Zeche Carl Altenessen

Ausdrucksstarke Stummfilme beim Festival in der Zeche Carl

Filmemacher und Regisseur Ron Jäger sitzt auf dem Sofa zum Interview bereit. Das Sofa ist natürlich – gelb.

Filmemacher und Regisseur Ron Jäger sitzt auf dem Sofa zum Interview bereit. Das Sofa ist natürlich – gelb.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Altenessen.   Zwischen einer und elf Minuten lang waren die Beiträge beim Essener Kurzstummfilmfestival. Kuriose und ernste Beiträge bewarben sich um Preise.

Stummfilme sind für die meisten Relikte vergangener Zeiten – für Menschen ohne Gehör hingegen absolute Normalität.

Dass der bewusste Verzicht auf Vertonung die Fantasie auf besondere Weise anregen und man ausdrucksstarke Geschichten auch völlig ohne Sprache erzählen kann, bewies das „4. Kurzstummfilmfestival“ auf Zeche Carl, das federführend von der Evangelischen Jugend Essen organisiert wird.

Im Vordergrund steht der integrative Gedanke

Im Vordergrund steht der integrative Gedanke – Menschen mit und ohne Gehör treffen sich beim Kurzstummfilmfestival auf einer Ebene – denn wenn auf Ton komplett verzichtet wird, sind die Ausgangsbedingungen für alle gleich. So haben auch sowohl hörende als auch gehörlose Filmemacher ihre Werke eingereicht. Dass mittlerweile auch internationale Beiträge gezeigt werden – in diesem Jahr aus der Schweiz, Slowenien und sogar aus Australien – zeigt eindrucksvoll, dass die Macher des Festivals eine Lücke ausgefüllt haben. Richard Poser, zusammen mit Simone Bury verantwortlich für die Organisation, erklärt die Regeln des Festivals: „Die Filme dürfen zwischen einer und elf Minuten lang sein und dürfen keine Sprache, weder Laut- noch in Gebärdensprache, enthalten. Eine sechsköpfige Jury, bestehend aus drei hörenden und drei gehörlosen Experten, wählt am Ende die Sieger aus.“

„Gelb“ war das Motto des Festivals

Im Idealfall sollen die Beiträge dazu einen Bezug zum Motto des Festivals aufweisen: In diesem Jahr schlicht „Gelb“. Wie dieses Thema mit Leben gefüllt wird, ist einzig und allein den Filmemachern überlassen und somit so verschieden wie sie selbst. Poser: „Von Kindergruppen bis hin zu professionellen Filmemachern und Videokünstlern ist bei uns alles vertreten.“

Zwar ist der Film eigentlich ein audiovisuelles Medium – dass der Verzicht auf Vertonung aber nicht zwingend Einschränkungen, sondern vielfach auch Möglichkeiten bietet, bewiesen viele Beiträge des Festivals auf eindrucksvolle Weise. So zum Beispiel Ron Jägers Streifen, der ironischerweise den Titel „Wir müssen reden“ trägt. „In dem Film steht die Emotion als solche im Vordergrund, wir haben sehr viel mit Mimik und Symbolen gearbeitet“, sagt der junge Filmemacher, der wie ein alter Hase mit Filmfachsprache um sich wirft und die Gebärdendolmetscherin so zeitweise an ihre Grenzen bringt.

Auch kuriose Beiträge wurden eingereiht

Und auch kuriose Beiträge sind mit dabei: In Vanja Mervics „State of Liberty“ fließen – passend zum Motto – gelbe Farbtöne ineinander, formen abstrakte Gebilde und lassen Raum zum rätseln. Ob einem das gefällt, ist letztendlich vor allem Geschmackssache: Entsprechend nicht einfach dürfte es für die Jury gewesen sein, die Gewinnerbeiträge auszuwählen. In den Kategorien „Bester Film“, „Bester Low-Budget-Film“ und „Beste Motto-Umsetzung“ wurden mit 300 bis 500 Euro Preisgeld dotierte Trophäen vergeben, dazu vergab das Publikum per Abstimmung Preise. Die Sieger sind:

1. Bester Film: Undelivered von Alisa Grabowski (Spielfilm aus Ludwigsburg)

2. Bestes Gelb: Happy Yellow von Christopher Buhr (Animationsfilm aus Oberammergau)

3. Bester Low-Budget Film: Wünsch dir was von Janina Lutter, Sofia Ayerbe Fiala und Stefanie Barth (Spielfilm aus Dieburg)

4. Publikumspreis Freitag: Farblos von Jonas Burgwinkel, Robin Hückstädt und Mark Risch (Spielfilm aus Moers)

5. Publikumspreis Freitag: Happy Yellow von Christopher Buhr (Animationsfilm aus Oberammergau)

Also 2. und 5. sind derselbe Film.

Alle Preisträger konnten den Preis auch persönlich entgegen nehmen.

NÄCHSTES JAHR DREHT SICH ALLES UM DIE „FÜNF“

  • Die Siegerfilme werden auf der Homepage des Festivals kurz-stumm-filmfestival.de online gestellt.
  • Für das nächste Jahr steht das Motto übrigens bereits fest: „Fünf“. Man darf gespannt sein, was sich die hörenden wie nicht-hörenden Filmemacher dazu einfallen lassen.

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