Lichtkunst

Light Festival bringt „Lichtgewitter“ in die Kreuzeskirche

So sieht die Klangmalerei von Kurt Laurenz Theinert aus. Vor allem Kirchenräume sind für den Künstler spannende Spielflächen.   

So sieht die Klangmalerei von Kurt Laurenz Theinert aus. Vor allem Kirchenräume sind für den Künstler spannende Spielflächen.  

Foto: Theinert

Essen.  Kurt Laurenz Theinert bringt Musik zum Leuchten. Beim Essen Light Festival taucht er die Kreuzeskirche mit vier Organisten in spektakuläres Licht.

Wer den Begriff Lichtorgel hört, der denkt bislang nicht unbedingt an Kirchenmusik. Beim Lightfestival in der Essener City sorgt der Lichtorgel-Virtuose Kurt Laurenz Theinert nun aber für ein ungewohntes Zusammenspiel von Klang- und Lichtkunst. Drei Tage lang, vom 24. bis 26. Oktober, beschert der Stuttgarter Fotograf und Lichtkünstler dem Publikum in der Kreuzeskirche ein berauschendes „Klanggewitter“.

Theinert, der seine audiovisuellen Performances unter anderem schon an der alten Stadtmauer von Jerusalem und auf der Festung Ehrenbreitstein präsentiert hat, setzt damit einen besonderen Akzent beim zehntägigen Licht-Festival, das vom 25. Oktober bis 3. November 21 Lichtkunst-Stationen entlang der WAZ-Route präsentiert. Das aufwendige Projekt in der Kreuzeskirche sorgt für eine besondere Premiere, an der sich vier Organisten aus der Region beteiligen. Während die Kirchenmusiker Andreas Fröhling, Gerhard Dominik, Orgel-Professor Roland Maria Stangier und Kreuzeskirchen-Kantor Andy von Oppenkowski im Wechsel Werke von Bach, Widor, Messiaen und Dupré, aber auch eigene Improvisationen spielen, begleitet Theinert die Musik mit seinen ganz eigenen Lichtkompositionen. Jede Konzerteinheit dauert 25 Minuten, pro Abend werden fünf „Shows“ gespielt, die die Kreuzeskirche zu einem einzigartigen Klangkunstraum machen.

Sein „Lichtpiano“ ist ein weltweites Unikat

„Da ich nie Leinwände benutze, sondern Orte, brauche ich Räume mit Atmosphäre“, erklärt Theinert, dessen Lichtkunst bei Techno-Raves ebenso gefragt ist wie bei Auftritten eines Radiosymphonieorchesters. Steinbrüche, Fabrikhallen und eben Kirchenräume sind dabei gleichermaßen lieb, Hauptsache nicht glatt und konturlos. Wie er „mit der Haut der Architektur“ und gleichzeitig mit den Kompositionen von Erik Satie oder Gerd Zacher spielt, wird er ab dem 24. Oktober am Kreuzeskirchplatz zeigen. Dafür baut der ausgebildete Produktdesigner mit dem Faible für abstrakte Kunst im Kirchenraum insgesamt acht Beamer auf, die das, was Theinert an seinem Instrument eingibt, in elektronisch erzeugte, farbige Muster umsetzen. Live und in Echtzeit. Das speziell für ihn entwickelte „Visual Piano“ sei dabei einzigartig in der Welt, erklärt Theinert, der seine Lichtspiele nicht als optische „Untermalung“ von Musik versteht. Sein Wunsch sei vielmehr, dass „zwischen den Sinnen ein neuer gestalterischer Raum aufgeht. Die Gehirne der Besucher müssen es zusammenfügen.“

Auch für Kreuzeskirchen-Kantor Andy von Oppenkowski ist das Zusammenspiel mit Theinert eine spannende Herausforderung. Alle vier Organisten setzen in ihren Programmen dabei unterschiedliche Schwerpunkte: „Bach Toccata enlighted“ heißt es beispielsweise bei von Oppenkowski, während sich Andreas Fröhling „Farben und Formen“ widmet und Dominik Gerhard die drei Abende jeweils ab 21.45 mit „Improvisation ex lumine“ abschließt. Auf die Improvisationen freut sich Theinert besonders. Weil er Kunst „ohne Botschaft“ machen will und weil ihn das Risiko reizt, auch einfach mal zu scheitern.

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