Bühne

„Ruhrfaust“ im Theater Freudenhaus: Des Pudels Kern im Pott

Arbeiten Hand in Hand für den „Ruhrfaust“: Rainer Besel vom Theater Freudenhaus und Autor Gordon Strahl (v.l.).

Arbeiten Hand in Hand für den „Ruhrfaust“: Rainer Besel vom Theater Freudenhaus und Autor Gordon Strahl (v.l.).

Foto: Svenja Hanusch

Essen.   Angelehnt an Goethes Faust schreibt Autor Gordon Strahl für das Theater Freudenhaus am „Ruhrfaust“. Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Essen.

Über sechs Jahrzehnte entstand Goethes berühmtestes und meistzitiertes Stück Weltliteratur in all seinen Ausformungen. Ganz so lange wird Autor Gordon Strahl nicht benötigen, um angelehnt an Faust ein eigenständiges Stück vorzulegen, das im Revier angesiedelt ist: „Der Ruhrfaust“ hat am 10. Oktober Premiere im Theater Freudenhaus.

Fördergelder vom Land NRW

Die Stückentwicklung geschieht mit Unterstützung des Schauspiel Essen. Ein Dramaturg und eine Bühnenbildnerin stehen der Produktion und dem Autor bei. Strahl studierte Theaterwissenschaften, inszenierte für die Studio-Bühne, arbeitete als Journalist für WAZ und NRZ und legt nun mit „Ruhrfaust“ sein erstes Bühnenwerk vor.

„Mit Florian Heller habe ich einen großartigen Dramaturgen an meiner Seite, der ein Gespür dafür hat, was funktioniert und was nicht“, so der Redakteur der Werdener Nachrichten, der seinen „Ruhrfaust“ mit Orts- und Menschenkenntnis ausstattet.

Reise durch das Essen vergangener und heutiger Tage

Diese Zusammenarbeit freut auch Rainer Besel, den künstlerischen Leiter des Theater Freudenhaus. Und nicht nur, weil es dafür Fördergelder vom Land gibt: „Früher gab es zwischen städtischem und freiem Theater Gräben. Seit Christian Tombeil Intendant ist, versucht er die zu überwinden.“ So wird „Der Ruhrfaust“ auch mit einer Vorstellung beim Festival Literatürk zum Thema Heimat vertreten sein. „Das passt hervorragend da rein.“ Schickt doch Gordon Strahl den Nachfahren von Goethes Faust auf eine Reise durch das Essen vergangener und heutiger Tage.

„Es gibt einen sehr lockeren Bezug zum Faust“, sagt Strahl. „Bestimmte Motive finden sich wieder, die wichtigen Charaktere und Original-Zitate: ,Doch an Blumen fehlt’s im Revier.‘“ Das ist inzwischen Geschichte wie der Kohlebergbau. Faust junior steckt wie seine Heimat im Umbruch und muss sich entscheiden. Der Langzeitstudent ohne Perspektive weiß nicht, ob er die Eiberger Kneipe seines verstorbenen Vaters „Zum kernigen Pudel“ – der „Eiberger Treff“ stand übrigens Pate – übernehmen oder etwas Neues anfangen soll.

„Wie hast du’s mit der Region?“

Eine Wette und zwei Verführer machen ihm den Entschluss nicht leicht. Das toughe Gretchen bietet ihm Glück durch Wandel des Ruhrgebiets mit neuer Wohnbebauung, Mephisto lockt mit dem Glück der Tradition. Nachbarin Marthe macht den Schiedsrichter. Daher lautet die neue Gretchenfrage: „Wie hast du’s mit der Region?“

Die Gretchentragödie dagegen ist hinfällig. „Die haben wir rausgenommen. Die ist so angestaubt. Da kann ich nichts mit anfangen“, meint der 43-Jährige. Von der Versform nimmt er ebenfalls Abstand. „Die mache ich dann vielleicht mit 80“, meint Gordon Strahl. „Wat und dat wird sicher drin vorkommen. Aber nicht auf Teufel komm raus.“

<<<DER RUHRFAUST AUF NEUEN STÜHLEN

  • Goethes „Faust“ gibt es in unzähligen Versionen und Interpretationen. Gordon Strahls „Ruhrfaust“ gibt es ab 10. Oktober inszeniert von René Linke nur im Theater Freudenhaus zu sehen.


  • Wer das Ruhrgebietsstück auf bequemen Stitzmöbeln sehen möchte, kann für 100 Euro eine Stuhlpatenschaft übernehmen. Dafür gibt es ein Namensschild und die Einladung zu einer Vorstellung auf eigenem Sitz. Weitere Infos unter: 851 32 30 oder theater-freudenhaus@grend.de

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