Stadtteil-Check

Stadtteil-Check: Schlechte Note für Sicherheit in der Innenstadt

Hauptkommissar Ulrich Müller ist Leiter des „Schwerpunkt-Dienstes“ und zuständig für die Sicherheit in der Essener Innenstadt.

Hauptkommissar Ulrich Müller ist Leiter des „Schwerpunkt-Dienstes“ und zuständig für die Sicherheit in der Essener Innenstadt.

Foto: Vladimir Wegener

Essen.   Laut Polizei ist die Innenstadt sicher. Doch viele Essener fühlen sich unwohl durch Drogenhandel, Trinkerszene und Gruppen ausländischer Männer.

Erst vor wenigen Tagen war Essen wieder einmal bundesweit in den Schlagzeilen. Polizei, Ordnungsamt und Zollbehörden führten in der nördlichen Innenstadt eine Razzia gegen „Clan-Kriminalität“ durch. Nicht zum ersten Mal.

Da mag es keine Überraschung sein, dass der Stadtkern bei unserem Stadtteil-Check ziemlich weit hinten landet bei der Frage „Wie sicher fühlen Sie sich in ihrem Stadtteil?“ Die Leser vergeben die Note „ausreichend“. Nur Altenessen-Süd, das Nordviertel und Altendorf schneiden schlechter ab. Ist die Innenstadt unsicher?

Nein, sagt Hauptkommissar Ulrich Müller (55), Leiter des Schwerpunktdienstes der Essener Polizei in der Innenstadt und als solcher dort zuständig für die Sicherheit. Wie passt das zusammen?

„Clan-Kriminalität“ beispielsweise, ja, die gebe es in der nördlichen Innenstadt. Es gehe um Drogenhandel, um Geldwäsche, um Prostitution. Normale Bürger aber bekämen davon gar nichts mit. Die wunderten sich vielleicht allenfalls über aufgemotzte Edelkarossen oder machohaftes Gehabe junger Männer aus dem arabisch-kurdischem Milieu. Seine Kollegen dagegen würden mit Respektlosigkeit und Beleidigungen konfrontiert, und das nahezu täglich, so Müller.

Statistisch zählt Essen laut Polizei zu den sichersten Großstädten

Seit einiger Zeit geht die Polizei öffentlichkeitswirksam gegen die organisierte Kriminalität vor. Das dürfte das diffuse Unsicherheitsgefühl, das offenbar so mancher in der Innenstadt empfindet, noch verstärken. Die Polizeistatistik beschreibt die Wirklichkeit ganz anders. Tatsächlich geht die Kriminalität seit 2016 zurück, wie Ulrich Müller betont. Statistisch zähle Essen zu den sichersten Großstädten und stehe viel besser da als beispielsweise Dortmund oder Düsseldorf.

Zahlen belegen aber auch, dass es in der Innenstadt eine sehr aktive Drogenszene gibt. „Wir haben eine hohe vierstellige Zahl an Konsumenten“, weiß Ulrich Müller. Ihren Stoff besorgen sich die Suchtkranken auch auf der Straße. Der Rheinische Platz wird deshalb mit Kameras überwacht. Die Dealer machen ihre Geschäfte nun am Viehofer Platz. Wer den Kontakt zur Szene nicht suche, komme damit auch nicht in Berührung, betont Müller. Bedauernswerte und auch düster wirkende Gestalten fallen im Straßenbild allerdings auf.

Die Stadt denkt darüber nach die Viehofer Straße mit modernster Videotechnik ins Visier zu nehmen. Von Seiten des Einzelhandels werde auch immer wieder der Ruf nach Kameraüberwachung auch am Willy-Brandt-Platz laut, berichtet Müller und winkt ab. „Der Willy-Brandt-Platz ist aber total sicher. Auch wenn er vielleicht nicht so aussieht.“ Das dürfte zumindest in der wärmeren Jahreszeit an der Trinkerszene liegen, die sich am Abgang zur U-Bahn aufhält. Sieht nicht schön aus, ist aber harmlos – so bringt es eine Leserin sinngemäß im Netzwerk Facebook auf den Punkt.

Taschendiebe aus Südosteuropa tauchen zu Großveranstaltungen in Essen auf

Der optische Eindruck aber trägt bei zum Unsicherheitsgefühl. Das gilt für leerstehende Ladenlokale, wie Ulrich Müller, selbst gebürtiger Essener weiß. Das gilt auch für junge Männer aus dem arabischen Raum, die sich in Gruppen in der Innenstadt aufhalten. Oft seien es Flüchtlinge, die 2015 und 2016 nach Essen gekommen sind und das Bild der Fußgängerzone mitprägen. Das zuweilen provokant wirkende Auftreten reiche „maximal für einen Platzverweis“, so der Polizeibeamter. Kriminell in Erscheinung träten da eher Taschendiebe aus Südosteuropa, die, organisiert in Banden, die Innenstadt bei Großveranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt regelmäßig heimsuchen.

Fälle wie der brutale Überfall auf eine 17-jährige Schülerin im U-Bahnhof Viehofer Platz im April vergangenen Jahres seien für die Polizei hingegen eine „absolute Ausnahme“, wie Müller betont. Die junge Frau war am hellichten Tag von einem Angreifer, der es auf ihr Handy abgesehen hatte, mit einer Bierflasche auf den Hinterkopf geschlagen worden. Die geübte Kampfsportlerin konnte den Täter und seine Komplizen in die Flucht schlagen. „Uns hat sehr überrascht, dass so etwas passiert ist“, sagt Ulrich Müller. Überwachungskameras hatten die beiden 16-jährigen Täter nicht von ihrem Vorhaben abhalten können. Dank der Aufnahmen wurden sie jedoch überführt.

Weitere Informationen zum Stadtteil-Check finden Sie hier. In den kommenden Wochen veröffentlichen wir weitere Artikel zu den Ergebnissen unserer Umfrage. Diese Artikel sowie alle Zeugnisse für die einzelnen Stadtteile finden Sie auf unserer Themenseite zum Stadtteil-Check.

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