Problem-Immobilien

Stadt will den Gewerbe-Sumpf in Essen-Dellwig trocken legen

Das unübersichtliche Gewerbegebiet an der Ripshorster Straße in Essen-Dellwig.

Das unübersichtliche Gewerbegebiet an der Ripshorster Straße in Essen-Dellwig.

Foto: Klaus Micke

essen.   Kommune hat Grundstücke an der Ripshorster Straße gekauft. Seit Jahren herrschen dort unhaltbare Zustände. Nun sollen Problemmieter verschwinden.

Altöl und Kühlmittel, die in der Erde versickern, unübersichtliche Gewerke, die oftmals genauso wenig angemeldet sind wie die Handlanger, die sie verrichten, dazu Exportgeschäfte jenseits von Steuern, Abgaben und Sicherheitsvorschriften: Wildes Gewerbe an der Ripshorster Straße in Essen-Dellwig ist Anwohnern, Stadt und Politik seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge. Selbst regelmäßige Razzien konnten die Probleme dort nicht wirklich lösen. Jetzt hat die Stadt die Flucht nach vorne angetreten und über 26.000 Quadratmeter entlang der Ripshorster Straße für rund 1,1 Millionen Euro gekauft und ein Ziel vor Augen. Der Schandfleck soll beseitigt werden.

„Wir versuchen jetzt das abzumieten, was dort unerwünscht ist“, sagte Stadtsprecherin Silke Lenz am Montag: Als Eigentümer und Vermieter habe die Stadt nun einen besseren Durchgriff. Spätestens ab 1. Mai fungiert die Kommune als neuer Besitzer und hält dann alle Fäden in der Hand, um über die Auswahl der künftigen Nutzer aus der Problemimmobilie nach und nach ein hochwertiges Gewerbegebiet zu entwickeln. Die Pachtverhältnisse habe der bisherige Eigentümer bereits gekündigt, bevor der Kaufvertrag jetzt beurkundet wurde, so Lenz.

Oberbürgermeister traf eine Dringlichkeitsentscheidung

Oberbürgermeister Thomas Kufen hat am vergangenen Mittwoch eine Dringlichkeitsentscheidung zum schnellen Kauf des Geländes an der Ripshorster Straße 380 und 381/383 getroffen, nachdem Verkaufsabsichten bekannt geworden sind, welche die unhaltbaren Zustände womöglich auf Sicht zementiert hätten: Nach Informationen dieser Zeitung soll sich der Eigentümer mit der Absicht getragen haben, seine Grundstücke an Interessenten im Kongo zu veräußern.

Geschäftliche Beziehungen nach Afrika wurden von Dellwig aus schon lange gepflegt. Das ganze Ausmaß kam im November 2014 ans Licht, als die Essener Polizei einem Schrott-Schmuggler das Handwerk legte, dem vorgeworfen wurde, über mehrere Jahre gefährlichen Abfall nach Afrika verschifft zu haben. Mehrere hundert Überseecontainer pro Jahr soll der Mann über Antwerpen auf den Weg gebracht haben, hieß es damals.

Unklar, wie stark die Grundstücke belastet sind

Ermittler schätzten, dass in Entwicklungsländern mit ausrangierten Fernsehern, Monitoren, Kühlschränken und Kompressoren, die an der Ripshorster Straße gesammelt worden sind, das bis zu Achtfache der Verschiffungskosten erzielt wurde. Von einem Millionenschaden war die Rede. Der an der Umwelt dürfte kaum zu beziffern sein – sowohl in Afrika als auch in Dellwig: Das Gefahrgut wurde auf dem Gelände immer wieder offen gelagert, und giftige Flüssigkeiten dürften über Jahre ungehindert in den Boden gesickert sein. Gefährliche Stoffe wurden in ausrangierte Autos gestopft, deren Scheiben abgeklebt und die Türen verschweißt.

Wie stark die Grundstücke nach Jahren fortgesetzter Umweltsünden belastet sind, kann die Stadt noch nicht abschätzen, so Lenz: „Wir wussten, was wir da gekauft haben.“ Vorrangiges Ziel sei es jedoch gewesen, das „darüberliegende Problem zu lösen“.

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