Tödlicher Unfall

Tödlicher Unfall: Prozess gegen Fahrerin (41) eingestellt

Eine Justitia-Figur in Stein gemeißelt hängt an der Fassade des Landgerichts in Essen.

Eine Justitia-Figur in Stein gemeißelt hängt an der Fassade des Landgerichts in Essen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Sie erfasste einen Rentner mit dem Auto, der Mann starb später in der Klinik. Doch das Verfahren gegen die Unfallfahrerin wurde nun eingestellt.

Dieser Fall ist traurig: Vor zweieinhalb Jahren wurde an der Kreuzung Steeler Straße/Moltkestraße in Essen ein 78-jähriger Fußgänger angefahren. Zwei Wochen später war der Senior tot. Im Prozess vor dem Amtsgericht ist die Unfallfahrerin trotzdem nicht verurteilt worden.

Die Richterin hat das das Strafverfahren eingestellt – weil die Tragik überwiegt. Im Gegenzug muss die 41-jährige Unfallfahrerin allerdings jeweils 1500 Euro an die Verkehrswacht und die Landeskasse zahlen.

Autofahrerin hat den Fußgänger zu spät gesehen

Es war der 19. Dezember 2017, gegen 8.30 Uhr. Die 41-jährige Altenpflegerin aus Essen war auf Weg zu einem Arzttermin, es herrschte wie immer viel Verkehr. Den Rentner hat sie erst gesehen, als er von ihrem Scheinwerferlicht erfasst wurde. Doch da war es bereits zu spät. „Es ging alles ganz schnell“, sagte die Angeklagte der Richterin. „Er hat sich kurz an meinem Auto abgestützt, dann ging er zu Boden.“

Auf den ersten Blick sah alles gar nicht so dramatisch aus. Der 78-Jährige war ansprechbar, konnte Arme und Beine bewegen. Außerdem war durch Zufall sofort ein Arzt vor Ort. Der Mediziner war auf dem Weg zum Flughafen, hatte den Rentner auf der Straße liegen sehen und sofort Erste Hilfe geleistet.

Rentner war schon auf dem Weg der Besserung

Auch an den nächsten Tagen schien alles gut zu verlaufen. Die Unfallfahrerin hat den 78-Jährigen sogar zweimal im Krankenhaus besucht. „Wir haben uns ganz nett unterhalten.“

Am 1. Januar 2018 war der Rentner schon so weit wieder auf dem Weg der Besserung, dass er auf eine „normale“ Station verlegt werden sollte. Doch dann brach plötzlich der Kreislauf zusammen. Möglicherweise auch eine Folge seiner bereits bestehenden Herzerkrankung.

„Keine, die krawallmäßig um die Kurve düst“

„Wenn es sich um einen gesunden Menschen gehandelt hätte, wäre er sicherlich nicht gestorben“, sagte am Ende auch die Richterin. Außerdem sei die Angeklagte ziemlich langsam um die Kurve gefahren – mit Tempo 10. „Sie ist keine Autofahrerin, die krawallmäßig um die Kurve düst“, befand auch der Staatsanwalt. Bei dem Unfall war ein Halswirbel gebrochen, außerdem die Schulter.

Die Angeklagte war damals von der Steeler Straße links in die Moltkestraße eingebogen. Sie hatte „grün“, genau wie der Fußgänger. Was ihre Sicht aber offenbar erschwerte: Es gab eine Baustelle, außerdem war es noch dunkel.

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