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Öko-Trend: Essens Imker warnen vor gepanschtem Bienenwachs

Reiner Bienenwachs, den man bei Herstellern kaufen kann, ist teuer geworden. Das liegt auch daran, dass es immer mehr Bürger gibt, die Bienen züchten wollen.

Reiner Bienenwachs, den man bei Herstellern kaufen kann, ist teuer geworden. Das liegt auch daran, dass es immer mehr Bürger gibt, die Bienen züchten wollen.

Foto: Joachim Kleine-Büning / WAZ FotoPool

Essen.  Immer mehr Bienenwachs wird mit Paraffin oder Stearin gestreckt. Das liegt auch daran, dass viel mehr Bürger als früher Bienen züchten wollen.

Immer mehr Bienenwachs wird mit billigen, chemischen Substanzen wie Paraffin oder Stearin gestreckt. Das betrifft Hobby-Imker, von denen es immer mehr gibt, sowie Bürger, die Bio-Kosmetik oder Wachsprodukte selbst herstellen wollen. Der Essener Kreisimkerverband (etwa 350 Mitglieder in Essen) warnt vor dem Problem, für das es bislang keine Lösung gibt, und lädt Interessierte zu einem Vortrag zum Thema ein.

Bienen sind in Mode: „Die Zahl der Hobby-Imker hat in den letzten Jahren massiv zugenommen“, berichtet Werner Küching, Vorsitzender des Kreisimkerverbandes. „Das hat den Preis für reinen Bienenwachs in den vergangenen Jahren erheblich in die Höhe schnellen lassen.“ Kostete ein Kilo reiner Bienenwachs im Jahr 2010 noch etwa sechs bis sieben Euro, liege der Preis jetzt bei mehr als 20 Euro.

Stearin im Wachs lässt ganze Bienenvölker sterben

Tests hätten gezeigt, dass einzelne Händler oder kommerzielle Hersteller Bienenwachs mit Paraffin oder Stearin strecken. Für Bürger, die mit Bienenwachs selbst Kerzen herstellen wollen, sei das kein Problem – aber: Gepanschter Bienenwachs sei nicht akzeptabel für Bürger, die auf selbst gemachte, ökologisch reine Hautcremes Wert legten, und bei den Imkern sorgten die chemischen Substanzen für das Sterben ganzer Bienenvölker.

Wer mit dem Imkern beginnt, kauft häufig Bienenwachs-Platten, um damit zu Beginn die Bienenstöcke auszustatten. Das erleichtert den Bienen den Bau der Waben. „Wachs, das mit Stearin verlängert wird, ist hart und spröde“, erklärt Küching. „Junge Bienen, die in solchen Zellen gebrütet werden, können den Deckel der Brutzellen nicht öffnen und verenden.“ Viele Imker hätten deshalb in den vergangenen Jahren erhebliche Verluste erlitten. Und außerdem: „Was im Bienenwachs drin steckt, landet schließlich irgendwann auch im Honig“, betont Küching. Problematisch seien Paraffin oder Stearin im Wachs auch dann, wenn er dafür verwendet wird, Wachstücher oder -papier selbst herzustellen. Das ist unter umweltbewussten Bürgern derzeit in Mode, denn wiederverwendbare Wachstücher ersetzen mittlerweile in vielen Haushalten die Plastik- oder Alufolie.

Imker-Trend beruht auch auf einem Missverständnis

Dass viele Bürger mit der Imkerei angefangen haben, beruht nach Angaben von Küching übrigens häufig auf einem Missverständnis: „Wenn vom Bienensterben die Rede ist, sind nicht Honigbienen gemeint“, klärt Küching auf. „Denen geht es relativ gut – anders als den Wildbienen, die tatsächlich gefährdet sind.“

Übrigens war in Essen, wenn es um Bienen geht, zuletzt wiederholt von der Seuche Faulbrut die Rede – das Veterinäramt musste wiederholt offizielle Warnungen vor der hoch ansteckenden Bienen-Krankheit aussprechen. Betroffen waren nach Angaben von Werner Küching etwa 20 Imker im Stadtgebiet. Das Problem sei mittlerweile aber erledigt.

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