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Literaturkreis in Essen-Kettwig sucht weitere Mitstreiter

Burkhard Schölzel (l.) diskutiert mit Andrea Fischer und Reinhard Buse über „Jugend ohne Gott“ von Ödon von Horvath. Bei jedem Treffen wird ein anderer Roman besprochen.

Burkhard Schölzel (l.) diskutiert mit Andrea Fischer und Reinhard Buse über „Jugend ohne Gott“ von Ödon von Horvath. Bei jedem Treffen wird ein anderer Roman besprochen.

Foto: Carsten Klein

Essen-Kettwig.  Jeden Monat wird ein Roman besprochen. Von den angeregten Diskussionen nimmt jeder etwas mit nach Hause. Weitere Teilnehmer sind willkommen

Ob Heinrich Bölls „Frauen vor Flusslandschaft“, Bernhard Schlinks „Olga“ oder „Die Wahlverwandtschaften“ von Johann Wolfgang Goethe: Zu bereden gibt es immer etwas über die zeitgenössische wie auch die altbekannte klassische Literatur. „Manchmal diskutieren wir gut zwei Stunden über ein Buch – und es gebe noch viel mehr her“, erklärt Burkhard Schölzel vom Kettwiger Literaturkreis lächelnd.

In Zeiten kurzer Internet-Posts und schnelllebiger Nachrichten – mutet ein Literaturkreis da nicht ziemlich verstaubt an? Mitnichten. Mit Schölzel sitzen Andrea Fischer und Reinhard Buse im Obergeschoss der Kettwiger Weinstube und nehmen sich Ödon von Horvaths „Jugend ohne Gott“ vor.

Alle vier Wochen wird ein Roman besprochen

Es geht in dem 1937 erschienen Werk nicht nur um den Glauben, sondern um Wahrheit und Gewissen, um Außenseiter und Mitläufer eines Gesellschaftssystems. Schnell werden aktuelle politische Diskussionen einbezogen – und am Ende des Abends hat jeder von ihnen neben der eigenen Meinung noch eine Reihe von Anregungen zur Textinterpretation hinzugewonnen. So sei es eigentlich immer, sagt Reinhard Buse. „Es ist total spannend, einen Text von ganz unterschiedlichen Seiten zu betrachten.“

Ende 2011 hatten zwei lesebegeisterte Kettwigerinnen den Treff gegründet. Alle vier Wochen sollte eine Lektüre durchgelesen und in lockerer Runde besprochen werden. Zwölf Frauen und Männer seien es über lange Zeit gewesen, erinnert sich Reinhard Buse, der zwei Jahre später bei den „Wahlverwandtschaften“ zu der Gruppe hinzustieß. „Seit einiger Zeit bröckelt unsere Gemeinschaft allerdings.“

Mit Elke Röntgen und Pia Müller sind es nur noch fünf Teilnehmer, wobei letztere aus Bonn anreist. „Was naturgemäß nicht immer klappt“, sagt Schölzel. Da mehr literaturinteressierte Menschen auch mehr Meinungen und lebendigere Diskussionen bedeuten, will der Kettwiger Literaturkreis in eigener Sache trommeln. Mit Plakaten zum Beispiel. Über soziale Medien. Über Mundpropaganda.

Die Lektüreliste enthält auch Klassiker

„Wir lesen jetzt auch keine wirklich dicken Schinken“, betont Andrea Fischer. „Klar muss man sich Zeit einplanen, um in vier Wochen mit der Lektüre durch zu sein. Aber es ist zu schaffen.“ Und es sollte auch gelesen sein, „denn nur so rumreden und man hat in Wirklichkeit keine Ahnung, ist nicht so toll“, findet Burkhard Schölzel.

Wer sagt denn, was im nächsten Monat gelesen wird? Das, so erklärt Reinhard Buse, entscheide die Runde immer beim Treffen: „Meistens schlägt einer von uns ein Werk vor, das zumindest er schon mal gelesen hat.“ Das müsse nicht unbedingt von der aktuellen Spiegel-Bestseller-Liste sein. Klassiker wie Charles Dickens, Jane Austen oder Oscar Wilde seien ebenso spannend wie Wolfgang Herrndorf („Tschick“) und Dörthe Hansen („Altes Land“).

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