Bürgerinitiative

Altenessen: Kinder warten weiter auf neuen Spielplatz

Die Kinder  der Siedlung Lattenkamp sind enttäuscht, weil der seit Jahren versprochene Spielplatz noch immer nicht errichtet worden ist.

Die Kinder der Siedlung Lattenkamp sind enttäuscht, weil der seit Jahren versprochene Spielplatz noch immer nicht errichtet worden ist.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Altenessen-Nord.  Wie vor einem Jahr trafen sich am Lattenkamp enttäuschte Eltern und Kinder auf dem ehemaligen Spielplatz. Noch immer fehlen die Geräte.

Alle Jahre wieder kommt der Nikolaus. Und alle Jahre wieder feiern Eltern und Kinder auf der Grünfläche hinter dem Wendehammer der Siedlung Lattenkamp. Dort erinnern sie an einen mittlerweile alten Wunsch: „Wir wollen den Spielplatz wiederhaben.“ Dabei hatte Oberbürgermeister Thomas Kufen den Familien in der Backsteinhaussiedlung im Altenessener Norden bei einem Ortstermin im Mai 2018 Hoffnung auf eine unbürokratische Lösung gemacht.

Das Stadtoberhaupt hatte zugesagt, dass die Verwaltung im ersten Schritt zwei neue Tore anbringen werde, damit die Kinder ohne Umweg über umliegende Straßen in den Bürgerpark Kuhlhoffstraße gelangen können.

Vor fünf Jahren wurden alle Spielgeräte von der Stadt abgebaut

Doch die Sache hatte einen Haken: „Die Anwohner sollten die Verkehrssicherungspflicht für den Weg übernehmen“, sagt Jürgen Beese von der Siedler-Initiative. Die heißt „Wir wollen unseren Spielplatz wiederhaben“ und hatte sich vor etwa vier Jahren in der kinderreichen Siedlung gegründet. „Die Verkehrssicherungspflicht hätte bei Nichterfüllung unter Umständen rechtliche Konsequenzen, etwa bei Schadensersatzansprüchen. „So eine Verantwortung kann man nicht auf die Bürger abwälzen“, findet der 64-Jährige.

Weil die Familien dieses Risiko nicht tragen wollten, hat die Stadt keine Tore aufgestellt. So wartet man zur Nikolaus-Feier auf dem brachliegenden Areal noch immer auf Sandkasten, Schaukel und Wippe. „Früher“, erzählt Anlieger Marino Fioretti, sei der kleine, eingezäunte Spielplatz ein Segen gewesen. „Vor allem Kleinkinder konnten dort beschützt und sicher spielen.“ Das fand vor fünf Jahren ein jähes Ende, als die Stadt für alle überraschend die von dem Unternehmen Sahle Wohnen übernommenen Spielgeräte entfernte.

Luca (10) spielt mit den Nachbarkindern auf der Straße oder am kleinen Wendehammer am Ende der Sackgasse. Doch gut gehe das nicht wegen der vielen Autos, die dort drehen. Alexander (8) hätte gern eine Rutsche und Fynn (5) träumt von einem Kletterturm in Wohnhausnähe.

Die Fläche verwildert und vermüllt

Wo früher bis zu 50 Kinder aus 88 dicht gereihten Siedlungshäusern tobten, herrscht triste Öde. Die Fläche verwildert. Hundebesitzer nutzen die Wiese zum Gassigehen mit den Vierbeinern, nicht alle räumen die Hinterlassenschaften weg. So ist Ärger um den verwaisten Platz trauriger Alltag.

Für noch mehr Unmut sorgen Jugendliche bei ihren Treffen. „Sie lassen leere Flaschen herumliegen“, klagt Kerstin Kaun. Auch Glasscherben und anderen Müll hat sie schon entdeckt. Seit 26 Jahren wohnt die 59-Jährige am Lattenkamp. „Ihre drei Jungs“ hat sie hier großgezogen und würde es den jungen Müttern auch gönnen. „Das war wunderschön mit dem kleinen Spielplatz. Die Kinder waren immer in Hör- und Sichtweite. Es gab ein Tor, und ein bis zwei Mütter saßen immer dabei.“ Abends hätten die Eltern zusammen aufgeräumt und die Anlage abgeschlossen.

Es gibt laut Initiative keine geeigneten Alternativen zum Spielplatz

Die von der Stadt empfohlenen Ausweichspielflächen halten die Anwohner nach wie vor für wenig geeignet. Beide seien den Kleinsten allein nicht zuzumuten, weder der Platz im Bürgerpark an der Kuhlhoffstraße, noch der an der Heßlerstraße auf dem Gelände einer ehemaligen Schule. „Das ist für die Kleineren viel zu weit“, betont Thomas Berns. Dort sollen in direkter Nachbarschaft Neubauten entstehen, vermutlich mit einem Spielplatz. Doch auch das sei keine Alternative zu dem, was man früher hatte.

Bis zum Frühjahr 2020 sollen erste Ergebnisse aus der Spielraumanalyse für die Lattenkamp-Siedlung vorliegen, die von der Stadt in Auftrag gegeben wurde. „Dann soll Kontakt mit den Anwohnern aufgenommen werden, um darüber zu berichten und das weitere Vorgehen zu erklären“, teilt Dr. Martin Gülpen, fachlicher Leiter der Schule Natur bei Grün und Gruga auf Anfrage mit. Läuft alles gut, könnte zu Nikolaus 2020 wieder fröhlich gefeiert werden – auf dem neuen Spielplatz.

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