Prozess

"Leichte Beute" – Brüder gestehen Einbrüche in Altenheime

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Leichte Beute versprachen sie sich, und deshalb stiegen zwei Dortmunder Brüder in Altenheime ein. 40 Fälle deutschlandweit, zwei in Essen.

Reumütig geben sie sich, gestehen ihre Taten. Doch es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Dortmunder Brüder vor Gericht stehen. Spezialisiert haben sie sich zuletzt auf Einbrüche in Altenwohnungen. Für vier derartige Fälle, zwei davon in Essen, müssen sich Thorsten (48) und Marco B. (45) seit Montag vor dem Landgericht Essen verantworten.

Ihr Vorstrafenregister reicht bis ins letzte Jahrtausend zurück. Auf fast 20 Einträge bringt es der Ältere, der jüngere Bruder war nicht ganz so aktiv. Beide haben schon viele Jahre im Gefängnis gesessen. Ihr problematisches Elternhaus, der alkoholkranke Vater schlug die Kinder, mag dazu beigetragen haben. Bei Männern ihres Alters reicht es aber nicht mehr als Erklärung aus.

Beide Brüder sind drogensüchtig

Drogensüchtig sind sie beide. Alkohol, Heroin, Kokain, Marihuana – die Liste ihrer Rauschgifte ist umfangreich.

Thorsten B. antwortet freimütig auf die Frage von Richter Markus Dörlemann, Vorsitzender der XXV. Essener Strafkammer, warum sein Bruder und er sich Altenwohnungen ausgesucht hätten: „Wir sind gezielt in Seniorenheime, weil wir uns dort leichte Beute versprachen.“

Goldene Uhr und goldenes Armband gestohlen

Am 2. Februar 2018 erschien allein der Ältere im evangelischen Bethesda-Altenheim in Borbeck. 17.35 Uhr war es. Gezielt steuerte er die zweite Etage an, durchsuchte dort ein gerade leeres Zimmer. Er nahm die Schmuckschatulle mit, in der eine goldene Uhr und ein goldenes Armband lagen. Außerdem packte er das Portemonnaie mit 42 Euro Bargeld.

Als er das Zimmer verließ, sprachen ihn Mitarbeiter an. Er drohte ihnen mit der Faust, riss sich los, als eine der Frauen ihn festhielt. Schließlich setzte er noch Reizgas ein.

Auf der Flucht aus dem Seniorenheim Reizgas gesprüht

Einen Monat später, am 7. März, gingen beide Brüder ins Altenheim Nova Vita an der Goethestraße in der Nähe des Folkwangmuseums. Beute machten sie in der vierten und in der fünften Etage in Wohnungen, deren Mieter gerade im Krankenhaus waren. Auch hier stahlen sie Goldschmuck und 500 Euro Bargeld. Auf der Flucht wehrten sie sich, als Mitarbeiter sie festhalten wollten. Wiederum sprühten sie Reizgas.

Im März 2019 endete die Serie, die Ende 2017 begonnen hatte. Die Polizei sprach von 40 geklärten Einbrüchen in Deutschland. Wenn das Essener Verfahren am 20. Mai mit einem Urteil enden wird, wartet am Dortmunder Landgericht eine neue Anklage mit 16 weiteren Fällen auf sie.

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