100 Jahre DJK Katernberg

Vom katholischen Verein zum Breitensportclub

Die Mannschaft, die 1921 die 1. Reichsmeisterschaft der DJK gewann; obere Reihe v.l. Josef Recher, Willi Sahlmen, Hermann Send, Willi Schmitz, Ludwig  Recher; mittlere Reihe von links: Anton Wasel, Hubert Kurth, Theo Send; untere Reihe v.l. Josef Szafran, Torwart Johann Peters, Edmund Szafran.

Die Mannschaft, die 1921 die 1. Reichsmeisterschaft der DJK gewann; obere Reihe v.l. Josef Recher, Willi Sahlmen, Hermann Send, Willi Schmitz, Ludwig  Recher; mittlere Reihe von links: Anton Wasel, Hubert Kurth, Theo Send; untere Reihe v.l. Josef Szafran, Torwart Johann Peters, Edmund Szafran.

Foto: DJK Katernberg

Essen-Katernberg.  Die DJK Katernberg, vor 100 Jahren gegründet, war ein Kind ihrer Zeit. Der einst rein katholische Verein hat sich aber längst geöffnet.

Das Jahr 1919: Deutschland hatte gerade den 1. Weltkrieg verloren, da wurde in Katernberg ein Sportverein mit dem Beinamen „Deutsche Jugendkraft“ gegründet – ein Jahr vor der Gründung des DJK-Reichsverbands auf dem 1. Katholikentag nach dem Krieg. Die DJK Katernberg war ein Kind ihrer Zeit. An vielen Orten entstanden Turnabteilungen in den Jünglingskongregation der Pfarrgemeinden. So auch im noch eigenständigen Katernberg.

„Im September 1919 kam es nach anfänglichen großen Bedenken auch in der Pfarrgemeinde St. Joseph zur Einbeziehung des Sports in die Jugendarbeit“, so Willi Bock. Der aktuelle Vorsitzende führt den Verein mittlerweile seit fast vier Jahrzehnten.

Zweimal Meister des DJK-Reichsverbandes

Gründungsmitglieder waren Kaplan Ferdinand Küpper und Lehrer Schneider von der örtlichen Volksschule. Ein Jahr später gab es die erste Fußball-Jugendmannschaft, die unter „Einhaltung strengster Disziplin und Vermeidung jeglicher Übertreibung“ das Fußballspiel pflegen sollte. Erste Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Der DJK-Reichsverband organisierte eine eigene Meisterschaft. 1921 (3:2 gegen Ludwigshafen) und 1923 (4:2 gegen Offenbach) hieß der Meister DJK Katernberg.

August Dreier übernahm mit 18 Jahren die Leitung des Vereins

Die Erfolge blieben nicht lange ungetrübt. Unstimmigkeiten zwischen Kaplan Küppers und den Aktiven führten dazu, dass das Fußballspielen bei der DJK Katernberg im Jahr 1925 erst einmal eingestellt wurde. 1926 kam es zu einer personellen Änderung, die – so würde man heute sagen – eine Ära einläutete. August Dreier, 18 Jahre jung, übernahm nicht nur die Führung des Vereins, sondern engagierte sich auch überregional im DJK-Verband. Bis 1960 blieb August Dreier Vorsitzender – das allerdings nicht durchgehend. 1935 verboten die Nazis die DJK und beschlagnahmten die Vermögenswerte. „Konspirative Treffs gab es noch kurze Zeit in einer Werkhalle am Ölberg in Katernberg. Dort wurde Tischtennis gespielt und versucht, den DJK-Geist lebendig zu halten“, erzählt Willi Bock.

10.000 Zuschauer verfolgten am Straßenrand den Staffellauf

Erst mit der Wiederkehr August Dreiers aus der Kriegsgefangenschaft kam wieder Leben in die DJK Katernberg, die faktisch neu gegründet wurde. Die Palette der Aktivitäten wurde über den Fußball hinaus ausgeweitet. 1949 wurde zum Beispiel ein Straßenstaffellauf durch den Stadtteil organisiert. Chronisten sprachen von 10.000 Zuschauern am Straßenrand. Im selben Jahr stiegen die Fußballer auf, die übrigens schon am heutigen Standort an der Meerbruchstraße spielten. Der spätere Austausch, der vom Deutsch-Französischen Jugendwerk organisiert wurde, bescherte dem Verein großen Zulauf. 1975 gab es mit der Errichtung einer Damenabteilung noch einmal eine einschneidende Veränderung der Vereinsstruktur. Bis dahin hatten Frauen im DJK-Verband weder Sitz noch Stimme.

Moderner Breitensportverein mit rund 900 Mitgliedern

Die Zeiten ändern sich. Heute steht der Verein, der im vergangenen Jahr mit dem Lokalrivalen Sportfreunde Katernberg 1913 zu DJK SF Katernberg 13/19 fusionierte, für modernen Breitensport mit Damengymnastik, Kinderturnen, Volleyball und Tischtennis im Angebot und über 900 Mitglieder. Von der einst strengen konfessionellen Ausrichtung ist nichts geblieben. „Als ehemaliger rein katholischer Verein sind wir heute multi-kulti – wie man zu sagen pflegt“, sagt Willi Bock. Die Zukunft werde man mit dem nötigen Elan angehen. Das Jahr 2019 bietet doppelt Grund zu feiern. Die Fußballer feierten im Mai auf der schmucken, neuen Sportanlage an der Meerbruchstraße mit zwei Kunstrasenplätzen den Aufstieg in die Bezirksliga.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben