Stadtteil-Check

Borbecker loben den Stadtteil – aber nicht in allen Punkten

Klaudia Ortkemper, Vorsitzende des Initiativkreises Centrum Borbeck (CeBo) arbeitet seit Jahren an der Verbesserung ihres Stadtteils. Der Nahverkehr wird ebenso wie die Einkaufsmöglichkeiten zum Beispiel als gut empfunden, doch das Gemeinschaftsgefühl nimmt ab.

Klaudia Ortkemper, Vorsitzende des Initiativkreises Centrum Borbeck (CeBo) arbeitet seit Jahren an der Verbesserung ihres Stadtteils. Der Nahverkehr wird ebenso wie die Einkaufsmöglichkeiten zum Beispiel als gut empfunden, doch das Gemeinschaftsgefühl nimmt ab.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Borbeck-Mitte.   Die Borbecker sind mit ihrem Stadtteil zufrieden, aber nicht in allen Punkten. Der Stadtteil-Check ergibt ein differenziertes Bild.

Der Stadtteil-Check für Borbeck-Mitte zeigt es deutlich: Mit einer mehr oder weniger glatten 2 benoten die Borbecker Leser den Nahverkehr, die medizinische Versorgung und die Einkaufsmöglichkeiten, während sie Restaurants vermissen, sich nicht sehr sicher fühlen und es mit dem Gemeinschaftsgefühl auch nicht weit her ist. Die Expertinnen Klaudia Ortkämper und Susanne Asche können das als Vorsitzende des Initiativkreises Centrum Borbeck (CeBo) und des Bürger- und Verkehrsvereins nachvollziehen – bis auf eine Ausnahme.

„Ich hätte die Note noch schlechter erwartet.“

Denn die überdurchschnittlich gute Note (2,26) für die Einkaufsmöglichkeiten in der Borbecker-Mitte stünde im Gegensatz zur Stimmung in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, erzählt Klaudia Ortkemper: „Das Image ist nicht gut bei den Borbeckern, deshalb hätte ich die Note noch schlechter erwartet.“

Fremde hingegen seien von der Borbecker City meist angetan und besuchten den Stadtteil gerne. Doch auch Klaudia Ortkemper bedauert, dass immer mehr inhabergeführte Geschäfte schließen, wie zuletzt das Bekleidungsgeschäft Hünnemeyer oder der Juwelier Kleinmann.

Hohe Mieten schrecken junge Firmengründer ab

Erschwerend kämen die hohen Mieten dhinzu. „Sie sind nicht immer angepasst“, umschreibt Klaudia Ortkemper charmant die Tatsache, dass „manche Hausbesitzer noch Preisvorstellungen wie vor 20 Jahren haben. Aber so bekommen junge Firmengründer kaum eine Chance, ein eigenes Geschäft zu eröffnen.“ Die folge seien immer mehr Tattoo-Läden oder Frisöre. Die Bäcker-Schwemme wie vor zehn Jahren sei dagegen abgeflaut. Hoffnung setzt die CeBo-Vorsitzende auf die baldige Umgestaltung des Marktplatzes, von der sie sich zum Beispiel Anschlüsse für E-Bikes wünscht.

Ein Borbecker Manko sei sicherlich die wenig attraktive Gastro-Szene. Da stimmt Klaudia Ortkemper der Leser-Meinung komplett zu. „Außer dem Dubrovnik haben wir kein schönes Restaurant mehr in Borbeck“, bedauert sie. „Ich werde häufig angesprochen von älteren Leuten, die gerne in ein gepflegtes Restaurant gehen würden. Aber wir arbeiten daran und haben schon intensive Gespräche mit unserem Oberbürgermeister geführt.“

Arbeit der Essener Marketing GmbH macht Hoffnung

Bei einem Stadtrundgang mit IHK, Einzelhandelsverband, der Stadtagentur, Hauseigentümern, der Essener Marketing GmbH (EMG) und der Bezirksvertretung seien schon viele Ideen aufgegriffen worden, sei es eine bessere Beleuchtung oder mehr Außengastronomie.

Hoffnung setzt sie in Richard Röhrhoff, den jetzt für Stadtmarketing zuständigen EMG-Geschäftsführer: „Er sorgt für frischen Wind.“

Neuen Schwung erhofft sich auch Susanne Asche, wenn es um ein besseres Gemeinschaftsgefühl der Borbecker Bürger geht. Dass sie hier ein Manko sehen, kann die Vorsitzende des Bürger- und Verkehrsvereins nur unterstreichen. „Borbeck-Mitte ist nicht mehr so der gewachsene Stadtteil. Wir haben erleben müssen, dass Viele weggezogen sind und dass ein Generationenwechsel stattgefunden hat.“

„Borbecker Bummel“

Viele Schüler – aber viele kommen von außerhalb

„Es geht nun darum, die Aufenthaltsqualität im Zentrum zu steigern und Erlebniswerte zu schaffen“, sagt sie. „Denn die Potenziale, identitätsstiftend zu sein, sind sehr gut.“ Sie verweist auf die beiden Kirchengemeinden mitten in der Innenstadt, und auch die herausragende Schullandschaft mit drei Gymnasien: „Sie sucht Ihresgleichen in Essen.“ Der Nachteil sei nur, dass viele Schülerinnen und Schüler nicht aus Borbeck selbst, sondern von außen kämen.

Ihr Bürger- und Verkehrsverein startet daher im Herbst gemeinsam mit CeBo und dem Kulturhistorischen Verein von Jürgen Becker den Versuch, das Gemeinschaftsgefühl im Stadtteil zu stärken. Beim „Borbecker Bummel“ sollen die kulturellen und sozialen Angebote, die sich mit dem Stadtteil identifizieren, gemeinsam dargestellt werden.

Dass die Borbecker Innenstadt abends nach Geschäftsschluss leer sei, trage wohl auch zur schlechten Sicherheit-Note (3,43) bei. Gerade die älteren Bürger fühlten eine „subjektive Unsicherheit“, die es ernst zu nehmen gelte.

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