Urteil

Mann auf Bahnsteig angegriffen: Psychiatrie angeordnet

Der Angeklagte wollte den 28-Jährigen am Essener Hauptbahnhof ins Gleis schubsen.

Foto: Kerstin Kokosa/ Funke Foto Services

Der Angeklagte wollte den 28-Jährigen am Essener Hauptbahnhof ins Gleis schubsen. Foto: Kerstin Kokosa/ Funke Foto Services

Essen.   Der 42-Jährige, der im Essener Hauptbahnhof einen Mann unvermittelt auf dem Bahnsteig angegriffen hat, muss in die geschlossene Psychiatrie.

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Einen Mordversuch unterstellte das Schwurgericht dem 42-Jährigen aus dem Hörsterfeld nicht. Weil es ihn aber als gefährlich für die Allgemeinheit einstuft, schickte es ihn für nicht absehbare Zeit in die geschlossene Psychiatrie. Er hatte auf einem Bahnsteig im Essener Hauptbahnhof einen 28 Jahre alten Mann unvermittelt angegriffen.

Laut Staatsanwaltschaft wollte er den 28-Jährigen am 18. Juni 2017 ins Gleis 11 stoßen, wo gerade die S 6 einfuhr. Weil der Mann sich aber am Treppengeländer festhielt und Umstehende eingriffen, kam es dazu nicht. Richter Jörg Schmitt wies auf die fehlenden Beweise für eine Tötungsabsicht hin: „Wir wissen einfach nicht, was er wollte.“ Das Opfer selbst hatte Todesangst verspürt und davon gesprochen, dass der andere ihn habe töten wollen. Aber auch das war nur eine subjektive Einschätzung. Schmitt zum 42-Jährigen: „Sie wissen selbst nicht, was Sie wollten.“ Damit erntete er ein zustimmendes Nicken.

Staatsanwältin wirft dem Angeklagten Mordabsicht vor

Staatsanwältin Valeria Sonntag war dabei geblieben, dem Beschuldigten eine Mordabsicht zu unterstellen. Verteidigerin Silvia Oster hatte erfolgreich dagegen argumentiert.

Letztlich kam es darauf nicht an. Denn eindeutig gilt der 42-Jährige als schuldunfähig und kann deshalb für das Delikt nicht verurteilt werden. Bleibt die Frage, was mit ihm zu geschehen hat. Durch seine Taten habe er seine Gefährlichkeit eindrucksvoll bewiesen, entschied das Gericht.

Spielende Kinder mit dem Tod bedroht

Da war neben der Tat am Hauptbahnhof auch die Bedrohung von spielenden Kindern in der Nachbarschaft mit dem Tode. Außerdem hatte er an Fahrzeugen die Außenspiegel abgetreten.

Der 42-Jährige, der seit Mitte der 90er Jahre psychisch auffällig ist, unter Betreuung steht und in einer vermüllten Wohnung mit zwei Katzen lebte, leidet an einer paranoiden Schizophrenie. Das Gericht erkannte die Angst des Beschuldigten vor der geschlossenen Psychiatrie an, machte ihm aber auch Hoffnung. Richter Schmitt: „Die Behandlung der Krankheit hat gute Aussicht auf Erfolg.“

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