Vernissage

Essener Künstler zeigt versteckte Ruhrgebiets-Schönheiten

Klaus Ronning setzt sich mit verborgenen Schönheiten im Ruhrgebiet auseinander. Ab Sonntag, 29. September, ist seine Foto-Ausstellung in der Villa Rü in Essen-Rüttenscheid zu sehen.

Klaus Ronning setzt sich mit verborgenen Schönheiten im Ruhrgebiet auseinander. Ab Sonntag, 29. September, ist seine Foto-Ausstellung in der Villa Rü in Essen-Rüttenscheid zu sehen.

Foto: Julia Tillmann

Essen-Rüttenscheid.  Klaus Ronning fotografiert Orte, auf die sonst niemand achtet. Seine Ausstellung „Hidden Beauty“ ist bald in der Villa Rü in Essen zu sehen.

„Wir haben ständig den Panikmodus an“, sagt Klaus Ronning. „In dieser Hektik vergessen wir, einfach mal innezuhalten.“ Dabei gebe es so viele schöne Dinge und Orte zu entdecken, die im Alltag nicht mehr wahrgenommen werden.

Der Essener Künstler hat sich vor fünf Jahren dazu entschieden, diese Orte festzuhalten – mit seiner Kamera, die er immer dabei hat. Vor allem das Ruhrgebiet sei dafür besonders spannend, sagt Ronning. Es zeige das, was die Leute prägt. „Leider haben die Medien die meisten Orte überfremdet.“

Mit einem starken Blick auf das Fragile und Vergängliche charakterisiert er Orte im Ruhrgebiet, die üblicherweise in keinem Reiseführer aufgeführt werden. Aber auch die Orte, die jeder kennt, beobachtet er aus einem anderen Blickwinkel. Sei es der Baldeneysee, „dem schönsten See im ganzen Ruhrgebiet“, oder die Badeanstalt in Bochum-Dahlhausen. „Wenn das Licht dort schön fällt, haben diese Orte einen italienisches Flair“, so Ronning.

Essener Künstler will ehemaligen Zechenarbeitern eine Ehre erweisen

Ein großes Thema für Ronning ist die ehemalige Zechenindustrie, die das Ruhrgebiet geprägt hat. Doch von dieser Schönheit und Einzigartigkeit ist in seinen Augen nicht mehr viel übrig. „Zollverein beispielsweise“, so Ronning, „hat nichts mehr mit der alten Zeche zu tun.“ Dort erfahre man nicht, wie es wirklich in Zechen aussah. Man erweise den Arbeitern, die damals dort gearbeitet haben, nicht die nötige Ehre durch die ständigen Modernisierungen. Alte Gebäude stehen lassen und einen Zaun drum machen: Das wünscht sich der 53-jährige Architekt.

Doch auch ganz alltägliche Dinge würden zu selten wahrgenommen. Ein Arbeitstitel von Ronning lautet „Kopp in Nacken“. Also einfach mal hochschauen und die Gebäude oberhalb des normalen Sichtfeldes anschauen. „Mich interessiert, wie die Bewohner einer Straße ihre Häuser sehen.“

Vernissage findet am Sonntag, 29. September, statt

Autobahnen sind ein weiteres Thema, mit dem sich Ronning in seinen Fotos auseinandersetzt. „An einigen Stellen fühlt es sich so an, als würde man in eine Stadt fliegen, wenn man in einem Tunnel eintaucht und um einen herum die Hochhäuser verschwinden“, sagt er mit einem Leuchten in den Augen. Es sei faszinierend, wie geschwungen Autobahnen sich durch unsere Städte ziehen und U-Bahnen unter ihnen herfahren.

Werner Settels, Leiter der Villa Rü, ist vor allem von Ronnings Liebeserklärung an die versteckten Plätze im Ruhrgebiet begeistert. „Man merkt ihm die Liebe für die ehemalige Industrie und ihre verborgene Schönheit an. Das ist einzigartig.“ Settels sei es wichtig, dass die Industrie, von der so viele Menschen Jahre lang im Revier gelebt haben, nicht vergessen wird.

Seine Bilder hat Klaus Ronning auf sechs Tafeln festgehalten, die ab Sonntag, 29. September, in der Villa Rü gezeigt werden. Die Ausstellung ist dann bis Ende des Jahres dort zu sehen. Die Vernissage beginnt am Sonntag um 15 Uhr in der Villa Rü, Girardetstraße 21.

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