Luftverschmutzung

Tempo 30 hilft nicht gegen dicke Luft in Essen

Für die stark belastete Alfredstraße wurde die Einführung von Tempo 30 geprüft, um dort für bessere Luft zu sorgen. Die Stadt hat diesen Plan aber jetzt fallengelassen.

Für die stark belastete Alfredstraße wurde die Einführung von Tempo 30 geprüft, um dort für bessere Luft zu sorgen. Die Stadt hat diesen Plan aber jetzt fallengelassen.

Foto: Socrates Tassos

Essen.  Die Stadt Essen hat erwogen, Tempo 30 auf den Hauptachsen Alfredstraße und Gladbecker Straße anzuordnen. Doch damit wird die Luft nicht besser.

Ausgerechnet auf zwei Essener Hauptverkehrsadern drohte ein Tempolimit. Die Stadt Essen hat geprüft, ob auf der Alfredstraße und Gladbecker Straße Tempo 30 angeordnet werden sollte. „Wir haben das inzwischen aber verworfen“, betont Umweltdezernentin Simone Raskob. Der Plan wird nicht weiter verfolgt. Der Grund: Tempo 30 macht die Luft auf diesen beiden Straßen auch nicht besser.

Unter Leitung von Umweltdezernentin Raskob lotet eine ämterübergreifende „Task Force Luftreinhaltung“ aus, wie die Stickoxidbelastung weiter kurzfristig gesenkt werden kann, um drohende Fahrverbote zu verhindern. Auf der Alfredstraße wurde 2017 der zulässige Grenzwert von 40 Mikrogramm um sieben Mikrogramm und auf der Gladbecker Straße um einen Mikrogramm überschritten. Auf dem Tisch der „Task Force“ landete der Vorschlag, Tempo 30 auf diesen beiden Straßen einzuführen.

Noch mehr Abgase durch Tempo 30 möglich

In Bochum versucht man seit kurzem, mit der Geschwindigkeitsbegrenzung die Luftbelastung auf der Herner Straße zwischen den Anschlussstellen zur A40 und A43 in den Griff zu bekommen. In Hagen wird Tempo 30 gerade für die City-Achse Märkischer Ring diskutiert.

Die Stadt Essen befragte ihre Umweltexperten, ließ für die Alfredstraße und Gladbecker Straße Modellrechnungen erstellen und bat das Landesamt für Natur- Umwelt- und Verbraucherschutz (Lanuv) um eine Bewertung. „Mit Tempo 30 werden wir dort die Stickoxidbelastung nicht verringern“, fasst die städtische Beigeordnete Simone Raskob das Ergebnis zusammen. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung würde zu noch mehr „Stop and Go“ und damit sogar mitunter zu mehr Schadstoffausstoß führen.

„Tempo 30 macht nur Sinn, wenn der Verkehr flüssiger ist“, betont Lanuv-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia. Das Amt für Straßen und Verkehr hebt hervor, dass bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Alfredstraße und Gladbecker Straße eine „Grüne Welle“ nicht mehr möglich sei. Die Fahrzeuge müssten öfters vor einer roten Ampel stehen bleiben – bis zu drei mal pro Richtung Und das erzeuge wiederum mehr Abgase.

Verschiedene Meinungen zu Tempo 30

Rolf Fliß, Umwelt- und Verkehrsexperte der Grünen im Stadtrat, nimmt die Beurteilung erstmal zur Kenntnis, sagt aber auch: „Wir wollen wissen, welche Erfahrungen Bochum mit Tempo 30 macht.“ Auch die Entwicklung in Hagen müsse weiter verfolgt werden. Dort wird gerade das Pro und Contra abgewogen, was Tempo 30 auf dem Märkischen Ring bringt. „Während ein Gutachter zu dem Ergebnis kommt, dass es sich positiv auswirken könnte, sehen die Kollegen unseres Fachbereichs Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung dies kritisch“, erklärt der Hagener Stadtsprecher Michael Kaub auf Anfrage dieser Zeitung. „Eine Entscheidung hat es bislang nicht gegeben.“

Das Umweltbundesamt spricht zwar generell von „überwiegend positiven Wirkungen“ bei Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen, sagt aber auch, dass dies ein „noch zu wenig erforschter Aspekt in der Verkehrswissenschaft“ sei. Tempo 30 würde grundsätzlich nur dann die Luftbelastung verbessern, wenn es gelinge, die Qualität des Verkehrsflusses beizubehalten oder zu verbessern.

>>NEUE AMPELSTEUERUNG

Die Stadt Essen will mit einer neuen Ampelsteuerung auf der Alfredstraße die Stickoxidbelastung verringern.

Zum einen soll eine Grüne Welle für möglichst flüssigen Verkehr sorgen, zum anderen drosseln Pförtner-Ampeln Autofahrer dort, wo zu hohe Stickoxid-Werte festgestellt werden.

Das Projekt „Umweltsensitive Ampelsteuerung“ kostet vier Millionen Euro. Die Hälfte trägt der Bund. Realisierung ist im nächsten Jahr.

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