstalter das Konzert per Lautsprecherdurchsage abgesagt. Dass es viele Verletzte gegeben hat, sagen sie den 19.000 – um Unruhe oder gar Hysterie zu vermeiden – allerdings nicht. Carolin Spangenberg und ihr Mann Sascha stehen direkt vor der rechten LED-Leinwand, als genau auf der anderen Bühnenseite das Unglück passiert. „Ich habe gesehen, wie sich das Teil plötzlich bewegte und runterkam“, berichtet Sascha Spangenberg, und fügt hinzu: „Es gab keine Panik in unserer Ecke, dann wurden schnell die Notausgänge geöffnet.“

„Es gab keine Schreie, keine Panik und bei Räumung kein Gedrängel“

Die jungen Münchnerinnen Elisabeth Barth, Barbara Lindinger und Sandra Pfadler sind schon morgens um vier Uhr rechtzeitig mit ihrem VW-Bulli aufgebrochen, um einen schönen Tag am Baldeneysee verbringen zu können mit dem Auftritt von Marteria & Casper als krönendem Abschluss. „Es war den ganzen Tag Superwetter und wir haben die Stunden vor dem Konzert am Wasser verbracht“, sagt Elisabeth Barth (25). Als die Vorgruppe, Rapperin Nura und ihr DJ, die Bühne betritt, scheint die Sonne immer noch.

Doch gegen 21 Uhr fängt es zuerst an zu regnen, danach schüttet es wie aus Kübeln. Ein heftiger Wolkenbruch, es blitzt und donnert. „Die Leute sind in kurzer Zeit klatschnass geworden, wir konnten unsere Klamotten auswringen“, sagt Sandra Pfadler (30). Auch die Münchnerinnen berichten übereinstimmend: „Es gab keine Schreie, keine Panik und bei Räumung kein Gedrängel.“

Deutscher Wetterdienst spricht von einem starken Gewitter

Einzelne Fans quittieren ihre Enttäuschung über die Absage mit lauten Buh-Rufen in Richtung Bühne. Einige schlagen sich zwischenzeitlich einen Weg durchs Unterholz. „Es ist absolut chaotisch“, schimpfen mehrere Augenzeugen. Andere Besucher, die schnell über einen Notausgang auf der rechten Seite der Bühne das Gelände verlassen hatten, berichten wiederum von einer recht entspannten Abreise. Viele laufen zum nächstgelegenen S-Bahnhof Hügel. Als dieser nach einiger Zeit überfüllt ist, laufen einige Besucher von dort aus weiter zum Teil bis zum S-Bahnhof Werden. Außerdem sind Shuttlebusse im Einsatz, die die Besucher wegbringen. Manche Fans weinen, als sie das Konzertgelände verlassen.

Hätten die Veranstalter nicht wissen müssen, dass das herrliche Wetter nach dem Sommertag abends jäh umschlagen würde? Im diskutierfreudigen Medium Facebook wird diese Frage schon kurz nach der Absage erörtert – und es hagelt Vorwürfe. Doch Holger Walterscheid, zwar nicht Konzertveranstalter, aber Inhaber der Event-Location „Sea Side Beach Baldeney“, wehrt diese Anwürfe ab. „Diese ungewöhnlich starke und plötzliche Windböe konnte man nicht voraussehen.“

Der Deutsche Wetterdienst in Essen tritt vehement dem Eindruck entgegen, bei dem Wetterereignis am Samstagabend am Baldeneysee habe es sich um ein Unwetter gehandelt. „Es war auch kein Unwetter angekündigt worden, sondern lediglich Gewitter und starke Gewitter“, betont die Diplom-Meteorologin Sophie Hain.

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