Müllproblem

Rentner erkämpft Mülleimer für den Essener Segerothpark

Auf einer Bank im Segerothpark sitzt Werner Schlenter und weist darauf hin, dass die Abfallbehälter fehlen.

Auf einer Bank im Segerothpark sitzt Werner Schlenter und weist darauf hin, dass die Abfallbehälter fehlen.

Foto: Foto / Asgard Dierichs

Essen-Nordviertel.  Ein Park mit Bänken ohne dazugehörende Mülleimer: Für Werner Schlenter unmöglich. Nun hat er sein Ziel erreicht: Politiker geben grünes Licht.

„Was lange währt, wird endlich gut“, sagt Werner Schlenter mit einem glücklichen Lächeln. Der Rentner kann es kaum glauben: Seit 2016 macht er sich für mehr Mülleimer im Segerothpark stark, und nun steht er kurz vor dem Ziel. Die Bezirksvertretung I hat den Punkt auf der Tagesordnung ihrer nächsten Sitzung am Dienstag, 29. Oktober.

Bald schon könnte es auf der naturnahen Grünfläche, im Schatten der Uni Duisburg-Essen, zwischen Bottroper Straße und Gladbecker Straße, sauberer werden. Die neuen Abfallbehälter sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen. Viele Berufstätige, Radfahrer, Mütter mit Kindern, Rentner und Studenten nutzen die Bänke im Park für Verschnaufpausen.

Abfalleimer kosten laut Grün und Gruga rund 540 Euro

„Die Beschaffungskosten für einen Abfalleimer belaufen sich auf 543,83 Euro brutto“, hat Grün und Gruga den Lokalpolitikern in der Beschlussvorlage jetzt mitgeteilt. Die Finanzierung soll aus Mitteln der Bezirksvertretung bestritten werden. Grün und Gruga will die Montage erledigen.

„Ein Park mit Bänken ohne dazugehörige Abfallbehälter ist unzumutbar“, hatte Schlenter im November 2018 in seiner Eingabe an die Bezirksvertreter formuliert. Mit der Freigabe des Rad- und Wanderweges an der Rheinischen Bahn werde der Park als Erholungsfläche stärker als bisher frequentiert, begründete er sein Anliegen.

Leere Kotbeutelspender am Wegrand

Das Nordviertel liegt dem ehemaligen Tiefbauamtsmitarbeiter am Herzen. Hier ist er aufgewachsen und hier fühlt er sich noch immer zuhause. „Es gibt schöne Ecken, die mehr geschätzt werden müssten“, betont er. Allem voran wünscht sich Schlenter mehr Beachtung für die weitläufige Anlage. „Ich gehe fast täglich hier spazieren“, erzählt er. „Fußgänger und Radfahrer bemängeln seit langem das Fehlen der Abfallkörbe.“

Auch über Standorte hat er sich bereits Gedanken gemacht. Den ersten Behälter wünscht er sich am Abzweig der Rheinischen Bahn neben der Bank vor der Bruchsteinmauer – ein zentraler Platz in der Sonne, den viele Besucher schätzen. Oft kommt Schlenter auch mit dem kleinen, grünen Fahrrad her. „Fast immer liegt hier Müll auf dem Boden.“ Er zeigt auf Papierfetzen zwischen buntem Laub. Leere Getränkedosen sind auf der Wiese dahinter zu entdecken. Und Hundehaufen. Dabei steht am Wegrand sogar ein Kotbeutelspender. Aber der ist leider leer.

Mächtige Bäume und Rhododendren säumen die Wege

Fuchs und Specht sind im naturnah gepflegten Ökopark heimisch. Mächtige Bäume und Rhododendren säumen die Wege. Das Areal wurde in den 80er Jahren aus drei ehemaligen Friedhöfen zur Erholungsfläche am Rand der City umgestaltet. Daran erinnert der Gedenkstein in unmittelbarer Nähe des angrenzenden Turmfeldbades.

An der Holzbank unter Bäumen wünscht sich Schlenter Mülleimer Nummer zwei. Beim Besuch liegt dort ein leeres Partyfass. Im Segerothpark laden einige Bänke zum Verweilen ein, die teils verwittert sind. „Berufstätige verbringen hier ihre Mittagspause im Grünen.“ Doch wer hier sein mitgebrachtes Brot isst und anschließend das Papier loswerden will, muss ein Stück weitergehen. Manchen ist das zu lästig, sie werfen den Müll neben den Bänken einfach auf den Boden oder lassen ihn liegen.

Passanten haben Tüten aufgehängt

Als Mülleimerersatz hängt neben einer Bank schon länger ein großer, gelber Plastiksack an einem Baum. „Der Sack wird regelmäßig geleert“, berichtet Schlenter. Aber ein richtiger Abfallbehälter sei sinnvoller. Zu den drei vorgeschlagenen Eimern hat der engagierte Anwohner eine Bitte: „Sie sollten stabil sein und Masten haben, die im Boden verankert werden.“

Der Erfolg seiner Eingabe schenkt Schlenter Hoffnung in einer anderen Sache. Seit Jahren beschäftigt ihn der alte Grabstein der Familie Girardet. Der steht ebenfalls auf dem ehemaligen Segerothfriedhof nahe der Bersonstraße. „Der Stein ist komplett umwuchert und wurde vor fünfeinhalb Jahren eingezäunt, als etwas vom Sockel abgebrochen war.“ Schlenter vermutet, dass das drei Meter hohe Monument im Bauhausstil unter Denkmalschutz fällt. Eine Anfrage beim zuständigen Amt hat er vor etwa einem Jahr gestellt. Die Antwort steht noch aus.

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