Wochenmarkt

Viele Markthändler in Rüttenscheid geben sich Hitzefrei

Ein glücklicher Mann auf dem Rüttenscheider Markt dank seines Fächers: Hermann Welp.

Ein glücklicher Mann auf dem Rüttenscheider Markt dank seines Fächers: Hermann Welp.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Rüttenscheid.  Am bislang heißesten Markttag des Jahres bleiben in Rüttenscheid etliche Flächen leer. Verkäufer, die doch gekommen sind, arbeiten mit Tricks.

Kaum zu glauben, aber da scheint tatsächlich ein leichter Windstoß an Käse und Keksen vorbeizuziehen. Das muss an Hermann Welp liegen, der an seinem Welpino-Stand sitzt und in Endlosschleife mit dem Fächer wedelt. „Ohne Fächer würde ich nicht durch diese Tage kommen“, sagt er – und damit besitzt er einen entscheidenden Vorteil gegenüber den anderen Händlern an diesem bislang heißesten Markttag des Jahres hier in Rüttenscheid.

Wer nicht muss, der bleibt lieber zu Hause. Angesichts von Außentemperaturen, die allenfalls einem Brathähnchen gelegen kommen. Das gilt für Kunden und für Verkäufer. Viele Händler haben sich Hitzefrei gegeben. Auf dem Marktplatz tun sich große Lücken auf. „Drei Viertel der Händler fehlen heute“, schätzt Roland Völlenklee, der einen Obst- und Gemüsestand betreibt. Mit seinen 82 Jahren ist er zwar der älteste Verkäufer an diesem Markttag – aber längst nicht der erschöpfteste. Während da und dort die Kollegen nach Schatten und Stühlen suchen, wirbelt er zwischen Kisten hin und her. „Ich habe mich noch kein einziges Mal hingesetzt“, sagt Völlenklee und aus dem Hintergrund ruft jemand: „Er hat sich noch nicht einmal angelehnt.“ Einen Markttag zu verpassen, ist für diesen Händler keine Option: „Ab 30 Grad stellen wir zwei große Kühlboxen auf und wir bringen weniger Ware mit.“

Die meisten Kunden kommen vor 10 Uhr zum Rüttenscheider Markt

Es ist jetzt 12 Uhr. Nur einzelne Kunden verlaufen sich auf diesem Platz, der an weniger schweißtreibenden Markttagen als einer der beliebtesten Treffpunkte Rüttenscheids gilt. „Die meisten erledigen ihre Einkäufe bei diesem Wetter bis 10 Uhr“, sagt Roland Völlenklee. Aber nicht alle. Am Stand mit den Backwaren bildet sich vorübergehend eine kleine Schlange. Die Kraft des Waffeldufts ist stärker als die Scheu vor der Hitze.

Hinter dem Tresen versucht sich Walburga Plankert mit einem feuchten Tuch im Nacken und einem Ventilator im Rücken die Arbeit erträglicher zu gestalten. Das gelingt mittelprächtig. „Hier laufen drei Waffeleisen und ein Backofen. Ich wünsche mir die Winterkälte zurück“, sagt sie und ringt sich ein Lächeln ab.

Das Wetter: ein prima Gesprächsthema auf dem Wochenmarkt

Bei allem Missmut über die Sahara-ähnlichen Zustände mitten in der Großstadt: Das Wetter entpuppt sich als prima Gesprächsthema. Wo Flächen frei und einige Besucher fern bleiben, bleibt mehr Platz für einen Plausch. Gerade eben hat eine Kundin Josef Austrup vorgerechnet, um wieviel Grad die Temperatur in ihrer Wohnung steigen wird, wenn sie später ein großes Stück Fleisch auf dem Herd zubereiten wird. Vielleicht hat sie aber auch einfach nur versucht, sich möglichst lange an dieser Stelle aufzuhalten, denn der Stand von Austrup zählt zu den wohltemperiertesten Fleckchen auf dem Wochenmarkt. Der Grund: Hier laufen zwei Klimaanlagen für den Wagen und zwei Kühlgeräte für die Wild- und Geflügeltheke.

Ein paar Meter entfernt gerät ein Kunde in einen für diesen heißen Tag untypischen Kaufrausch. Es ist Joachim Beier. Der Rechtsanwalt nutzt seine Mittagspause, „um mich mit leichter Kost einzudecken“. Erdbeeren, Pfifferlingen und Eier hat er schon gekauft. Und dann hat er im Vorbeigehen noch entschieden, dass sich auf dem Balkon mal etwas tun könnte. Also deckt er sich bei Blumen Eckhart mit einem ganzen Sack voll frischer Blumen ein. Er genießt die Leere. „Ist alles ziemlich entspannt heute.“ Und die Hitze? „Welche Hitze?“

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