RTL zeigt „Passion“ als TV-Event: Das sagt das Bistum Essen

Große Bühne für eine große Geschichte: Die Aufnahme stammt aus den Niederlanden, wo „The Passion“ seit zehn Jahren läuft.

Große Bühne für eine große Geschichte: Die Aufnahme stammt aus den Niederlanden, wo „The Passion“ seit zehn Jahren läuft.

Foto: Willem Jan de Bruin

Essen.  Die Passion: RTL macht die Leidensgeschichte Christi zum Live-Event. Show aus den Niederlanden gibt zu Ostern in Essen ihr Deutschland-Debüt.

RTL als Bibel-TV – diese Verbindung hätte man nicht unbedingt erwartet. Doch zu diesem Osterfest setzt sich der Privatsender an die Spitze einer Prozession, die nicht nur der TV-Ouote frommen, sondern auch die Botschaft der Kirchen neu ins Rampenlicht rücken soll. So hat sich das Bistum Essen nach einiger Überlegung und Lektüre des Skripts dazu entschlossen, das TV-Spektakel am 8. April in der City wohlwollend zu begleiten. Seit Dienstag sind Details der deutschlandweit einzigartigen Produktion bekannt.

Prominente TV- und Musicaldarsteller wie Mark Keller (Judas) und Ex-Tarzan Alexander Klaws als Jesus, Popsänger Laith Al-Deen in der Rolle des Petrus und Parade-Bösewicht Martin Semmelrogge als Barabbas werden in Essen die Leidensgeschichte Jesu Christi vermitteln. Thomas Gottschalk führt als Erzähler durch die nicht nur musikalisch modernisierte Geschichte. „Ich erwarte ein interessantes Format“, sagt Essens Domkapitular Michael Dörnemann.

Nicht nur bei der Anmeldung der Prozession hat sich das Bistum deshalb aktiv beteiligt. Vor dem Prozessionsweg, der am 8. April an der Grugahalle beginnt, soll es beispielsweise einen kirchlichen Impuls geben. Und auch im Anschluss an die Live-Übertragung auf dem Burgplatz will man den Essener Dom und die Marktkirche noch offen halten, um den Besuchern die Gelegenheit zum Innehalten und zum Austausch zu geben. Ob Bischof Franz-Josef Overbeck auch persönlich an der Prozession mit dem großen leuchtenden Kreuz teilnimmt, das von hunderten Menschen über Essens Straßen getragen wird, ist noch nicht abschließend geklärt.

„Da wird eine jahrtausendealte Geschichte ins Heute geholt“

Die Veranstalter rechnen mit 5000 Besuchern und mehr, die am Abend vor Gründonnerstag in die Essener City strömen. Auf sie wartet eine riesige Bühne am Burgplatz, wo das Bibel-Spektakel von den Hauptdarstellern, großem Chor und Orchester mit Text und aktuellen Popsongs in Szene gesetzt wird. Da werde eine jahrtausendealte Geschichte ins Heute geholt und einem Publikum erzählt, „das wir als Kirche so vielleicht nicht mehr erreichen“, sagt Dörnemann. In den Niederlanden, wo „die Passion“ seit zehn Jahren ausgestrahlt wird, gehört die Live-Sendung inzwischen zu den großen TV-Events, die Quote habe sich von anfangs 17,6 binnen weniger Jahre auf 46,2 Prozent heraufgeschraubt, sagt der niederländische „Passion“-Erfinder Jacco Doornbos.

Zuschauerzahlen, die man auch in Essen mit Vorfreude vernimmt. Das mediale Interesse an dieser ersten deutschen Kreuzigungs-Show war gestern schon gewaltig. Für Richard Röhrhoff, Chef der Essener Marketing GmbH, ist das Passions-Spektakel vor allem die Gelegenheit, die Geschichte der Stadt einmal anders zu erzählen. Die bestehe eben nicht nur aus 200 Jahren Industriegeschichte, sondern sei schon viele hunderte Jahre zuvor von frommen Frauen geprägt worden: Der kostbare Domschatz und die Goldene Madonna zeugen heute davon.

Zwischen Zeche und Kiosk: Kreuzweg spielt an vielen Essener Orten

Vom „Godfather of Entertainment“ Thomas Gottschalk gab’s gestern schon mal eine Widmung fürs Bistums-Magazin. Für ein Gruppenfoto mit Goldener Madonna blieb am Ende keine Zeit mehr. Doch das Bibelspektakel dürfte in den kommenden Tagen in der Stadt noch für weitere Aufmerksamkeit sorgen. Laufen derzeit doch an verschiedenen Orten Probeaufnahmen für einzelne Stationen des Kreuzweges, der – lokal abgestimmt – auch Motive wie die Zeche Zollverein, das Einkaufszentrum Limbecker Platz oder einen Kiosk in den Mittelpunkt rückt.

Thomas Gottschalk: „Es ist mutig und interessant, das Ding anzugehen“

Ob die „größte Geschichte aller Zeiten“, wie sie angekündigt wird, am Ende so viel profane Gegenwart verträgt, wird sich zeigen. Die „Gefahr der Verkitschung“ sei natürlich groß, räumt auch Moderator und Messdiener a.D. Thomas Gottschalk ein. In einer Zeit, in der nur noch ein Viertel der Bevölkerung wisse, „wie die Geschichte überhaupt ausgeht“, müsse man aber auch etwas wagen. „Es ist mutig und interessant, das Ding anzugehen“, findet Gottschalk, „deshalb mache ich mit.“

Nicht nur Bistums-Sprecher Ulrich Lota sieht die Sache ähnlich: „Es ist die größte Geschichte aller Zeiten, aber eben nicht nur für RTL, auch für uns.“ Liebe, Leid, Verrat und Vergebung, Tod und Auferstehung seien Themen von zeitloser Gültigkeit. Auch die evangelische Kirche steht hinter dem Projekt. Einige Gemeinden seien im Vorfeld schon „mit Herzblut dabei“, berichtet Sprecher Stefan Koppelmann. Für den erhofften überkonfessionellen Ansatz der Produktion steht nicht zuletzt Nazan Eckes als Moderatorin mit Migrationshintergrund, die die Prozession als Live-Reporterin begleitet.

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