Rampen für Rollstuhlfahrer

Legosteine sollen Rollstuhlfahrern das Leben erleichtern

Gruppenbild mit Lego-Rampe, v.l. Ferihan Aydin (WG-Bewohnerin), Ina Schürmann (Inclusio), Prof. Christoph Schmidt, Jürgen Serek (Emma + Wir e.V.) und Maria Schürmann.

Gruppenbild mit Lego-Rampe, v.l. Ferihan Aydin (WG-Bewohnerin), Ina Schürmann (Inclusio), Prof. Christoph Schmidt, Jürgen Serek (Emma + Wir e.V.) und Maria Schürmann.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Frohnhausen.  Aus Legosteinen können allerlei Dinge gebaut werden. Manche erfüllen einen praktischen Zweck im Alltag – wie bei Rampen für Rollstuhlfahrer.

Maria Lüttringhaus, Mutter der behinderten Emma und Initiatorin der gleichnamigen und ungewöhnlichen Wohngemeinschaft Lüttringhaus, und Ina Schürmann, Betreuerin von der Inclusio gGmbH, haben einen Rundgang durch Frohnhausen gemacht. Ihr Hauptaugenmerk galt der Frage der Barrierefreiheit im Stadtteil. Ihr Zeugnis fiel nicht gut aus. „Ob Physiotherapeut, Arzt oder der Metzger um die Ecke – überall fehlt es an Hilfen, die Behinderten den Zugang erleichtern. Sie sind immer auf Hilfe angewiesen“, sagt Maria Lüttringhaus. Sie will mit Mitstreitern Abhilfe schaffen. Und Legosteine, das bunte Spielzeug aus Dänemark, spielen die entscheidende Rolle.

Vorbild ist das Kölner Projekt „frank + frei“

Die Idee ist nicht neu. Vorbild ist das Kölner Projekt „frank+frei“. Das Konzept ist so einfach wie wirkungsvoll. Aus den farbigen Legosteinen werden bunte Rampen gebaut, die Rollstuhlfahrern die Überwindung von Stufen ermöglichen. Etwa ein Kilo werden für eine kleine Rampe benötigt. Die Rampen sollen dann gut sichtbar in den Schaufenstern von Geschäften stehen, um mobile Barrierefreiheit zu signalisieren. „Das wäre auch für die Praxen und Geschäfte von Vorteil“, sagt Maria Lüttringhaus. Um zu demonstrieren, wie so eine Rampe aussieht, kramte sie eigene Legosteine hervor und steckte sie ineinander. In einer späteren Phase kann sich die Frohnhauserin gut vorstellen, dass die Rampen zusätzlich in Boxen im öffentlichen Raum bereitgehalten werden.

Achtsamkeit wird geschärft und Zusammenhalt gestärkt

„Rampen aus Legos“ hat aber mehr Facetten. Aus Sicht von Maria Lüttringhaus schärft das Projekt die Achtsamkeit der Menschen und stärkt den Zusammenhalt. „Da sind die Menschen, die uns – hoffentlich zahlreich – ihre Legosteine spenden. Dann ist angedacht, dass Kinder in der Kita die Steine zusammenstecken“, erzählt Maria Lüttringhaus. Man hätte ja auch einfach Geldspenden sammeln können, um Legosteine zu kaufen, „aber durch unseren Weg stärken wir das Gemeinschaftsgefühl“. Das Rheinische-Westfälische Berufskolleg für Gehörlose habe angeboten, Holzrampen zu bauen.

Das Mitwirken vieler Menschen für eine gute Sache war es auch, das Prof. Christoph Schmidt, Präsident des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V., die Schirmherrschaft übernehmen ließ. „Ich habe das aber nicht in meiner Funktion getan, sondern als Essener Bürger.“ Es sei eine bestechende Idee, die zeige, wie man mit einfachen Mitteln etwas Wirksames erreichen könne. In einer alternden Gesellschaft werde Gemeinschaft immer wichtiger. „Das Produkt ist das eine, der Prozess des andere“, sagt Prof. Schmidt.

„Wheelmap“ zeigt im Internet eine Karte mit behindertengerechten Orten

Während im Lüttringhaus nun alle hoffen, dass möglichst viele Legosteine gespendet werden, denken Maria Lüttringhaus und Ina Schürmann schon darüber nach, wie sie die Orte mit Lego-Rampen bekannt machen können. „Wheelmap“ wäre eine Möglichkeit. Unter diesem Namen gibt es im Internet eine Karte zum Finden von behindertengerechten Orten in einer Stadt. Und jedermann kann Orte auch selbst eingeben. Die weißen Flecken in Frohnhausen sollen so schrittweise immer weniger werden.

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