Obststand

Markthändler-Gilde kassiert kräftig bei Untervermietung

Karim Lali, ein Neffe des Inhabers, leitet den Obst- und Gemüsestand auf der Kettwiger Straße, offizieller Pächter ist die Arbeitsgemeinschaft der Markthändler.

Karim Lali, ein Neffe des Inhabers, leitet den Obst- und Gemüsestand auf der Kettwiger Straße, offizieller Pächter ist die Arbeitsgemeinschaft der Markthändler.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen.  Für den Obststand zahlt die Arge rund 900 Euro Pacht an die Stadt Essen, bei der Untervermietung an den Händler kassiert sie wohl ein Vielfaches.

Die Kündigung des alteingesessenen Obststandes auf der oberen Kettwiger Straße durch die Stadt Essen hat weit über die treue Kundschaft hinaus einen Sturm der Entrüstung entfacht. Und zugleich pikante Details zutage gefördert zu den verschachtelten und womöglich fragwürdigen Verpachtungsverhältnissen. Zwar trifft die Kündigung in erster Linie den Obsthändler Lali, de facto ist sie aber gerichtet an den Hauptpächter: die Arbeitsgemeinschaft der Markthändler und Schausteller (Arge). Nach Informationen dieser Zeitung besteht eine erhebliche Lücke zwischen den Pachtgebühren: Während die Arge von der Stadt mit lediglich rund 900 Euro Pacht monatlich zur Kasse gebeten wird, langt sie ihrerseits bei der Untervermietung an den Obsthändler kräftig zu und stellt ihm rund 2300 Euro in Rechnung: ein saftiger Zuschlag von mehr als 150 Prozent.

Arge-Geschäftsführer Claus-D. Müller-Knocke wollte diese eklatant voneinander abweichenden Pachttarife auf Anfrage nicht bestätigen. Grundsätzlich weist er daraufhin, dass die Arbeitsgemeinschaft als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ein „ohne Gewinn operierendes Unternehmen“ sei.

„Das sind normale Geschäftsvorgänge, daran ist nichts Anrüchiges“

Allerdings fielen bei dieser geschäftlichen Tätigkeit erheblichen Kosten für Versicherungen und Verwaltung, Löhne und Gehälter an, die bei der Untervermietung berücksichtigt werden müssten. „Das sind ganz normale Geschäftsvorgänge, deshalb ist daran nichts Anrüchiges“, argumentiert Müller-Knocke.

Unterm Strich erwirtschafte die Arge Jahr für Jahr einen Überschuss, der mal 10.000 Euro, mal 15.000 Euro betragen könne. „Dieser Erlös geht per Spendenquittung an das Kirmesmuseum“, sagt Müller-Knocke und fügt hinzu: „Am Ende des Jahres ist die Kasse leer.“

Das Markt- und Schausteller-Museum Essen befindet sich in der Hachestraße 68. Es hat keine tägliche Öffnungszeiten, stattdessen werden dort Führungen angeboten, für die Reservierungen erforderlich sind. Träger des Schaustellermuseums ist der „Arbeitskreis Kultur und Brauchtum Essen e. V.“

Verträge über die Stände in den Einkaufsstraßen sind Jahrzehnte alt

Die Verträge zwischen der Stadt Essen und der Arbeitsgemeinschaft der Markthändler und Schausteller über die ambulanten Stände in der Kettwiger und Limbecker Straße reichen zurück bis Anfang der 1970er Jahre. Eine Ära, in der die Essener Schausteller-Legende Erich Knocke, der Vater des heutigen Arge-Geschäftsführers, die Geschicke der Markthändler- und Schaustellervereinigung leitete.

Übrig geblieben sind davon nur noch vier Stände: Neben dem Obststand auf der oberen Kettwiger und dem „City-Grill“-Imbiss vor dem Baedeker-Haus noch die beiden Blumenstände zwischen Münsterkirche und P & C und am Limbecker Platz. Letzterer wird zum Jahresende ebenso aufhören wie die Pommesbude auf der Kettwiger. Beide, so heißt es, litten unter einem geringer geworden Kundenzufluss. Die Kündigung des Obststandes zum Jahresende bleibt vorerst wirksam, allerdings will OB Thomas Kufen einen Aufschub möglich machen. Er hat Essen Marketing (EMG) gebeten, ein Konzept für den Wochenmarkt und die Marktstände vorzulegen.

Der Obststand hat viel Laufkundschaft, aber es gab auch Bußgeldbescheide

Der traditionsreiche Obststand erfreut sich zwar einer großen Laufkundschaft und enormer Beliebtheit, aber er polarisiert auch. Einige Geschäftsleute und Hauseigentümer in der Nähe hätten sich häufiger beschwert, heißt es, auch habe es über die Jahre verteilt immer wieder Bußgeldbescheide an die Arge gegeben, weil die zulässige Sondernutzungsfläche überschritten worden ist.

Jahrzehntelang gehörte der Stand dem Markthändler Willy Rosenblatt. Als dieser in Ruhestand ging, übernahm für wenige Jahre ein anderer Obsthändler das Geschäft, das dann zuletzt an Said Lali ging. Bei diesem Wechsel soll die Arge den Pachtzins unbestätigten Informationen zufolge kräftig erhöht haben.

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