Ehrenamtliche

Ehrenamtliche organisiert auch Kinoabende für Krebskranke

Rundgang über die Station: Juliane Perl aus dem Besuchsdienst an der Essener Uniklinik überrascht die Patienten mit Süßigkeiten vom Servierwagen.

Rundgang über die Station: Juliane Perl aus dem Besuchsdienst an der Essener Uniklinik überrascht die Patienten mit Süßigkeiten vom Servierwagen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Holsterhausen.  Juliane Perl (29) arbeitet in ihrer Freizeit als Grüne Dame an der Uniklinik Essen. Sie schenkt schwer kranken Patienten Momente der Leichtigkeit.

Es duftet nach frischem Popcorn, und auf den Gängen ist es verdächtig still. Völlig untypisch für ein Krankenhaus. Doch am Abend kehrt selbst auf einer Station mit schwer kranken Menschen fast beschauliche Ruhe ein. Um diese Zeit sind weniger Besucher da und es laufen weniger Untersuchungen und Behandlungen. Freie Bahn für Juliane Perl. Sie ist eine Grüne Dame, dabei trägt sie heute gestreift.

An ihr ist so einiges anders als an anderen Grünen Damen und Herren (ja, auch die gibt es). Zu allererst einmal das Alter. Die freundliche Helferin des Besuchsdienstes auf der ersten Etage des Westdeutschen Tumorzentrums ist 29 – damit könnte sie die Enkeltochter oder aber zumindest die Tochter der meisten anderen Ehrenamtlichen hier sein. „Für mich war früh klar, dass ich mich im Krankenhaus engagieren möchte. Meine Oma hatte es mir vorgemacht. Sie war 30 Jahre lang mit ganzem Herzen dabei“, erzählt Juliane. Seit November ist sie nun an der Uniklinik im Einsatz. Woche für Woche geht sie seitdem mit dem guten Gefühl aus der Klinik nach Hause, etwas Sinnvolles getan zu haben und Menschen in schweren Stunden etwas Leichtigkeit geschenkt zu haben. Auch wenn sie sagt: „Manchmal fällt es mir schwer, wieder abzuschalten. Einige Schicksale trägt man eine Zeit lang mit sich herum.“

Die Patienten freuen sich, dass sie aus den Zimmern gelockt werden

Der Freitagabend ist ihr Stammtag. Wenn ihr Freundeskreis sich zum Ausgehen fertig macht, macht sie sich in ihrer Freizeit auf den Weg zu den Patienten. Heute ist sie schnell zu finden. Immer dem Geruch des Popcorns nach. Im Gemeinschaftsraum der Station entdeckt man nicht nur Juliane und das Popcorn, sondern auch frische Melone und eine Etagere mit Lakritzschnecken und Weingummitütchen. Sie hat einen Kinoabend organisiert, auch wenn die Fernbedienung des DVD-Spielers es noch nicht einsehen mag. Die streikt.

Zwei Patientinnen sind schon da. „Ich bin jetzt die vierte Woche in der Klinik, eine lange Zeit. Es ist toll, dass wir mal aus den Zimmern gelockt werden“, sagt Nilgün Kilic-Voßen. Kurz darauf kommt sie mit Barbara Freyth ins Gespräch, die ebenfalls Patientin ist und dazustößt.

Manche Patienten bekommen sonst nie Besuch

„Unser Rekord waren zwölf Patienten, die zum Kinoabend gekommen sind“, sagt die Grüne Dame Juliane Perl, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer Institut arbeitet. Aber sie weiß natürlich, dass nicht jeder so fit ist, dass er sich auf den Weg in den Gruppenraum machen kann. Deshalb fährt sie zwischendurch mit einem Servierwagen von Zimmer zu Zimmer, klopft an und bringt neben Süßigkeiten auch ihre Fröhlichkeit mit an die Krankenbetten. „Manche Patienten bekommen sonst keinen Besuch und freuen sich, dass jemand an sie denkt“, erzählt sie. Andere teilen lieber mit ihr ihre Sorgen, als dass sie enge Verwandte belasten wollen.

„Es wäre schön, wenn sich mehr Menschen wie Juliane bei uns engagieren würden“, sagt Christa van de Sand, die die Grünen Damen und Herren koordiniert. Voraussetzungen? „Sie sollten kommunikativ sein und zuhören können.“ Ein Händchen für Popcorn ist kein Muss.

Weitere Unterstützung im Besuchsdienst willkommen

Wer sich bei den Grünen Damen und Herren an der Uniklinik Essen engagieren möchte, bekommt unter Tel. 0201 / 723-2595 weitere Informationen. Aber auch die Besuchsdienste anderer Krankenhäuser freuen sich über Unterstützung.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben