Essen Hauptbahnhof

Rost-Loch: Am Hauptbahnhof Essen regnet es seit Jahren rein

Hier regnet es durch, und Fahrgäste werden nass: Das Dach des Bahnsteigs von Gleis 1/2 ist seit Jahren beschädigt.

Hier regnet es durch, und Fahrgäste werden nass: Das Dach des Bahnsteigs von Gleis 1/2 ist seit Jahren beschädigt.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Am Hauptbahnhof Essen gibt es seit Jahren ein Loch im Dach vom Bahnsteig der Gleise 1/2. Ein Pendler moniert das regelmäßig. Es tut sich wenig.

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Seit mindestens vier Jahren gibt es im Dach des Bahnsteigs der Gleise 1 und 2 am Hauptbahnhof Essen ein rostiges Loch. Wenn es regnet, werden Fahrgäste nass, die auf dem Bahnsteig auf den Zug warten. Der Regen läuft Stahlstützen herunter und zieht die ganze Dachkonstruktion in Mitleidenschaft. Umweltingenieur Klaus Czittrich (54), der täglich mit der Bahn nach Düsseldorf zur Arbeit fährt, ärgert sich schon lange über diesen Zustand und hat der Bahn schon viele Briefe geschrieben. Doch es ändert sich wenig bis nichts.

„Ich stand am Bahnsteig und merkte, wie es mir auf den Kopf tropft“, erzählt Czittrich. Das war Anfang 2015, ist also fast fünf Jahre her. Seitdem schreibt er regelmäßig der Bahn – und wird immer wieder vertröstet

Aufwändige Sanierung für mehr als 50 Millionen Euro vor dem Kulturhauptstadt-Jahr

Der Essener Hauptbahnhof wurde 2008 und 2009 für mehr als 50 Millionen Euro aufwändig saniert. Auch die Dächer der Bahnsteige wurden erneuert. Es ist davon auszugehen, dass der Schaden am Dach des Bahnsteigs von Gleis 1 und 2 kurze Zeit nach der Sanierung erstmals aufgetreten sein muss und somit ein Fall für die Gerichte wurde. Denn im März 2017 antwortete man Czittrich auf einen seiner Briefe: „Intern beschäftigt uns dieses Thema.“ Erst später wurde man deutlicher: „Derzeit befinden wir uns in einem Rechtsstreit bezüglich der Gewährleistung.“ Erst nach einer Entscheidung könne man den Mangel beheben lassen, „erfahrungsgemäß kann das noch dauern.“ Czittrich bohrte weiter nach, fragte nach Einzelheiten und bekam die erwartbare Antwort: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir interne Angelegenheiten nicht veröffentlichen.“ Das war im Sommer 2017.

Warum stellt er sich nicht einfach woanders hin?

Es ist genau eine Stelle, an der es durchregnet auf dem Bahnsteig. Frage an Klaus Czittrich: Warum stellt er sich nicht einfach woanders hin? Da, wo er nicht nass wird? „Ich will wenigstens eine Kleinigkeit an Verbesserung erreichen“, erwidert Czittrich. „Als Bahnkunde fühle ich mich verschaukelt, dass man eine überschaubare Angelegenheit wie ein Loch im Dach nicht schneller beseitigt bekommt.“

Post nach Düsseldorf und Berlin - mit mageren Antworten

Czittrich schrieb auch ans Landes- und Bundesverkehrsministerium. Er bat um Hilfe und gab seiner Hoffnung Ausdruck, die zuständigen Minister könnten in der Sache ihren Einfluss geltend machen und die Angelegenheit entsprechend beschleunigen. „Bitte sorgen Sie mit Ihren Kollegen dafür“, schrieb Czittrich ganz konkret an die Minister Dobrindt und Wüst, „dass das Dach repariert wird.“ Das Landesministerium schrieb zurück: Erstens sei das Dach am Essener Hauptbahnhof in betriebssicherem Zustand, der Bahn seien die Vorgänge bekannt, und außerdem sei das Bundesverkehrsministerium zuständig.

Auch wenn das Schreiben des Ministeriums-Mitarbeiters aus Düsseldorf mit dem Satz beginnt: „Ich darf Ihnen zunächst versichern, dass es selbstredend im Interesse von Herrn Minister Wüst liegt, die Verkehrsinfrastruktur in NRW in einem guten Zustand zu erhalten.“ Und aus Berlin kam folgende Antwort: Das Bundesverkehrsministerium könne nichts tun. Zuständig sei die Deutsche Bahn-Tochterfirma „Station & Services“ in Düsseldorf. Das ist das Unternehmen, mit dem Czittrich schon seit Jahren in Kontakt stand.

Bahn kündigt im Juni 2018 Arbeiten an - ist das die Wende?

Wie auch immer: Im Juni 2018 erhielt Czittrich ein Schreiben von „Station & Services“, das die Wende versprach. „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können“, hieß es da, „dass es zu einer Einigung in Bezug auf das undichte Dach kam.“ Die Arbeiten würden „in nächster Zeit beginnen“. Dann schrieb die Bahn: Die Arbeiten beginnen im Oktober 2018. Und im November 2018 wurde Vollzug gemeldet – beziehungsweise nur fast: „Das Dach an Gleis 1/ 2 wurde weitestgehend repariert.“ Letzte Arbeiten könnten erst erledigt werden, wenn der Frost vorbei ist - das soll im ersten Quartal 2019 sein.

Im Sommer 2019 waren wieder Pfützen da

Czittrich hat dann im Laufe dieses Jahres beobachtet, dass es immer noch reinregnet. Im Sommer 2019 fotografierte er regelmäßig Pfützen am Stahlträger vom Dach an Gleis 1. Auf Nachfrage teilt die Bahn mit, dass vollzogene Reparaturarbeiten bislang „nicht ausreichend“ gewesen seien. Bis Ende des ersten Quartals 2020 soll das jetzt soweit sein. „Die Arbeiten gestalten sich als aufwändig“, teilt ein Sprecher mit, „weil dafür jedes Mal die Oberleitungen mit 15.000 Volt ausgeschaltet werden müssen.“

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