Leben im Revier

Schöner, leiser und wärmer im umgebauten Bunker

Foto: Essen

Essen.   Das Ehepaar Butnariu lebt seit 2004 in einer gemütlichen Eigentumswohnung in Altenessen. Der Unternehmer Werner Rittmann hat den Bunker umgebaut.

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Von wegen schäbige, unverwüstliche Weltkrieg-II-Altlast: Dass sich hinter dem hellgetünchten modernen Appartement-Komplex ein ehemaliger Luftschutzbunker verbirgt, ist selbst beim fünften Hinsehen nicht mehr erkennbar. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt Anneliese Butnariu, die die großzügige, 119 Quadratmeter große Parterre-Eigentumswohnung schon seit elf Jahren mit ihrem Mann bewohnt.

Altenessen, der Grünbruch – eine Sackgasse: Der aufgehübschte Hochbunker hebt sich mit seinen immer noch kolossalen Maßen deutlich von den zierlichen Einfamilienhäusern im Quartier ab. Mit den hohen Fenstern, den geräumigen Balkon-Anbauten und dem oben drauf gesetzten Penthouse ist er ein architektonisches Ausrufezeichen. Und das Werk des Essener Unternehmers Werner Rittmann, der Mitte der achtziger Jahre zu den Pionieren gehörte, die sich auf den Umbau hässlicher Betonklötze zu spezialisieren begannen.

Ein Dutzend Bunker hat er seitdem umgebaut, heute gehören ihm noch zwei in Essen und zwei in Duisburg. Vor dreißig Jahren galten Bunker als schwer verkäufliche Schnäppchen, heute reißen sich Architekten und Investoren darum. Denn „Schöner Wohnen“ im Bunker ist „in“. „Den ersten Bunker habe ich 1986 für nur 30.000 D-Mark gekauft“, erinnert sich Rittmann, „für den Bunker im Grünbruch waren 15 Jahre später schon 160.000 Euro fällig.“

Wertsteigerung durch technischen Fortschritt

Die immense Wertsteigerung der Betonklötze hängt natürlich auch mit dem technischen Fortschritt zusammen. Betonsägen mit scharfen Diamantblättern fräsen sich heute mühelos durch meterdicken Beton. „Um ein Fenster herauszuschneiden, brauchen Sie heute nur noch acht Stunden“, sagt Rittmann.

In Anneliese Butnarius Fall hat die Außenwand des 2 ½ Zimmer-Appartements eine Stärke von gut einem Meter. Trotzdem fällt genug Licht durchs große Terrassenfenster. „Wir profitieren von einem angenehmen Klima und exzellenter Isolierung“, sagt sie und deutet auf den schmalen Mini-Heizkörper. „Der reicht, um die große Küche, das Esszimmer und das große Wohnzimmer zu wärmen.“ Auch der Schallschutz funktioniert prima. „Von unseren Nachbarn direkt über uns hören wir gar nichts.“

Anneliese Butnariu ist 77 und in Hermannstadt/Siebenbürgen aufgewachsen. 1990, als der Eiserne Vorhang fiel, gab sie sich einen Ruck. Mit Mann, Mutter und Sohn kehrte die deutschstämmige Krankenschwester der rumänischen Heimat den Rücken. „Wir haben unsere Wohnung so gelassen, als seien wir in den Urlaub gefahren.“

Wohnung erzählt Erfolgsgeschichte

Ihre schicke, fast jugendlich-modern eingerichtete Wohnung mit schwarzen Ledersofas, warmem Parkett und geschmackvollen Accessoires erzählt auch die Erfolgsgeschichte einer mutigen Spätaussiedler-Familie im wiedervereinigten Deutschland. Als sie 2003 Eigentum kaufen wollten, mussten sie auch wählen zwischen dem wohlhabenden Bredeney und dem eher proletarischen Altenessen. „Rückblickend kann ich sagen: Wir haben die richtige Wahl getroffen.“ Die U-Bahn sei ganz nah, Markt und Einkaufszentrum fußläufig erreichbar und die Ärzte am Karlsplatz.

Den Horror der Bombennächte, die die „Waffenschmiede des Reiches“ besonders in den letzten beiden Kriegsjahren erschütterten, kennt Anneliese Butnariu nur vom Hörensagen. Selbst erlebt hat sie den Bombenterror nicht. Deshalb bedrückt sie auch nicht die Vorstellung, dass Menschen genau hier vor gut 70 Jahren womöglich geschluchzt und gezittert, gebetet und gefleht haben. Auch für Bunker-Fan Werner Rittmann haben umgebaute Luftschutzbunker nichts Traumatisches an sich. Im Gegenteil. „Bunker gaben Schutz und waren Orte des Überlebens.“

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