Anonyme Briefe

Neue Anschuldigungen gegen Betriebsräte der Ruhrbahn

Die Ruhrbahn kommt – nicht aus den Schlagzeilen. Ein neuer anonymer Brief enthält weitere Anschuldigungen gegen aktive und ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens. Die Innenrevision ist bereits aktiv geworden.

Die Ruhrbahn kommt – nicht aus den Schlagzeilen. Ein neuer anonymer Brief enthält weitere Anschuldigungen gegen aktive und ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens. Die Innenrevision ist bereits aktiv geworden.

Foto: Oliver Müller

Essen/Mülheim.   Während der Betriebsrat der Ruhrbahn die Gehaltskürzung für Ahmet Avsar ablehnt, gibt es weitere Vorwürfe gegen das Gremium. Wieder anonym.

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Der Betriebsrat der Ruhrbahn – ein einziger „Sündenpfuhl“? Noch sind die Vorwürfe, dass es dort ungerechtfertigte Gehaltserhöhungen, bedrohte Kollegen und Ämter-Patronage gab, nicht vollends aufgeklärt, da sorgt ein weiteres anonymes Schreiben intern für Unruhe. Und wieder geht es um Anschuldigungen gegen Betriebsräte – aktive wie ehemalige, aus Mülheim, aber auch aus Essen.

Dem Vernehmen nach hat der Betriebsrat das Papier an die Unternehmensspitze weitergereicht, die Innenrevision soll bereits eingeschaltet sein. Ob man sich externer Anwälte bedient, um die Vorwürfe zu überprüfen, ist noch unklar, erst recht, ob sie so weit führen wie im Fall des Betriebsrats-Vorsitzenden Ahmet Avsar, dem drei Jahre lang rund 70 000 Euro zu viel überwiesen worden sein sollen.

Vorwurf gegen Avsar „an den Haaren herbeigezogen“

Sein Fall nahm in der jüngsten Sitzung des Ruhrbahn-Betriebsrates am Donnerstag den erwarteten Verlauf: Wie sein stellvertretender Vorsitzender Dirk Hoffmann auf Nachfrage bestätigte, hat das Gremium den Antrag der Geschäftsführung, Avsar um zwei ihm vermeintlich nicht zustehende Entgeltstufen herabzusetzen, abgelehnt. Der Vorwurf, so hieß es ungeachtet zweier anwaltlicher Expertisen, sei „an den Haaren herbeigezogen“. Um die Gehaltskürzung doch noch durchzusetzen, müsste die Ruhrbahn-Spitze nun vors Arbeitsgericht ziehen.

Dass die Auseinandersetzung im Unternehmen mit allen Bandagen geführt wird, darauf deutet auch ein Infoblatt des Verdi-Gewerkschaftssekretärs Rainer Sauer hin, in dem er am Donnerstag eine E-Mail der Geschäftsführung an die Führungsebene öffentlich machte. „Um der internen Informationskampagne des Betriebsrates entgegenzutreten“, so heißt es da, sei es nun „zwingend erforderlich“, den Dialog mit Führungskräften und Mitarbeitern zu pflegen. Zehn Kräfte würden dazu in den Pausenräumen ganztägig benötigt.

Etwas mehr Zurückhaltung „wäre uns lieber gewesen“

Für Verdi-Mann Sauer ist „diese Art der Auseinandersetzung ungeheuerlich“: Offenbar solle die Solidarität mit dem Betriebsrats-Vorsitzenden Ahmet Avsar gebrochen werden, eine regelrechte „Arbeitgeber-Spalt-Kampagne“, so der Gewerkschaftssekretär.

Sauers scheinbar unumstößliche Begeisterung für Avsar wird allerdings nicht einmal in den eigenen Reihen geteilt: Man habe zwar viel Verständnis dafür, dass der örtliche Gewerkschaftssekretär „ziemlich emotional reagiert“, so Verdi-Landesleiterin Gabi Schmidt. Die Situation sei allerdings „sehr heikel“, der Fall Avsar ein laufendes Verfahren, „und nach unseren Gepflogenheiten äußern wir uns da nicht“: Etwas mehr Zurückhaltung „wäre uns lieber gewesen“.

>> NÄCHSTER HALT IM FALL AVSAR: DAS ARBEITSGERICHT

Ein Unternehmen kann einem Mitarbeiter nicht so ohne weiteres das Gehalt kürzen. Laut Betriebsverfassungs-Gesetz darf der Betriebsrat mitreden, ob die Maßnahme gerechtfertigt ist.

  • Im Falle von Ahmet Avsar verweigerte das Gremium jetzt seinen Segen. Der Arbeitgeber kann nun laut § 99 (4) des Gesetzes beim Arbeitsgericht beantragen, die Zustimmung zu ersetzen.

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