Bauhaus-Jubiläum

Moholy-Nagy-Schau: Museum Folkwang feiert Fotokunst-Pionier

Fotografie, Film und Fotogramme: Kuratorin Katharina Täschner (re.) spricht über das Werk von Bauhausmeisters Laszlo Moholy-Nagy im Museum Folkwang.

Fotografie, Film und Fotogramme: Kuratorin Katharina Täschner (re.) spricht über das Werk von Bauhausmeisters Laszlo Moholy-Nagy im Museum Folkwang.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Essen.  Bauhaus am Folkwang: Museum besitzt bedeutenden Bestand der Werke von László Moholy-Nagy. Schau zeigt Fotografie, Fotogramme, Film und Gemälde

Bauhaus-Finale im Museum Folkwang: Nach Lyonel Feininger und den Bühnenwelten rückt mit László Moholy-Nagy nun ein Künstler in den Blickpunkt, der nicht nur durch seine experimentelle Fotografie zu einem der prägendsten Bauhaus-Meister und Lehrer des neuen Sehens wurde.

Als mediales Universalgenie war der gebürtige Ungar auch in anderen Bereichen Vorreiter. Neben zwei Leinwänden und Grafiken präsentiert die Kabinettausstellung also Fotografien, Fotogramme, Fotocollagen und Film. Die 50 Arbeiten zeigen nur einen Teil der museumseigenen Sammlung. Das Museum Folkwang verfügt mit 150 originalen Werken über einen der bedeutendsten Bestände, etwa ein Viertel der weltweit bekannten Fotogramme befindet sich in Essen.

Zur ersten Begegnung zwischen Folkwang und Moholy-Nagy kommt es schon 1922, damals noch in Hagen. Zeitgleich sieht Bauhaus-Gründer Walter Gropius Moholy-Nagys erste Ausstellung in der legendären Galerie „Der Sturm“ und holt ihn nach Weimar, wo er bis 1929 am Bauhaus unterrichtet. Im selben Jahr ist der Künstler auch an der Essener Ausstellung „Fotografie der Gegenwart“ beteiligt.

Zwei Leinwand-Arbeiten aus den frühen 1920ern Jahren repräsentieren die konstruktivistischen Kompositionen, mit denen sich Moholy-Nagy von der gegenständlichen Malerei abwendet. Der Umgang mit Farbe, Fläche und Räumlichkeit tritt aber auch in anderen Arbeiten in den Vordergrund. „Malerei und Fotografie waren für ihn keine Gegensätze“, sagt Kuratorin Nadine Engel, die die Kabinettausstellung zusammen mit Petra Steinhardt und Katharina Täschner konzipiert hat.

László Moholy-Nagys fotografische Arbeit beginnt mit dem Fotogramm. Das kameralose Fotografieren, bei dem Gegenstände direkt aufs Fotopapier gelegt und belichtet werden, soll ihn zeitlebens beschäftigen, heute sind rund 450 Fotogramme des Ungarn bekannt. Am Bauhaus entstehen die Fotogramme nicht mehr bei Tageslicht, sondern zumeist in der Dunkelkammer. Durch das Experimentieren mit der Wirkung von Licht und den kaum vorherzusagenden Effekten entstehen reizvolle Arbeiten zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Die Aufnahme einer Blüte gehört in der Ausstellung ebenso dazu wie die Belichtung von Gebrauchsgegenständen, deren Umrisse sich schließlich in purer Abstraktion auflösen.

Sie wie sich der Fotokunst-Pionier mit den Fotogrammen immer wieder auf die Suche nach der neuen Form macht, entstehen auch in der Fotografie spannende Arbeiten: Moholy-Nagy sucht die unkonventionelle Perspektiven und Motive, zeigt Mehrfachbelichtungen, extreme Aufsichten und den Berliner Fernsehturm als schmalen Architektur-Spargel neben einem Stillleben aus einem flirrenden Haufen Sprotten.

Abgerundet wird die Kabinettausstellung von einem frühen Film „Marseille“ und einem Blick auf sein typografisches Werk: So ist das von ihm gestaltete Katalog „Malerei, Film und Foto der Zukunft“ ist bis heute ein Klassiker der modernen Kunstliteratur.

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