Thyssenkrupp-Campus

Thyssenkrupp-Quartier lockt Leser wie auch Henning Baum an

WAZ-Leser spazieren über den Campus des Thyssenkrupp-Hauptquartiers.

WAZ-Leser spazieren über den Campus des Thyssenkrupp-Hauptquartiers.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen.  WAZ-Leser besuchten die Thyssenkrupp-Zentrale. Sie erfuhren, dass seit seinem Bau vor zehn Jahren der monumentale Campus viele Gäste anzieht.

Es ist fast genau zehn Jahre her, da feierte Thyssenkrupp das Richtfest für sein neues Hauptquartier im Essener Westviertel. Das war im Juli 2009. Bis heute gilt der monumentale Bau der Architekten Chaix & Morel et associeés und JSWD Architekten als „das“ architektonische Ausrufezeichen in der Stadt. Immer wieder sind Besucher beeindruckt von der Modernität der Gestaltung, wenn sie vor dem 50 Meter hohen Hauptgebäude mit dem großen Auge stehen, das sich bei schönem Wetter eindrucksvoll in der langen Wasserachse davor spiegelt – umringt von mehreren Bürogebäuden, die einen offenen Campus hin zur Altendorfer Straße bilden. Im Inneren setzen sich Großzügigkeit und Transparenz fort. Einen Eindruck davon bekamen jetzt die Leser, die an der Führung „WAZ öffnet Pforten“ teilnahmen.

Seit seiner Eröffnung 2010 ist das Thyssenkrupp-Quartier immer wieder Treffpunkt internationaler Architektengruppen, die sich hier Anregungen holen. Auch die Lesergruppe ist erstaunt, wie modern die Architektur des Quartiers bis heute wirkt, obwohl das Gebäude-Ensemble mittlerweile schon eine Dekade auf dem Buckel hat. „Mir gefällt besonders die Offenheit der Räume. Auch die Einrichtung wirkt immer noch sehr modern und nobel“, zog Leserin Marlies Höller nach Ende der Führung ihr persönliches Fazit.

Filmdreh für den „Letzten Bullen“

Auch der Essener Schauspieler Henning Baum war schon zu Gast auf dem Campus. Dort drehte er für den neuen Kinofilm „Der letzte Bulle“, der im Herbst in die Kinos kommt. Die Premiere soll in der Lichtburg stattfinden. Ein Hinweis, den die Leser gern aufnahmen. Das Innere des Thyssenkrupp-Hauptgebäudes Q1 dient in einer Filmsequenz als Kulisse für den Polizisten Mick Brisgau, den Baum spielt, und der in der Konzernverwaltung jemanden sucht, an den Eingangstresen tritt und später über eine Brücke im Innern läuft. Ein Wochenende lang dauerten die Dreharbeiten vor Ort, berichtet ein Thyssenkrupp-Sprecher.

Doch der Campus steht längst nicht nur angemeldeten Architekturgruppen oder Filmcrews offen. Das Quartier sei offen für alle, betont Gästeführerin Christiane Becker-Romba. Das gilt sowohl für das Café Mocca auf dem Gelände als auch für das gesamte Freigelände, das von einer Baumallee durchzogen ist. Diese heißt übrigens „Allee der Welten“ und ist mit Bäumen aus den Ländern bepflanzt, in denen der weltweit agierende Konzern aktiv ist. Wegen der großen Trockenheit tragen sie in diesem Sommer grüne Plastikhüllen am unteren Stamm, um die wertvollen Bäume vor Hitzeschäden zu schützen.

Beachvolleyballfeld und offenes Café für alle

Als Einladung an die Essener Bevölkerung hat der Konzern in diesem Sommer am Rande des Quartiers zudem ein Beachvolleyballfeld angelegt. Das werde nicht nur von Mitarbeitern genutzt, sondern auch von den Essenern in der Nachbarschaft. Wieder abgebaut ist derweil die Container-Kneipe, die bis vor kurzem mitten auf dem Campus stand. Zwischen Kicker, Jukebox und Tresen sollten sich die Mitarbeiter hier bei einem Bier austauschen können. Anlass war die damals geplante Stahlfusion mit Tata und die Teilung des Konzerns, die bei vielen Mitarbeiter allerdings nicht gerade Feierlaune aufkommen ließ. Entsprechend umstritten soll die Kneipe intern auch gewesen sein. Doch mit dem Aus der Stahlfusion ist nun auch die Kneipe wieder weg, auch wenn die aktuell schwierige Lage des Unternehmens sicherlich noch genügend Gesprächsstoff unter den Beschäftigten bieten würde.

Schon in den Anfangsjahren des späteren Kruppschen Imperiums gab es Rückschläge, wie die Leser gleich zu Beginn der Führung von Christiane Becker-Romba erfuhren. Friedrich Krupp, der Gründer, nämlich hinterließ ein ökonomisches Desaster, als er 1811 beim Versuch scheiterte, englischen Gussstahl neu zu erfinden. Das Stammhaus neben dem Campus erinnert daher bis heute an die schwierigen Anfänge und an den vorübergehenden sozialen Abstieg der ehedem wohlhabenden Essener Kaufmanns-Dynastie Krupp. Sie mussten damals von der Stadtmitte – hoch verschuldet – in das kleine Betriebsleiterhaus ziehen. Friedrichs Sohn Alfred Krupp, der mit 14 Jahren das Unternehmen mit vier Mitarbeitern übernahm, brachte es bis zu seinem Tod 60 Jahre später auf 20.000 Mitarbeiter. Als Alfred längst in die Villa Hügel gezogen war, blieb das Stammhaus umringt von gigantischen Hallen der Kruppschen Gussstahlfabrik dennoch bestehen. Es sollte die Krupps an die „bescheidenen Anfangsjahre erinnern“. Und das tut es, wenn auch als Nachbau, bis heute.

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