Wandern

Naturschutz-Streit um Kettwiger Panoramasteig entschärft

Immer wieder bietet der Kettwiger Panoramasteig beeindruckende Ausblicke - hier auf das Ruhrufer bei Kettwig.

Immer wieder bietet der Kettwiger Panoramasteig beeindruckende Ausblicke - hier auf das Ruhrufer bei Kettwig.

Foto: Jochen Tack

Kettwig/Werden.  Kettwiger Panoramasteig kann jetzt markiert werden, nachdem Essener Naturschützer erreichten, dass einige Wege tabu bleiben. Folge: mehr Asphalt.

Die letzten Konfliktpunkte sind entschärft, dem neuen „Kettwiger Panoramasteig“ steht nun nicht mehr im Wege. Das teilte Wolfgang Golles von der städtischen Unteren Landschaftsbehörde jüngst dem Umweltausschuss mit. Voran gegangen war ein Streit zwischen der Essen Marketing GmbH, die den rund 33 Kilometer langen Rundwanderweg derzeit realisiert, und der Behörde, die sich als Sachwalterin des Naturschutzes versteht.

Für die EMG hat der Sieg der Naturschützer keinen Einfluss auf die Qualität des Rundwegs

Im Ergebnis musste die EMG in allen drei Konfliktpunkten nachgeben, was Lars Büttner, Leiter der EMG-Tourismusabteilung allerdings als zumutbar empfindet. „Es handelt sich um kleinste Veränderungen, der Weg ist nicht schlechter geworden.“ Konkret geht es um einige Trampelpfade im Bereich Haus Oefte zwischen Kettwig und Werden, um Pfade in der Nähe des Kettwiger Gewerbegebietes Im Teelbruch und um einen Wegabschnitt im Kettwiger Stadtwald. „Dort wollen wir keinen Tourismus haben“, so Golles unwidersprochen im Ausschuss.

Obwohl die Wege von Wanderern und Spaziergängern wie selbstverständlich genutzt werden, wollten die Umweltschützer sie nicht offiziell für die Markierung freigeben - aus prinzipiellen Erwägungen, aber auch, weil dann noch mehr störende Nutzer zu erwarten seien. Denn mit dem Kettwiger Panoramasteig will die EMG an den unerwartet großen Erfolg des Baldeneysteigs anknüpfen, was dann zwangsläufig eine stärkere Begehung der bislang oft recht stillen Waldpfade bedeuten würde.

„Als Habitat von Schwarzspecht und Eulen sollte dieser Wald aber möglichst unberührt bleiben“, erklärte Grünen-Ratsherr Rolf Fliß zu dem Wegabschnitt am Oefter Bach, der mittlerweile von den Grünen zu einem Politikum erhoben wurde. Fliß kombinierte dies aber mit der Zusicherung, man wolle „nur für die Probleme sensibilisieren, nicht den Panoramasteig unmöglich machen“. Wolfgang Golles zufolge gibt es durch die Änderungen sogar mehr schöne Aussichten in die Landschaft. Der Weg verliere nichts von seiner Attraktivität.

Der ohnehin schon hohe Asphaltanteil wurde nun weiter erhöht

Darüber ließe sich streiten. Fakt ist: Nach den Definitionen des Deutschen Wanderinstituts, der das touristisch begehrte Label „Premium-Wanderweg“ verleiht, dürfen ausgezeichnete Wanderwege nur zu maximal 15 Prozent über versiegelten Boden gehen, weil Wanderer dies aus praktischen und ästhetischen Gründen wenig schätzen. Schon vor den jetzt beschlossenen Änderungen lag der Kettwiger Panoramasteig weit über dieser Marke, die Tabu-Erklärung bestimmter Waldabschnitte hat den Asphaltanteil nun weiter erhöht. Ein hoher Anteil von Wiesen- Feld- und Waldwegen - eine Stärke des Baldeneysteigs - ist gelenkschonender, vermittelt vor allem auch weit eher das Gefühl, in der freien Natur zu sein.

Ganz ähnliche Konflikte gab es auch schon bei der Gründung des Baldeneysteigs im Jahr 2017, wo ebenfalls in einigen Abschnitten nicht die optimale Route möglich war, weil Naturschützer und auch Förster dies verhinderten - unter anderem mit Verweis auf einen Ratsbeschluss, der die Reduzierung von Wanderwegen vorsieht.

Kettwiger Panoramasteig ist mit dem Baldeneysteig kombinierbar

Ein Effekt: Geländekundige gehen diese eigentlich gesperrten Wege trotzdem. Dies wird möglicherweise auch beim Kettwiger Panoramasteig passieren.

Der Panoramasteig schließt im Übrigen an den Baldeneysteig an und ist mit diesem kombinierbar, was dann sogar eine 60 Kilometer lange Mehrtagestour möglich macht. Er steht aber als geschlossener Rundweg für sich und wird auch eine eigene Markierung erhalten. „Der Sauerländische Gebirgsverein wird jetzt mit den Arbeiten beginnen“, erklärte EMG-Mann Lars Büttner. Mit einer klaren, lückenlosen Markierung steht oder fällt erfahrungsgemäß der Erfolg jedes Rundwanderwegs, erst recht eines so langen. Die Eröffnung ist im ersten Quartal 2020 geplant.

Die Gesamttour lässt sich sehr gut splitten und auf zwei Tage verteilen

Rund 33 Kilometer sind selbst für ambitionierte Geher eine stramme Leistung. Die Gesamttour lässt sich aber auch splitten: Wer zum Beispiel am Werdener S-Bahnhof startet, kann in Kettwig mit dem Zug zum Ausgangspunkt zurückkehren und sich an einem anderen Tag die andere Hälfte des Weges vornehmen.

Grobe Beschreibung des gesamten Wegs: Vom Werdener S-Bahnhof geht es zunächst auf die nördliche Seite der Schienen und dort dann einige hundert Meter an der geologischen Wand entlang parallel zur vierspurigen B 224. Einen guten Kilometer lang führt der Weg dann über den Baldeneysteig, verlässt diesen aber in Höhe des Wildgeheges im Heissiwald. Die Höhen über der Ruhr am Kanonenberg bieten dann die ersten eindrucksvollen Ausblicke.

Offene Landschaft zwischen Wolfsbachtal und Ruthertal

Über Wolfsbachtal und Ruthertal führt der Weg hoch zur Meisenburgstraße, wo nach der Querung eine lange Passage in der offenen Landschaft im Grenzgebiet zwischen Essen und Mülheim beginnt. Über Kettwig-Ickten, Auf der Höhe und dem Kettwiger Stadtwald geht es zur Ruhrbrücke und hinüber zum südlichen Teil des Steigs, der insgesamt mehr Waldabschnitte bietet. Oefter Wald und die Freiflächen im Bereich der Straße Timpen sind weitere wichtige Stationen, bevor es dann über den Pastoratsberg zurück nach Werden geht.

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