Theater „Der Leere Raum“

Straßen-Theater: Passanten schreiben am Drehbuch mit

Claudia Maurer (links) und Mariela Rossi (rechts) sind als alte Damen verkleidet. In ihrem Theater „Der leere Raum“ proben sie für das neue Stück. Es soll Ende des Jahres fertig sein.

Claudia Maurer (links) und Mariela Rossi (rechts) sind als alte Damen verkleidet. In ihrem Theater „Der leere Raum“ proben sie für das neue Stück. Es soll Ende des Jahres fertig sein.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Frohnhausen.  Zum Thema Altern befragen Claudia Maurer und Mariela Rossi vom Theater „Der leere Raum“ in Frohnhausen Passanten. Daraus entsteht ein Stück.

Nicht nur die Nachbarn sind schon gespannt auf Neues aus dem Theater „Der Leere Raum“ an der Raumerstraße 11. Wo lange ein Frisör im Viertel wirkte, sind die Schauspielerinnen Claudia Maurer und Mariela Rossi seit 2017 aktiv. Für ihr neues Stück sind sie auf die Straße gegangen und haben Passanten gefragt: Das Thema war Altern. Die Antworten fließen in ein neue Produktion ein. Ein Experiment – für alle Beteiligten.

Nach ihrem poetischen Figurenstück „Ozean-Märchen“ und „Tränen der Heimat“, einem Monolog von Lutz Hübner, sind die Erwartungen an die Künstlerinnen entsprechend hoch. Doch wer ab und an von außen einen Blick durch die große Schaufensterscheibe wirft, entdeckt vielleicht zwei etwas merkwürdige alte Damen.

Auf Disco-Rollern öffnet Claudia Maurer die Tür des Theaters. Wer nicht weiß, dass sie unter der Maske steckt, würde die 46-jährige Regisseurin nicht erkennen. In dem schwarzen Stoffeinteiler ist ihr Körper komplett versteckt. Darunter trägt sie einen hautfarbenen Jersey-Overall, der an einigen Stellen mit Füllwatte ausgestopft ist. Diese „Fettpölsterchen“ und die faltenreiche Textilmaske in Hautfarbe lassen die Künstlerin um Jahre älter wirken. Im selbst geschneiderten Oma-Kostüm steckt auch Schauspielkollegin Mariela Rossi (35), die gerade eine vorsichtige Runde auf dem Tretroller dreht. Als sie den Besuch bemerkt, stoppt sie und winkt.

Befragungen im Stadtteil zum Thema Altern in Würde

Seit einigen Monaten beschäftigen sich Maurer und Rossi mit dem Phänomen des Alterns. Ihre „Forschungen“ betreiben sie in Frohnhausen. Bei zwei Treffen in ihrem Theater befragten sie Teilnehmer nach ihrer Meinung. Gemeinsam wurden nach Antworten auf Fragen wie diese gesucht: „Was ist Alter?“, „Was bedeutet es?“, „Wie alt benehme ich mich?“, „Wie alt will ich sein und warum?“, „Was darf ich in welchem Alter und was nicht?“ Aus den Antworten und eigenen Ideen soll Anfang des kommenden Jahres ein Stück entstehen, das sich mit dem Thema Alter und Würde beschäftigt. „Wir forschen und experimentieren mit Mitteln des Figuren- und Objekttheaters, Elementen aus Schauspiel und Tanztheater und digitalen Medien“, erklärt Maurer dazu.

Bei ihren Gesprächen mit Menschen aus dem Quartier bekamen die beiden jungen Frauen immer wieder zu hören, dass es großartig sei, alt zu sein, weil man endlich alles tun könne, ohne Rücksicht auf seinen Ruf nehmen zu müssen und das Leben ohne berufliche Verpflichtungen einfach mehr genießen könne. „Man hat mehr Freiheiten, Dinge zu tun, wenn man älter ist, auch Verrücktes“, erläutert Rossi. Solche Aussagen nahmen sich die Darstellerinnen zu Herzen: In ihren neuen Kostümen rollerten sie zum Fest in der Gemeinde St. Elisabeth, wo sie vor kurzem ihre Premiere als „Zwei alte Damen“ feierten. Mitten in der Menge. Die Reaktionen auf die Frohnhauser Schein-Omas fallen unterschiedlich aus. „Manche Leute wundert es, dass wir in dieser Rolle nicht sprechen“, sagt Mauer. Einige lachen über das experimentierfreudige Duo oder necken es.

Zwei alte Damen möchten gern auf Tour gehen

Wer die alten Damen anspricht und wie – alles fließt in die Studie der Künstlerinnen mit ein. Und wird vielleicht ein Teil der neuen Produktion. Die zwei alten Damen könnten sich übrigens vieles vorstellen: Besuche in Essener Museen – vom Folkwang bis zum Ruhr Museum, Auftritte bei öffentlichen Festen oder in Einkaufszentren. „Die Leute sind manchmal irritiert, weil wir eine Maske tragen“, erklärt Maurer noch. Doch dahinter trauen sich die beiden Dinge zu, die selbst die Schauspielerinnen sonst nicht tun würden – etwa Roller oder Rollschuhfahren vor dem Laden.

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