Gerichtsverhandlung

Angeklagter Asylbewerber spricht über Tod von Tochter

Das Verfahren wird am Amtsgericht in Unna geführt.

Das Verfahren wird am Amtsgericht in Unna geführt.

Foto: Stefan Meinhardt

Fröndenberg/Unna.  Gerichtsprozess gegen Asylbewerber: Psychiatrisches Gutachten zweifelt seelische Störung an. In seiner Heimat unschuldig im Gefängnis gesessen.

Vor dem Amtsgericht Unna geht der Prozess weiter gegen den Asylbewerber, der in der Fröndenberger Innenstadt und in seiner Unterkunft randaliert und Diebstähle begangen haben soll. Im Fokus standen dabei nun die persönlichen Umstände, die den jungen Mann schwer belastet haben könnten. Der Psychiater, der ein Gutachten über den Mann angefertigt hat, bezweifelt allerdings einige der Aussagen.

Ausgangspunkt war ein Tatvorwurf, der in dem Komplex des Verfahrens eher harmlos anmutet. Im Sommer 2018 soll der 24-jährige Afrikaner, von dem nicht klar ist ob er die Staatsangehörigkeit der Elfenbeinküste oder Guineas hat, in einem kleinen Geschäft in der Fröndenberger Innenstadt eine Schachtel Zigaretten und ein Feuerzeug gestohlen haben. Gesamtwert: etwas mehr als zehn Euro. Nach Aussage der Ladenbesitzerin legte er die Gegenstände zum Kassieren auf die Theke, schnappte sich dann aber die Teile und verlies den Laden ohne zu bezahlen. „Als ich hinterherging und sagt, er müsse das aber bezahlen antwortete der Mann nur: ,Nein, das ist meins!’“, erklärte die Ladenbesitzerin in der Vernehmung.

In Handschelle gelegt

Vor Gericht erklärte er das damit, er habe seine Geldbörse, die er in einem nahem Café vergessen hatte, holen und dann bezahlen wollen. Mit Hilfe zweier Kunden hielt die Ladenbesitzerin den Mann dann so lange fest, bis die Polizei eintraf. Wobei der mutmaßliche Dieb auch keine Anstalten machte, sich zu wehren. „Er blieb ganz ruhig und wartete“, sagte die Zeugin aus. Ein Stimmungsumschwung ergab sich erst beim Eintreffen der zwei Polizeibeamten. Da wurde der 24-Jährige aggressiver, wehrte sich gegen die Durchsuchung durch die Polizisten. Schließlich wurde er doch zu Boden gebracht und in Handschellen gelegt.

Einige Tage später, so berichtete die Ladenbesitzerin noch, war der junge Mann erneut in den Landen gekommen um sich für seine Tat zu entschuldigen und die Schulden zu begleichen. Die Polizisten, so berichtete einer von ihnen, hatten regelmäßig mit dem Mann zu tun, der etwa mehrfach in seiner Unterkunft randaliert hatte. Eine Vermutung hatte sich schon am vorherigen Verhandlungstag bei der Aussage einer ehemaligen Flüchtlingspatin des Afrikaners ergeben: Der junge Mann reagiert aggressiv auf Polizisten beziehungsweise Uniformierte. Was die Zeugin damals mit schlechten Erfahrung des Mannes in seiner afrikanischen Heimat erklärt hatte. Er habe dort vor einigen Jahren unschuldig im Gefängnis gesessen, sogar mit ansehen müssen, wie nahe Verwandte von Soldaten vor seinen Augen erschossen wurden.

Schicksalshafte Anrufe

Und der Asylbewerber berichtete noch von einem anderen traurigen Schicksal: Zu der Zeit, in die die meisten Anklagevorwürfe fallen, sei es ihm sehr schlecht gegangen. Aus seiner afrikanischen Heimat habe er telefonisch erfahren müssen, dass sowohl seine Tochter (durch eine Erkrankung) als auch sein Zwillingsbruder (bei einem Unfall) verstorben seien.

Diese Information war für alle anderen Beteiligten des Verfahrens offensichtlich neu. Auch für den Psychiater, der als Gutachter im einen intensiven Austausch mit dem Angeklagten, etwa zur Überprüfung einer verminderten Schuldfähigkeit, hatte. In diesen Gesprächen hatte der Afrikaner aber nur von Stimmen gesprochen, die er immer wieder in seinem Kopf höre und die ein Grund für seine Eskalationen im letzten Jahr gewesen sein sollen. Woran der Sachverständige aber starke Zweifel äußerte. „Ich sehe hier keine Psychose oder eine andere schwere seelische Störung.“ Dafür sei der Angeklagte zu kontrolliert aufgetreten.

Nun soll ein weiteres Gespräch mit dem Nervenarzt rechtzeitig vor dem nächsten Verhandlungstermin neuen Erkenntnisse weiter ergründen und dem Gericht Anhaltspunkte für ein Urteil liefern.

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