Ruhrbahn

Streit um Sparpaket für die Ruhrbahn in Essen eskaliert

Knatsch bei der Ruhrbahn. Das Verhältnis zwischen Betriebsrat und Ruhrbahn scheint völlig zerrüttet. Für Wirbel sorgt jetzt ein Effizienz-Programm mit geplanten Einsparungen von 9,5 Millionen Euro.Foto:Kerstin Kokoska

Knatsch bei der Ruhrbahn. Das Verhältnis zwischen Betriebsrat und Ruhrbahn scheint völlig zerrüttet. Für Wirbel sorgt jetzt ein Effizienz-Programm mit geplanten Einsparungen von 9,5 Millionen Euro.Foto:Kerstin Kokoska

Essen.   Die Ruhrbahn plant ein Sparprogramm von 9,5 Millionen Euro. Der Vorstand wehrt sich jetzt gegen Vorwürfe von Betriebsrat und Gewerkschaft.

Im Streit um geplante Millionen-Einsparungen bei der Ruhrbahn haben sich die Spannungen zwischen Betriebsrat und Vorstand weiter verschärft. Jüngster Auslöser ist eine an die Presse geschickte gemeinsame Stellungnahme des Betriebsratsvorsitzenden Ahmet Avsar und des Verdi-Gewerkschaftssekretärs Rainer Sauer. Darin heißt es, dass der Betriebsrat noch vor kurzem drei Millionen Euro an Einsparungsmaßnahmen im Fahrdienst habe abwenden und damit „gravierende Verschlechterungen für die Bus- und Straßenbahnfahrer“ verhindern können. Jetzt aber drohe eine „Sparkeule“, mit der bei der Ruhrbahn 60 Stellen gestrichen werden sollen.

Ruhrbahn: Keine schlechteren Bedingungen für Fahrer

Die Ruhrbahn-Spitze reagiert empört: „Das können wir alles dementieren. Das sind Unwahrheiten, die verbreitet werden. Der Betriebsfrieden wird so nachhaltig gestört“, sagte am Mittwoch Vorstandsmitglied Michael Feller.

Nach der Fusion der Essener und Mülheimer Verkehrsgesellschaften ist eine neue Betriebsvereinbarung für die über 1000 Fahrer nötig, weil in den beiden Städten unterschiedliche Regelungen galten. Die Gespräche zogen sich in die Länge, das Papier ist bis heute noch nicht unterschrieben. Michael Feller wehrt sich aber gegen den Vorwurf, dass eine höhere Belastung der Fahrer geplant gewesen sei. „Wir wollten die Arbeitsbedingungen für die Fahrer nicht verschlechtern“, stellt er auf Anfrage klar.

Eine Konsolidierungs-Vereinbarung vom November 2016 zwischen der früheren Mülheimer Verkehrsgesellschaft MVG, dem Gesellschafter und dem Mülheimer Betriebsrat, die Ahmet Avsar damals mit unterzeichnet hatte, machte das Ganze nicht einfacher. Denn das Papier sah eine Streichliste von mehr als 6,4 Millionen Euro vor. Der Mülheimer Fahrdienst sollte mit 460 000 Euro weniger auskommen. Nach der Fusion hätten aufgrund dieser Berechnungsgrößen für alle Ruhrbahn-Fahrer sogar mindestens zwei Millionen Euro gestrichen werden müssen. „Das wollten wir nicht“, so Feller. Der Vorstand selbst sehe am Ende nur noch ein Sparpotenzial von 360 000 Euro, für die Essener Fahrer würde sich mit der neuen Vereinbarung die Situation sogar „leicht verbessern“.

Ruhrbahn will 9,5 Millionen einsparen

Auch im neuen Spar-Programm in Höhe von 9,5 Millionen Euro sei der Fahrdienst ausdrücklich ausgenommen worden. Ruhrbahn-Vorstand Uwe Bonan verteidigt das dem Betriebsrat vor kurzem vorgelegte Effizienz-Programm: „Von Anfang an ist bei der Fusion von den Gesellschaftern und den politischen Gremien klar formuliert worden, Einspareffekte zu nutzen“, betont Bonan. Hier gehe es nicht nur einfach um Personalabbau, sondern um das Zusammenlegen von Abteilungen und Bereichen – wie zuletzt bei der Leitstelle.

„Alles, was wir an Sachkosten einsparen, müssen wir nicht beim Personal sparen“, ergänzt Feller. Deshalb sei die Zahl von 60 zu streichenden Stellen nicht richtig. Das Programm soll in den nächsten Jahren Zug um Zug umgesetzt werden.

Zum künftigen Verhältnis zum Betriebsrat sagt Feller nur: „Ich erwarte nichts mehr.“

>>KEINEM DROHT DIE KÜNDIGUNG

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Ruhrbahn, Wolfgang Weber, versteht die „Aufregung um das Effizienzprogramm“ nicht: „Wir haben allgemeine Sparvorgaben. Der Sinn der Fusion war doch, Synergie-Effekte zu nutzen. Das geht durch Zusammenlegungen und natürliche Fluktuation.“


Von den rund 2600 Mitarbeitern bei der Ruhrbahn in Essen und Mülheim muss keiner um seinen Arbeitsplatz fürchten. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2033 ausgeschlossen.

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