Kirchenbrand

Vor 77 Jahren retteten Horster ihre Kirche vor den Flammen

Die Kirche St. Joseph im Stadtteil Horst liegt an der Dahlhauser Straße: Autor Franz van der Kemp erinnert in seinem Buch an das Feuer in dem Gotteshaus, das 1942 von Bomben getroffen wurde.

Die Kirche St. Joseph im Stadtteil Horst liegt an der Dahlhauser Straße: Autor Franz van der Kemp erinnert in seinem Buch an das Feuer in dem Gotteshaus, das 1942 von Bomben getroffen wurde.

Foto: Michael Gohl

Essen-Horst.   Der Brand der Pariser Kirche Notre Dame weckt Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg: Damals trafen in Horst Bomben die Kirche St. Joseph.

„Der Brand und die Zerstörung der Kirche Notre Dame in Paris hat auch bei manchem Horster Erinnerungen geweckt“, sagt Arnd Hepprich vom Steeler Archiv und meint die Schrecken im Zweiten Weltkrieg und das Feuer, das in der Kirche St. Joseph wütete. Bei dem Großangriff auf Essen in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni seien es Horster Bürger gewesen, die gegen die Flammen in ihrem Gotteshaus gekämpft hätten.

Nachzulesen ist das im Buch des gebürtigen Horsters Franz van der Kemp (87), der damals zehn Jahre alt gewesen ist und 2003 dann der Autor des Werkes „Achtung Achtung! Ende Ende! Geschichte einer Kindheit und Jugend von 1932-1951“. Darin schildert er vor allem die Auswirkungen des Krieges auf seinen Stadtteil und auch auf die St. Joseph-Kirche. Es sind die Erinnerungen seines Onkels, der Augenzeuge beim Kirchenbrand gewesen ist.

Vier Stabbrandbomben trafen die Pfarrkirche

„Ein Brandbombenteppich, der unterhalb der Kirche St. Joseph begann, zog sich in ca. 2000 Meter Breite nach Osten über Horst, den Truppenübungsplatz und Eiberg bis nach Bochum-Dahlhausen. Die Mehrzahl der Bomben fiel in freies Gelände und nur ein geringer Teil in Wohngebiete. Die Bewohner von Horst und Eiberg waren gut vorbereitet“, schreibt der Autor. Dank ihrer Wachsamkeit sei in Horst zwar kein einziges Haus abgebrannt, gleichwohl sei die Pfarrkirche St. Joseph von vier Stabbrandbomben getroffen worden.

„Durch die Kirchenfenster leuchtete der helle Feuerschein und hoch oben im Kirchturm flackerten die Flammen. Die Feuerwehr zu rufen war zwecklos. Denn die NS-Regierung hatte die Anweisung gegeben, nach Bombenangriffen keine brennenden Kirchen zu löschen. Die Begründung: es gibt Wichtigeres zu löschen als Kirchen, nämlich das Volkseigentum“, schildert er. Also packten viele Pfarrangehörige mit an, um ihre Kirche zu retten.

Holzbalken und Bohlen im Kirchturm brannten

Eine Brandbombe, die etwa zwei Meter neben der Kanzel eingeschlagen sei, hätten sie schnell mit Sand erstickt. „Viel schwieriger gestaltete sich die Brandbekämpfung im Kirchturm. In der Nähe des Glockenstuhls hatten die Brandbomben schon Holzbalken und Bohlen entzündet. Für die Löscharbeit stand nur eine kleine Handspritze, die von zwei Helfern zu bedienen war, zur Verfügung“, berichtet Franz van der Kemp. Einer habe also die Handpumpe betätigt, die in einem gefüllten Wassereimer gestanden habe. Der andere habe versucht, mit Hilfe der Spritze die Flammen zu löschen.

Die Löschmannschaft sei dann inzwischen durch weitere Personen verstärkt worden. „Am Außenzapfhahn des Schwesternhauses wurden die Eimer mit Wasser gefüllt. Mehr als 40 Eimer mussten die Helfer, die eine lange Kette bildeten, über schmale Wendeltreppen in den Kirchturm hinauftragen“, hat van der Kemp aufgeschrieben und ist überzeugt: „Dem mutigen Einsatz dieser fleißigen Männer und Frauen ist es zu verdanken, dass der Kirchturm von St. Joseph kein Raub der Flammen geworden ist.“

Die Beschädigungen an dem Gotteshaus seien durch den raschen Einsatz nicht ganz so dramatisch gewesen. Spuren aber habe der Brand durchaus hinterlassen, sagt Franz van der Kemp. Als er vor rund 20 Jahren für sein Buch recherchiert habe, „hat der Küster mir von den erhaltenen Brandspuren an den Balken berichtet, die von dem Feuer zeugen“.

>>DAS BUCH IST IM STEELER ARCHIV ERHÄLTLICH

  • Das Buch von Franz van der Kemp ist im Steeler Archiv (er selbst ist Gründungsmitglied des Archivs), Hünninghausenweg 96, erhältlich. Öffnungszeiten: mo, 16 bis 19 Uhr, do und sa ,10 bis 13 Uhr.
  • Weitere Informationen gibt es auf: www.steeler-archiv.de

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