Krankenhausneubau

In St. Johann stehen sich Kontrahenten weiterhin gegenüber

Etwa 60 Gemeindemitglieder verfolgten die  Pfarrgemeinderatssitzung im Gemeindesaal der Herz-Jesu-Gemeinde in Altenessen-Süd.

Etwa 60 Gemeindemitglieder verfolgten die Pfarrgemeinderatssitzung im Gemeindesaal der Herz-Jesu-Gemeinde in Altenessen-Süd.

Foto: Christof Köpsel

Essen-Altenessen.   Auch im St. Johann-Pfarrgemeinderat kann der Contilia-Kompromissvorschlag zu Größe und Nutzung der neuen Kirche die Gegner nicht überzeugen.

Wer sich nach bald einem Dutzend Diskussionen, Gesprächen und öffentlichen Sitzungen eine einvernehmliche Lösung für den Neubau des Marienhospitals bei gleichzeitigem Abriss der Kirche St. Johann Baptist in Altenessen gewünscht hatte, wurde wieder enttäuscht. Auch wenn vieles am Ende der rund dreistündigen Sitzung des Pfarrgemeinderats im Gemeindeheim von Herz Jesu an der Westendorfstraße offenblieb, gibt es keinen Zweifel: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Der Redebedarf ist groß. Am 19. Juni soll es eine weitere Pfarrversammlung geben, die nunmehr dritte zu diesem Thema. Bis dahin könnte der Kirchenvorstand den Vertrag mit Contilia aber schon unterzeichnet haben.

Emotionale Frage- und Diskussionsrunde

Wäre die Tagesordnung der Sitzung noch geändert worden, wäre nach 15 Minuten Schluss gewesen. Dazu kam es aber nicht, denn der Pfarrgemeinderat stimmte mehrheitlich gegen den Antrag. Die 17 Vertreter des Gremiums wollten die anberaumte Diskussion über den Vertragsentwurf nicht verschieben. Somit kam der spannendste Punkt auf den Tisch. Nach der Vorstellung der Baupläne durch die zwei Bistumsvertreter - Rechtsexperte Dr. Rudolf Gewaltig und Rechtsreferent Marcus Klefken – folgte eine teils emotionale Frage- und Diskussionsrunde mit etwa 60 Zuhörern. Da war von der Contilia als „Melkkuh“ die Rede, von einem „Vertrauensbruch“ und einer „Milchmädchenrechnung“. Auch die Frage, warum man die Kirche überhaupt „verhökern“ müsse, wurde gestellt. Sogar von einer „Veruntreuung“ der Gelder der Gemeinde wurde gesprochen. Mitglieder des Vereins „Rettet St. Johann“ kritisierten, alternative Vorschläge seien nicht hinlänglich geprüft oder gar „abgeblockt“ worden. Immerhin eine Zuhörerin sprach dem Kirchenvorstand wiederholt Dank für viele Stunden Arbeit in der Sache aus.

Befürworter und Gegner stehen sich gegenüber

Zur Erinnerung: Die Krankenhausbetreiberin Contilia plant, bis 2025 ein komplett neues Marienhospital auf der Fläche des alten Krankenhauses sowie der Kirche St. Johann Baptist an der Johanniskirchstraße zu errichten. Noch ist der Kaufvertrag nicht besiegelt, Befürworter und Gegner stehen sich gegenüber. Auch im Pfarrgemeinderat. In Zeiten, in denen nicht nur die katholische Kirche um jedes Mitglied kämpft und selbst Abrisse und Schließungen einzelner Gotteshäuser nichts Außergewöhnliches mehr sind, scheint den einen das Angebot der Contilia geradezu wie ein Geschenk des Himmels: Eine neue Kirche winkt. Sie könnte das 156 Jahre alte Gebäude, für das die Pfarrei in Zukunft viel Unterhalt aufbringen müsste, am alten Standort als sakraler Raum in der Klinik ersetzen.

Gemeinde dürfte Kirche nach ihren Wünschen nutzen

Die Gemeinde wäre aber nicht mehr Eigentümer des voraussichtlich 15 mal 17 Meter messenden Saals, in dem bis zu 400 Gläubige Platz finden sollen. Sie dürfe ihn aber nach ihren Wünschen nutzen, was im Vertrag geregelt wird. Auch Feste und Feiern wären gestattet. „Wir sind der Meinung, dass auch ein Krankenhaus ein Ort von Kirche ist“, verteidigte Thomas Zander als Vorsitzender und Pfarradministrator die Position des Kirchenvorstands. Das historische Gebäude sei ein Ort der Liturgie, in dem sich die Gemeinde trifft und an den man Erinnerungen knüpft, so der Essener Theologe.

Die Gegner hingegen können sich eine Zukunft der Gemeinde ohne die liebgewonnene Kirche nicht ausmalen und suchen weiter nach neuen Ideen. So wurde gefragt, warum man das Parkhaus nicht an einer anderen Stelle baut. Vorgeschlagen hatte man dafür die Ecke Wolbeckstraße – die Kirche könnte in der jetzigen Form bleiben. Die Contilia müsse für Zugeständnisse bereit sein, hieß es mehrfach. Auch bei einer eventuellen Nachverhandlung des Verkaufspreises, den viele aus der Gemeinde für zu gering erachten. „Das Bistum ist kein gewissenloses Monster“, wandte sich dessen Rechtsexperte Klefen gegen die Vorwürfe, die Kirche aus rein wirtschaftlichen Interessen zu opfern.

Ein Notar prüft den Vertragsentwurf

Michael Rüsing, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, betonte nach der Sitzung, dass ein unabhängiger Notar den Vertragsentwurf prüfen solle. Dies sei dem Kirchenvorstand ein wichtiges Anliegen. Einige Punkte verlangen noch Antworten. Wo werden Spielflächen für Kinder entstehen? Auch Fragen zur Inneneinrichtung des neuen Kirchenraums blieben außen vor. Dafür sei es noch zu früh. Ein Gestaltungsausschuss kümmere sich um Details. Fest steht: Die Statue des Heiligen Josef, Zierde des alten Pfarrkirchenportals, wird mit umziehen. Der Täufer und Apostel gilt übrigens als Schutzpatron der Beamten und Architekten. Ob das ein gutes Vorzeichen ist?

DER KIRCHENVORSTAND TAGT AM 22. MAI

  • Am Mittwoch, 22. Mai, trifft sich der Kirchenvorstand zur nächsten – nicht öffentlichen – Sitzung. Dann könnte er den Kaufvertrag beschließen. „Dann wären vollendete Tatsachen geschaffen!“, so Tobias Urban von „Rettet St. Johann.


  • Der Verein „Rettet St. Johann“ hat mittlerweile 1000 Unterschriften gegen einen Abriss der Pfarrkirche gesammelt. Laut dem 2018 verabschiedeten Votum sollte St. Johann Pfarrkirche werden. Nun bleiben dafür St. Hedwig, Herz Jesu und Herz Mariä.


  • Im Herbst 2020 wird die Pfarrei jedoch mit St. Nikolaus zusammengelegt. Bis dahin wird die Entscheidung, welche der Kirchen die größte Bedeutung haben wird, vertagt.

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