Corona

Neue Regeln für Fitness-Studio in Essen-Holsterhausen

Trainer Johann Präg gibt aus vorgeschriebener Distanz der Besucherin Anna Bange Hinweise zu ihren Übungen am Gerät des Beinbeugers.

Trainer Johann Präg gibt aus vorgeschriebener Distanz der Besucherin Anna Bange Hinweise zu ihren Übungen am Gerät des Beinbeugers.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Holsterhausen.  Das Essener Fitness-Center des TVG Holsterhausen ist zwar wieder geöffnet, aber nur unter Auflagen. Sorge bereitet ein wichtiges Geschäftsfeld.

Es macht Anna Bange trotz der Strapazen sichtlich Freude, dass sie wieder mit dem Beinbeuger trainieren darf. Sie gehört zu den Stammgästen im Fitness-Center des TVG Holsterhausen und „ist froh, nach der Zwangspause wieder durchstarten zu können“. Doch längst ist nicht alles wieder so wie vor Corona.

Trotz der Auflagen sind Besucher froh, Angebote des Essener Fitness-Studios wieder nutzen zu können

Das begann für die 29-Jährige schon damit, dass sie auf der Internetseite eine ungewöhnliche Information des Vereins las. Der Hinweis, dass maximal 20 Leute gleichzeitig trainieren dürfen, ist mit der Bitte verbunden, sich vor einem Besuch über die aktuelle Zahl zu erkundigen. Doch weder ein solcher Anruf sei für sie ein Problem, meint Anna Bange, noch, dass der Aufenthalt auf eine Stunde beschränkt sei. Die weiteren Anforderungen, Kontaktdaten am Eingang zu hinterlassen und sich die Hände zu desinfizieren, gehörten mittlerweile auch andernorts zum Standard. Solche Regelungen seien also üblich. Wie andere Frauen und Männer auch ist die Essenerin gleich in Sportkleidung erschienen, die Umkleideräume sind derzeit noch gesperrt, wohl aber können die Besucher ihre Wertgegenstände abschließen.

Als Dagmar Cervik erstmals wieder in der Muckibude erschien, war sie erstaunt. Zirkeltraining zählt für sie zum festen Repertoire und eigentlich stehen dafür acht Geräte bereit, mit denen verschiedene Muskelpartien gestärkt werden. Doch seit der Wiedereröffnung sind es nur noch vier. „Wir möchten dafür sorgen, dass die Abstandsregeln eingehalten werden“, erklärt Tobias Wehr, stellvertretender Vorstand der TVG. Die 55-jährige Besucherin kann aber nach eigenen Worten gut damit leben, wenn nun weniger Geräte zur Verfügung stehen. Es gebe noch immer ausreichend Möglichkeiten, sich fit zu halten. Und letztlich gehe es doch um die Gesundheit von allen.

Zum Schutz sind auch die jeweiligen Übungszeiten verändert. Während man eigentlich an einer Station eine Minute lang alles gibt, um sich dann nach 30 Sekunden Pause beim nächsten Gerät weiter auszupowern, gibt es jetzt eine Taktung von jeweils 45 Sekunden. Die Besucher sollen mehr Zeit haben, sich zwischenzeitlich die Hände zu desinfizieren, erklärt Wehr und weist auf eine weitere Neuerung hin: Die Besucher sollen an den Geräten „nicht unbedingt Vollgas“ geben. Bei enormer Anstrengung würden mit der Atemluft auch mehr Aerosole ausgestoßen und diese kleinsten Partikel sind gern auch mal Träger von Covid19.

Um die mögliche Ausbreitung von Viren zu verhindern, werden auch die Trainingsapparaturen ständig desinfiziert, erläutert der Vorstand. Zudem sei in der Mittagszeit zwei Stunden ganz geschlossen. Dann nehmen sich die Mitarbeiter die Geräte abermals vor, um auf Nummer sicher zu gehen. Zum Glück habe der TVG schon gleich zu Beginn der Corona-Krise große Mengen an Desinfektionsmitteln, von Tüchern bis hin zu Flaschen, gebunkert. Das habe zwar 4500 Euro gekostet, „wir sind aber sicher, dass dieses Geld gut investiert ist“.

Wenn Wehr mit Sorgen auf die Finanzen blickt, dann aus einem anderen Grund. Denn zu den wesentlichen Geldquellen für den Betrieb des Fitness-Studios zählen die Reha- und Präventionskurse, die im Wesentlichen von den Krankenkassen finanziert werden. Durch die Zwangspause seien die Angebote vollkommen zum Erliegen gekommen, erklärt Wehr, und aufgrund der Hygieneregeln könne man längst noch nicht wieder alle Kurse in bisheriger Größe starten. „Um mal eine Zahl zu nennen: Hatten wir vorher rund 50 Reha-Angebote, sind es jetzt gerade mal fünf.“ Wenn Wehr einen der Übungsräume betritt, zeigt sich auch schon schnell, gegen welche Probleme der TVG anzukämpfen hat. Klebestreifen auf dem Boden zeigen die Größe der Bewegungsfelder an, damit sich die Teilnehmer nicht zu nahe kommen. Folglich muss deren Zahl begrenzt werden und zudem heißt es, nach den Kursen entsprechende Zeiten für die Desinfektion einzuplanen.

Fraglich sei überdies, ergänzt Wehr, wie viel Geld die Leute überhaupt auf Dauer für den Bereich Gesundheit ausgeben würden. Durch Kurzarbeit oder die Sorge um den Arbeitsplatz verringern die Leute ihre Ausgaben, was auch durchaus nachvollziehbar sei. Welche Folgen das letztlich für die Angebote des TVG habe, müsse man abwarten.

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