Accenture

Unternehmensberatung eröffnet Ideenschmiede auf Zollverein

Götz Erhardt, Geschäftsführer bei Accenture, steht vor einem nachgebauten Reaktor im neuen Innovationscenter auf Zollverein.

Götz Erhardt, Geschäftsführer bei Accenture, steht vor einem nachgebauten Reaktor im neuen Innovationscenter auf Zollverein.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Beratungsunternehmen Accenture will die Industrie der Region für das digitale Zeitalter fit machen. Auf Zollverein steht das Labor dafür.

Im alten, denkmalgeschützten Schalthaus II auf Zollverein ist die Zukunft eingezogen. Das historische Gebäude direkt neben der einstigen Kokerei stand seit der Insolvenz der Event-Agentur von Kalle Krause länger leer. Nun könnte der Kontrast kaum größer sein: Draußen die rote, kompakte Backsteinhülle, die die alte Bergbaugeschichte des Standortes manifestiert. Drinnen in der ehemaligen Werkstatthalle steht Götz Erhardt, Geschäftsführer bei Accenture, inmitten von großen Flachbildschirmen. Technik zum Anfassen gibt es hier kaum – abgesehen von ein paar Fahrzeugen aus Legosteinen, einem nachgebauten Reaktor en miniature und einigen Schaltschränken, die eine kleine Welt aus Strommasten steuern.

Dieser Showroom ist das Herzstück des neuen Innovationslabors, das Accenture vor wenigen Wochen auf Zollverein eröffnete. Industry X.0 Innovation Center heißt es. „Wir wollen hier mithelfen, den Industriewandel in der Region zu organisieren“, sagt Erhardt. Industriewandel heißt Innovation, heißt Digitalisierung. Im Showroom sollen sich Kunden von Accenture über den technischen und technologischen Fortschritt in ihren Branchen informieren – virtuell versteht sich – und sich mit Experten aus aller Welt vernetzen.

Accenture hat Innovationslabore weltweit

Das Innovationscenter ist dabei auf die wichtigen Branchen der Region ausgerichtet: Energiewirtschaft, Chemie, Stahlproduktion, Gas- und Ölverarbeitung. Es ist neben Garching bei München das zweite Zukunftslabor, das Accenture in Deutschland betreibt. Weltweit sind es fast zwei Dutzend. Geballtes Wissen, das sich leicht vernetzen lässt, meint Erhardt. „Unsere Kunden können sich hier Inspiration holen, was weltweit passiert.“ Es geht zum Beispiel um Prozessoptimierung in Reaktoren, um den Schutz vor Hackerangriffen auf Stromnetze oder um die Verbesserung von Logistikabläufen.

In den oberen Etagen des Schalthauses hat sich Accenture moderne Großraumbüros für seine Berater eingerichtet sowie ein Zukunftslabor, in dem die Mitarbeiter zusammen mit Kunden dann an individuellen Lösungen bauen. In dem großen Raum gibt es eine Bücherwand, stehen Sofas und hängen Designerlampen. Mit einer sterilen Laboratmosphäre hat das nichts gemein. So hat sich auch das Beratergeschäft von Accenture verändert. Kunden wünschen sich mehr denn je individuelle Lösungen. Und Schnelligkeit ist gefragt.

Zollverein inmitten einer bedeutenden Industrieregion

Dass die Wahl des Standortes auf Zollverein fiel, hat dabei mehrere Gründe. Zum einen liegt Essen im Herzen einer großen Industrieregion, die auf dem Accenture-Atlas von Leverkusen bis zu den großen Chemieparks in Marl reicht. „Das ist ein Wirtschaftsraum mit einer enorm hohen Bedeutung“, unterstreicht Erhardt. Außerdem sei es das besondere Flair des Zollverein-Ensembles gewesen, warum sich Accenture für die Ansiedlung hier entschieden hat. Die alte Tradition eines Industriestandortes werde hier eindrucksvoll erlebbar. „Es ist der Kontrast, der mich begeistert“, sagt Erhardt, als er auf der Terrasse des Schalthauses steht mit Blick auf die beiden Kühltürme. Die internationalen Gäste, die Accenture häufig empfängt, seien von der Kulisse ebenso beeindruckt. Schließlich biete Zollverein durch seine eher abgeschiedene Lage im Essener Norden einen guten Rückzugsraum, um in Klausur zu gehen, sagt Erhardt. Immerhin: Die Irrfahrten per Taxi, die manche Gäste in den ersten Tagen erlebten, als sie Accenture besuchen wollten, würden mittlerweile weniger. Dass demnächst auf dem Gelände das erste Hotel eröffnen wird, sehen sie bei Accenture mit Vorfreude. Denn es sind vor allem Mitarbeiter aus ganz Deutschland, den Beneluxländern und Frankreich, die sich mit Kunden auf Zollverein treffen werden.

Accenture hat das Schalthaus für zunächst zehn Jahre vom Besitzer RAG Stiftung gemietet. „Wir wollen schon hier bleiben“, sagt Erhardt.

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