Industriekultur

RAG-Stiftung und Eon machen Colosseum zur Start-up-Schmiede

Schöner Schein im Backsteinexpressionismus: das Colosseum Theater in Essen – mit dem gegenüberliegenden IKEA-Parkhaus die einzige erhaltene Werkshalle der ehemaligen Krupp-Stadt.

Schöner Schein im Backsteinexpressionismus: das Colosseum Theater in Essen – mit dem gegenüberliegenden IKEA-Parkhaus die einzige erhaltene Werkshalle der ehemaligen Krupp-Stadt.

Foto: Rupert Oberhäuser / Imago

Essen.  Die RAG-Stiftung und Eon kaufen das Essener Colosseum und wollen ihm „neues Leben einhauchen“. Was sie mit der Veranstaltungshalle vorhaben.

Die RAG-Stiftung kauft zusammen mit dem Energieriesen Eon das Colosseum in Essen. Die Kohlestiftung und der Dax-Konzern erwerben die beliebte Veranstaltungshalle im Zentrum der Stadt vom Hamburger Musical-Betreiber-Stage Entertainment. Das erfuhr diese Zeitung aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen. Stage zieht sich bekanntlich ganz aus dem Ruhrgebiet zurück, verkauft das Colosseum und gibt auch das Metronom-Theater in Oberhausen auf, das Ende März geschlossen wird. Wie es mit dem Metronom weiter geht, ist noch völlig offen.

Stillschweigen über Kaufpreis

RAG-Stiftung und Eon wollen im Colosseum dem Vernehmen nach ein Innovationszentrum für das Ruhrgebiet aufbauen. Als Vorbild diene die „Factory Berlin“, wo unter anderem sogenannte Co-Working-Möglichkeiten aufgebaut worden sind, hieß es aus Unternehmenskreisen. Über den Kaufpreis haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart.

Die Musicals von Stage spielten nach Angaben des Unternehmen in den vergangenen Jahren größtenteils ihre Kosten nicht ein, deshalb verlässt der Hamburger Veranstalter das Ruhrgebiet. Man habe es einfach nicht geschafft, dieses Genre im Revier zu etablieren, erklärte Stage-Sprecher Stefan Jaekel nach der Bekanntgabe des Rückzugs im vergangenen Oktober. Für den Ruhrgebiets-Tourismus gilt das als herber Rückschlag.

Factory als prominentes Vorbild

Die für die künftige Nutzung des Colosseums als Vorbild genannte „Berlin Factory“ gilt als bundesweites Vorzeigeprojekt, wenn es darum geht, auf engstem Raum beste Bedingungen für kreative Start-ups zu schaffen. 2014 gegründet, war es ein Vorreiter für Co-Working-Spaces mit jungen Gründern unter einem Dach. Neben den in das schicke Backsteingebäude integrierten Büros im modernsten Standard finden auf dem Campus der „Factory“ aber auch regelmäßig Veranstaltungen wie Tagungen und Seminare statt.

Essens Wirtschaftsförderer Andre Boschem bejubelte die Nachricht im sozialen Netzwerk Linkedin: „Die Metropole Ruhr und Essen werden immer attraktiver für Investoren und Innovatoren“, schrieb er dort, und: „Gestern haben wir die Münchner Kollegen von Mantro GmbH auf Zollverein begrüßt, heute empfangen wir mit offenen Armen die Factory Berlin. Dank an alle die unser Innovationsökosystem bereichern.“

Während die Factory in einer alten Weizenbierbrauerei untergebracht ist, war das nicht minder schick hergerichtete Essener Colosseum eine Krupp-Werkshalle, in der einst Kurbelwellen für Schiffe und Lokomotivrahmen gefertigt wurden. Das Backsteingebäude bietet schon seit Jahren nicht nur Musicals und Konzerten Raum, sondern wird regelmäßig auch für Tagungen großer Konzerne und für Kongresse von Verbänden gebucht.

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