Fahrverbote

Essen will mit Grüner Welle Diesel-Fahrverbote verhindern

Auf der Alfredstraße in Essen sollen die Ampeln je nach aktueller Luftbelastung und Verkehrdichte gesteuert werden. Ende 2019 soll es losgehen.

Auf der Alfredstraße in Essen sollen die Ampeln je nach aktueller Luftbelastung und Verkehrdichte gesteuert werden. Ende 2019 soll es losgehen.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Mit klugen Ampel-Steuerungen will die Stadt die Luftbelastung auf der Alfredstraße verhindern. So sollen Diesel-Fahrverbote verhindert werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Stadt hat jetzt den Masterplan Verkehr erstellt, der für bessere Luft auf den Essener Straßen sorgen soll. Die beauftragten Gutachter vom Hildener „Büro Stadtverkehr“ kamen dabei zur Erkenntnis, dass Diesel-Fahrverbote an besonders belasteten Essener Verkehrsadern zu einer insgesamt noch höheren Stickoxid-Belastung führen würden.

Eine mögliche Lösung wäre dagegen eine „Grüne Welle“ in besonders stark belasteten Abschnitten, um Staus und noch mehr Abgase zu vermeiden. Gleichzeitig sollen Pförtner-Ampeln dafür sorgen, dass in kritischen Phasen nicht zu viele Autos auf einmal in die betreffende Hauptstraße drängen. Planungsdezernent Hans-Jürgen Best will die neue „umweltsensitive Verkehrssteuerung“ möglichst noch nächstes Jahr auf der Alfredstraße installieren.

Pförtner-Ampeln sollen Verkehr in die Stadt drosseln

Das Rathaus wird der Politik im September den gesamten Masterplan mit insgesamt 36 Maßnahmen vorlegen, für die es sich Zuschüsse aus Mitteln des Nationalen Forums Diesel erhofft. Bereits heute entscheidet der Verwaltungsvorstand, einen Förderantrag speziell für die Alfredstraße von rund vier Millionen Euro zu stellen Die Frist für die Teilnahme am Bundesprogramm „Digitalisierung der kommunalen Verkehrswege“ läuft schon Ende des Monats aus.

Die Idee ist eigentlich einfach: „Dort, wo gerade dicke Luft ist, müssen wir die Ampeln vor den Toren der Stadt länger auf Rot stellen“, erklärt Dezernent Best. In diesem Fall würde das heißen: Der Verkehrsfluss auf die Alfredstraße wird gedrosselt, damit der Grenzwert von 40 Mikrogramm für Stickoxide eingehalten werden kann.

Aber auch längere Grün-Phasen an besonders sensiblen Abschnitten der wichtigen Nord-Süd-Verbindung können dazu führen, dass sich die Situation an dieser oder jenen Straßenkreuzung schnell wieder entspannt. Dafür sollen an verschiedenen Messpunkten die aktuellen Luftdaten mit der Verkehrslage und der Zahl der Fahrzeuge abgeglichen und die Ampel-Anlagen entsprechend gesteuert werden. Dabei sollen auch die Querverkehre beobachtet werden, damit es sich nicht in benachbarten Straßen knubbelt.

OB Kufen: Fahrverbote sind nicht der richtige Weg

Gleichzeitig würden schon am Stadtrand Info-Tafeln darauf hinweisen, ob sich der Weg in die Innenstadt verzögert und welche Alternativen zur Verfügung stehen: Das kann eine andere Strecke sein, aber auch der Hinweis darauf, welcher Parkplatz in der Nähe frei ist, um mit Bahn und Bus weiterzufahren. Hierfür soll auch eine erweiterte App angeboten werden. Mittelfristig sind deutlich mehr P+R-Plätze anvisiert.

Ob’s funktioniert? „Es ist ein Versuch“, betont der Beigeordnete Best. „Wir selbst haben noch keine Erfahrungen mit Pförtner-Anlagen“. Was aber seiner Meinung nach gar nicht funktionieren würde, wäre ein Diesel-Fahrverbot. „In Hamburg ist eine 300 Meter lange Strecke für bestimmte Diesel-Fahrzeuge gesperrt. Die müssen eine Umleitung von drei Kilometern fahren. In der Summe ist das eine viel höhere Belastung.“

Das sagen auch die Experten vom „Büro Stadtverkehr“: Auf der Alfredstraße müssten zwar täglich 13 800 Fahrzeuge weniger fahren, um die Stickoxid-Belastung um sieben Mikrogramm auf das erlaubte Maß zu reduzieren. Aber Sperrungen würden zu „deutlichen Mehrbelastungen im umliegenden Straßennetz führen“, zitiert Best die Experten. Die Folge: Die Stickoxid-Belastung nehme in den betroffenen Stadtteilen sogar zu, insbesondere an der Kaulbachstraße, Hufelandstraße und Martinstraße. Oberbürgermeister Thomas Kufen fühlt sich da in seiner Meinung bestärkt: „Ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge ist nicht der richtige Weg.“

>>VORSCHLÄGE FÜR DEN MASTERPLAN VERKEHR

Das „Büro Stadtverkehr“ empfiehlt im Masterplan Verkehr für Essen ein Bündel an Maßnahmen, um für bessere Luft zu sorgen. Ein Schwerpunkt liege im konsequenten Ausbau des P+R-Systems aber auch in der Reduzierung des Parkangebotes in zentralen Stadtvierteln.


Wichtig sei eine Radverkehrsoffensive, der Ausbau des Tram-Systems und ein Anteil der Autos am Gesamtverkehr von nur noch 50 Prozent bis zum Jahre 2025.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (31) Kommentar schreiben