Freiwillige Feuerwehr

Nach Feierabend und nachts im Einsatz: Freiwillige Feuerwehr

Die geehrten Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr bei der Jubilarehrung mit Essens Feuerwehrchef Thomas Lembeck (li.) und Oberbürgermeister Thomas Kufen (re.).

Die geehrten Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr bei der Jubilarehrung mit Essens Feuerwehrchef Thomas Lembeck (li.) und Oberbürgermeister Thomas Kufen (re.).

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen.  Wenn andere schlafen, sind sie alarmbereit: Die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr rücken nach Feierabend in ihrer Freizeit aus – ehrenamtlich.

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Als Hartmut Sontowski einen schweren Unfall hatte, waren es Feuerwehrleute, die ihn eine Stunde lang aus seinem Lkw herausgeschnitten haben. Rückblickend nennt es der 58-Jährige ein Schlüsselerlebnis: „Denn als ich wieder auf den Beinen war, habe ich realisiert, was die Einsatzkräfte für einen enormen Job geleistet haben.“

Die Konsequenz dieser Rettung war für ihn damals der Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr, heute ist der Hauptbrandmeister seit 35 Jahren dabei – ehrenamtlich. Mit ihm gab es jetzt auf der Kupferdreher Wache 20 Geehrte bei der Jubilarehrung der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr.

Angefangen hat der Weg bei der Freiwilligen Feuerwehr für Hartmut Sontowski im Hochsauerlandkreis, doch der brach nach seinem Umzug nach Essen nicht ab. Es war sofort klar, dass er dann ab 1991 mit seinen neuen Borbecker Kameraden ausrückt.

Wie alle Ehrenamtlichen bei den Einheiten macht er das neben seinem Hauptberuf: zuerst als Lkw-Fahrer, nun als Rehamechaniker. Der Borbecker Hauptbrandmeister rückt inzwischen aus, um bei Einsätzen Schadstoffe zu messen. Er gehört bei der Freiwilligen Feuerwehr zur Umweltschutzabteilung und sammelt Daten, die als Grundlage für Empfehlungen an die Bürger dienen, wenn diese Zuhause bleiben oder Fenster geschlossen halten sollen.

Die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr unterstützen die Kollegen von der Berufsfeuerwehr und werden von der Hauptwache in der Regel wochentags zwischen 17 und 6 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr alarmiert. „Wenn mein Pieper sich wieder in der Christmette meldet, stehe ich leise auf und eile zum Einsatz“, sagt Hartmut Sontowski.

Doch selbst unterbrochene Weihnachtsfeste haben nicht dazu beigetragen, Familienmitglieder abzuschrecken: „Mein Stiefsohn ist von der Jugendfeuerwehr zur Berufsfeuerwehr gewechselt“, sagt der 58-Jährige nicht ohne Stolz.

Zur Jugendfeuerwehr kam Dennis Ittrich bereits 1997, nun ist er nicht nur Mitglied der Freiwilligen Einheit Mitte im Vorstand der NRW-Jugendfeuerwehr: Der 34-Jährige trägt mittlerweile die Verantwortung für die Essener Jugendfeuerwehr, zu der 200 Jugendliche und 60 Betreuer zählen.

Für den Aufbau und die Betreuung des Nachwuchses gehört der 34-jährige Brandinspektor daher an diesem Abend zu den Geehrten. Zum Erfolg der Arbeit mit den Mädchen und Jungen zählt die Tatsache, dass ein Großteil von ihnen mit 18 Jahren bleibt: Sie treten bei der Freiwilligen Feuerwehr ein oder machen eine Ausbildung und bei der Berufsfeuerwehr weiter.

Dennis Ittrich arbeitet hauptberuflich als Projektmanager, die Einsätze bei der Feuerwehr sind für den 34-Jährigen Ausgleich zum Alltag. Dafür springt er nachts aus dem Bett, rückt zum Brand in Wohnungen oder Lagerhallen aus oder, weil die leere Batterie eines Rauchmelders den Alarm auslöst: „Aber das wissen wir ja vorher nicht, es kann ja immer etwas sein.“ So wie an dem Tag, als sein ursprünglicher Termin bei einer Sportveranstaltung in einem Altenessener Treppenhaus endete: Vom Fenster aus rief er drei Kindern auf einem Balkon zu, wie sie sich verhalten sollen, denn in der Wohnung brannte es.

Selbst außergewöhnliche Einsätze ändern jedoch oftmals nichts an der Bescheidenheit vieler Feuerwehrleute, die einzeln eigentlich gar nicht in den Vordergrund gerückt werden möchten. „Dahinter stehen die Kameradschaft und das Bewusstsein, dass wir allein nichts ausrichten können“, erklärt Hauptbrandmeister Michael Lehmann. Und: „Ich mache das, um Menschen zu helfen – das machen alle hier so.“ Schwieriger sei es aber im Laufe der Jahre geworden, manche Arbeitgeber von dem Ehrenamt zu überzeugen.

Der 57-Jährige hat sich damals für zehn Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr verpflichtet – als Ersatz für den Wehrdienst bei der Bundeswehr, um studieren zu können. Und dann ist er nicht nur Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik und Betriebswirt geworden, sondern inzwischen Löschgruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Kupferdreh.

Er ist zu Großeinsätzen im Kettwiger Druckerzentrum, in der Aluhütte oder auf Bauernhöfen ebenso ausgerückt wie vom Vorjahr zu der älteren Frau, die ihm im Gedächtnis geblieben ist: „Weil wir sie rausgetragen haben in dem Wissen, dass wir nichts mehr für sie tun können.“ Sie war bereits tot.

„Was kommt, das wissen wir vorher nie“, sagt der 57-Jährige, der auf vier Jahrzehnte Mitgliedschaft zurückblickt: mit nächtlichen Einsätzen, Arbeitstagen mit wenig Schlaf und einer Frau, die sein Engagement ebenso lange mitträgt wie die gesamte Familie so manche Feier ohne ihn. Denn das Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr bedeutet mitunter traurige Kinderaugen bei der Geburtstagsfeier und gleichzeitig ein gerettetes Menschenleben.

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