Stadtteil-Check

Schlechte Noten: Die Parkplatzsituation in Rüttenscheid

Vor allem auf der Rüttenscheider Straße knubbelt sich regelmäßig der Verkehr.

Vor allem auf der Rüttenscheider Straße knubbelt sich regelmäßig der Verkehr.

Foto: Sara Schurmann

Essen.   Rüttenscheid schneidet beim Essener Stadtteil-Check in der Kategorie Parken miserabel ab. Doch ist die Situation wirklich so problematisch?

Ob abends als Anwohner oder tagsüber als Besucher: Wer in Rüttenscheid einen Parkplatz sucht, muss in der Regel die eine oder andere Runde um den Block drehen. Beim Stadtteil-Check bekommt das Viertel die Note 4,85 bei der Frage nach der Parkplatzsituation – und damit die schlechteste Zensur, die überhaupt ein Stadtteil in einer der 14 Kategorien erhalten hat.

„Das gibt ein Stimmungsbild wieder“, sagt Rolf Krane, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Rüttenscheid, „aber nicht die Realität“. Es sei nicht so, dass es in Rüttenscheid kein Parkproblem gebe, „aber hier redet man auch besonders gerne darüber“. Und er verweist vor allem auf die zahlreichen Parkmöglichkeiten, die nicht genutzt werden: So sei zum Beispiel der Messeparkplatz P2 (das ist die große Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs) nicht ausgelastet. Auch das Parkhaus an der Bertoldstraße/Ecke Alfredstraße, gebaut mit dem Gebäudekomplex Rü 62, biete fast immer freie Plätze. Krane kritisiert: „Die Leute wollen unbedingt umsonst parken.“

Krane: „Die Rüttenscheider selbst haben zu viele Autos“

Eine Stunde im Parkhaus kostet 1,70 Euro, eine Stunde auf dem Messeparkplatz einen Euro. Seit Januar sind auch P1 und P3 geöffnet – außerhalb der Messezeiten von 19 bis 8 Uhr kostenlos. Eine weitere neue Möglichkeit ist der Parkplatz des Arosa-Hotels mit 25 Stellflächen, der von 6.30 bis 22.30 Uhr für 1,50 Euro die Stunde für alle nutzbar ist. Bald sollen noch 21 weitere Stellplätze in der Tiefgarage hinzukommen.

Für Rolf Krane ist der Parkdruck auch ein Erfolgsindikator: „Da, wo viele hinkommen wollen, werden Sie immer ein Parkproblem haben.“ Und: „Jemand aus Köln oder Frankfurt würde darüber lachen.“

Von Überlegungen der Stadt vor einigen Jahren, das Anwohnerparken auszuweiten, hält Rolf Krane nichts. „Die Leute zahlen Geld und bekommen trotzdem keinen Parkplatz“, sagt Krane, der selbst im Mädchenviertel wohnt. Denn das Problem sei: „Die Rüttenscheider selbst haben zu viele Autos.“ Anwohnerparken würde dafür sorgen, dass Flächen tagsüber leer stünden, wenn die Rüttenscheider bei der Arbeit sind, und es abends trotzdem alles voll ist.

Eine schwierige Parksituation herrscht am Gericht

Elke Zeeb von den Grünen, Mitglied der Bezirksvertretung, kritisiert die Zeiten, zu denen die Kontrolleure im Museumsviertel unterwegs sind. Dort gilt Bewohnerparken – wenn die Beamten aber abends spät oder morgens früh ihre Strafzettel verteilen, beträfe das vor allem Anwohner, die Besuch haben. Ebenfalls problematisch sieht Zeeb die Parkplatzsituation für Mitarbeiter des Gerichts. Die bekommen per Losverfahren einen Stellplatz, allerdings nur für ein halbes Jahr – dann gibt es das nächste Losverfahren.

Für so problematisch hält Elke Zeeb die Parksituation allerdings generell nicht. „Das wird oft übertrieben dargestellt.“ Wer sein Auto behalten will, müsse in Kauf nehmen, auch mal eine Runde mehr zu fahren, bis er einen Parkplatz hat. „Man muss aber auch nicht überall mit dem Auto hinfahren“, sagt Zeeb und verweist zum Beispiel auf die oft kritisierten „Elterntaxis“ an der Käthe-Kollwitz-Schule. „Wer drei Straßen weiter wohnt, muss sein Kind nicht mit dem Auto dorthin bringen.“

Stadt erwägt generelle Erhöhung der Parkgebühren

Blickt man auf die Zahlen, liegt Rüttenscheid in der Autodichte nicht weit über dem Essener Durchschnitt. Im Stadtteil sind 15.644 Pkw gemeldet bei 25.706 Einwohnern über 18 Jahren. Das ist eine Abdeckung von 60,9 Prozent. In der Gesamtstadt liegt sie bei 56,4 Prozent. Dass die Parkplatznot in allen innerstädtischen Vierteln ein Problem ist, zeigt auch unsere Karte: Südviertel, Holsterhausen, Ostviertel, Stadtkern – in all diesen Viertel liegt die Bewertung unterhalb der Essener Durchschnittsnote. Ebenso in Kettwig und Kupferdreh, zwei Stadtteilen mit größeren eigenen Zentren.

Die Stadt erwägt derzeit eine generelle Erhöhung der Parkgebühren im gesamten Stadtgebiet, um ein Fahrverbot zu vermeiden. Das hält Rolf Krane für genauso wenig zielführend wie das Anwohnerparken. „Wenn wir die Bedingungen schlechter machen, fahren die Leute woanders hin“, gibt Krane zu Bedenken. „Wir sind kein einzelnes Zentrum wie zum Beispiel Münster.“

Schon früher habe man über fehlende Parkplätze geschimpft

Letztlich reguliere sich die Situation von selbst – und sei zudem seit 50 Jahren die gleiche. Schon damals habe man über fehlende Parkplätze geschimpft. Rolf Krane spürt aber durchaus einen Wandel: „Heute ist es nicht mehr Mode, dass junge Leute ein Auto haben.“ Wer mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt (in der Kategorie hat Rüttenscheid mit 1,68 am zweitbesten in Essen abgeschnitten), trage dazu bei, die Situation zu entlasten. „Wir müssen das Umdenken in diese Richtung fördern.“

Und Elke Zeeb sieht in einem Aufzug am Messeparkplatz P2 ein leichtes Mittel, um die dortige Fläche barrierefrei nutzbar und damit attraktiver zu machen. Dort auf dem Platz findet im August wieder die Kulinarik-Veranstaltung Rü Genuss pur statt – für Rolf Krane eines der positiven Beispiele im Stadtteil: „Da kommt kaum einer mit dem Auto.“

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