Hinterhofidylle

Huttroper schafft grünes Paradies im Großstadt-Dschungel

Hugo Keip nährt die Bakterien in seinem Kompost mit selbst angesetzten Lösungen aus Fallobst, Rasen- oder Brennnesselschnitt.

Hugo Keip nährt die Bakterien in seinem Kompost mit selbst angesetzten Lösungen aus Fallobst, Rasen- oder Brennnesselschnitt.

Foto: Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Huttrop.  Hugo Keip (83) wohnt an der Steeler Straße. Hinter dem Haus hat er eine Bio-Oase angelegt. Hier erklärt er, warum der Kompost das Herzstück ist.

Eine solche grüne Idylle erwartet wohl niemand an der dicht bebauten und stark befahrenen Steeler Straße: Wenn einen Hugo Keip in den Garten hinter dem Haus führt, taucht man ein in eine grüne Oase mit großen, Schatten spendenden Obstbäumen. Wobei der Begriff Garten eigentlich untertrieben ist. Der 83-Jährige bewirtschaftet eine parkähnliche Fläche von immerhin 2400 Quadratmetern. Herzstück des Ganzen ist der Kompost am Ende des Grundstücks. Den bestückt Keip alle paar Tage mit den Bioabfällen, die bei ihm und seiner Frau im Haushalt anfallen. Der Garten sei von Anfang an als Biotop geplant gewesen. Er spritze nicht und verwende keinen Kunstdünger, versorge die Pflanzen lediglich mit der Humus-Erde, die er selbst durch das Kompostieren erzeuge.

Die Gartenarbeit wirkt bei dem Senior wie Medizin

„Der Garten ist meine Tablette“, sagt der Senior voller Überzeugung. Andere Medizin brauche er nicht. Die Arbeit in seinem Biotop halte ihn fit und erfülle ihn, auch wenn die Bewirtschaftung schon sehr zeitintensiv sei. An die 7000 Arbeitsstunden habe er insgesamt bereits investiert. Woher er das so genau weiß? Hugo Keip führt über alle Vorgänge im Garten genau Buch, trägt die Menge der Bioabfälle ein, mit denen er den Kompost bestückt, fotografiert den Garten seit Jahren und zu allen Jahreszeiten. „Rund 4500 Fotos sind inzwischen zusammengekommen“, sagt der Vater von erwachsenen Zwillingen. Alle Bilder hat er ordentlich in Aktenordnern abgeheftet und beschriftet. Als er 2013 den Umweltpreis der Stadt für sein Biotop erhalten habe, hätten schon über 5000 Arbeitsstunden zu Buche gestanden.

Hugo Keip hat als Chemotechniker in der Wasserwirtschaft beim Ruhrverband gearbeitet. Mit seiner Frau bewohnt er eine Eigentumswohnung. Hinter dem Haus sei früher ein Bauunternehmen ansässig gewesen. Als die Fläche frei wurde, habe er sie von der Stadt gepachtet. Das Areal habe er versiegelt übernommen, es habe ihn viel Mühe gekostet, alles aufzureißen und für die Bepflanzung vorzubereiten, berichtet Keip.

Seine Leidenschaft für den Biogarten sei 1987 geweckt worden, als ihm ein Bekannter vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) den Tipp gegeben habe, die Fläche naturnah zu gestalten und mit Obstbäumen zu bepflanzen. „Den Kompost habe ich gleich zu Beginn angelegt, das war mit sehr wichtig“, sagt Keip. Er könne nur empfehlen, die eigenen Bioabfälle zu kompostieren, wenn man denn die Gelegenheit, sprich einen Garten, habe. Allerdings brauche man Geduld. „Acht Jahre muss der Kompost schon ruhen und arbeiten, bis ich unten die nährstoffreiche Erde entnehmen kann“, sagt der Hobbygärtner.

Der Walnussbaum trägt jedes Jahr rund 1000 Früchte

Der Ertrag seiner fünf großen Obstbäume könne sich sehen lassen, davon profitierten auch Verwandte und Freunde. Inzwischen habe er auch einige kleine Bäume gesetzt, die auch schon tragen. Besonders stolz ist Hugo Keip auf seinen prachtvollen Walnussbaum. „Den hat ein Eichhörnchen gepflanzt. Er trägt rund 1000 Nüsse pro Jahr und ist inzwischen 12,80 Meter hoch. Ich fotografiere und vermesse ihn einmal im Jahr“, so der Huttroper. „So kann ich genau dokumentieren, in welchem Jahr er wieviel gewachsen ist“, so Keip.

Der 83-Jährige freut sich, dass sich viele Tiere in seinem Garten wohlfühlen – und zwar nicht nur Insekten aller Art. Der Rentner hat aus abgeschnittenen Ästen zwei große Igel-Unterkünfte angelegt, die auch gut angenommen würden. Auch Meisen und Rotkehlchen nisteten im Garten und zögen ihre Jungen groß. Selbst Enten habe er früher regelmäßig gesichtet. „Auch Mäuse gibt es hier, und die sollen auch bleiben“, findet er.

Im Herbst erholt sich das Huttroper Ehepaar zwei Monate in Spanien

Wenn im Herbst die Gartensaison zu Ende geht, zieht es Hugo Keip und seine Frau für zwei Monate nach Spanien. Dann sehe sein Bruder nach dem Rechten. „Meine Frau trägt meine Leidenschaft mit, auch wenn sie lieber im Garten sitzt, während ich arbeite“, sagt Keip und lacht. „Dass ich damals die Idee des BUND aufgegriffen und dieses Biotop angelegt habe, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.“

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